fff_paulskirche_weihnachten
+
Die Lichter des Weihnachtsmarktes erstrahlen hell auf diesem Archivbild - doch die Corona-Pandemie hat auch dieses beliebte Treiben ausfallen lassen. Dafür könnte in der Paulskirche an Heiligabend ein feierlicher ökumenischer Gottesdienst gefeiert werden.

Zuletzt 1943 in Frankfurt

Weihnachten in der Paulskirche

  • vonGernot Gottwals
    schließen

Evangelische und katholische Gemeinden müssen diesmal anders feiern.

Das hat es seit 1943 nicht mehr gegeben: Weihnachten in der Paulskirche. Doch die Corona-Krise führt dazu, dass die evangelischen und katholischen Gemeinden und Pfarreien an Weihnachten neue Wege gehen. "Wir planen an Heiligabend Gottesdienste um 15.30 Uhr und 18 Uhr und wollen bis nächste Woche klären, wie viele Besucher wir nach dem Infektionsschutzkonzept jeweils zulassen dürfen", erklärt Andrea Braunberger-Myers, Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Sankt Paulsgemeinde.

Die Gemeinde, seit 1949 in der Alten Nikolaikirche beheimatet, kehrt somit in ihre größere Ursprungskirche zurück, während man in Innenstadtkirchen der benachbarten Gemeinden und der katholischen Dompfarrei mit dem Platz haushalten und die Weihnachtsgottesdienste mit entsprechend weniger Teilnehmern feiern muss. In anderen Stadtteilen weichen Katholiken und Protestanten möglichst ins Freie aus, es gibt sogar Ideen für einen ökumenischen Gottesdienst in einem Stadion.

In der evangelischen Gemeinde Bockenheim sind Gottesdienste auf dem Kirchplatz bereits Tradition. "Wir hoffen, dass wir an Heiligabend vor der Sankt Jakobskirche statt eines Gottesdienstes mit 1000 Besuchern und Krippenspiel drei Gottesdienste mit je 250 Besuchern und Krippenspielen anbieten dürfen", sagt Pfarrerin Pia Baumann. Einen vergleichbaren Weg geht ihre Kollegin Anne Kampf in der evangelischen Bethaniengemeinde in Berkersheim: "Aus einem Krippenspielgottesdienst werden nun zwei mit großer Krippe auf unserem Kirchplatz." "Es wäre sehr schön, wenn wir vor der Friedenskirche Heiligabend mit 250 bis 300 Teilnehmern in der Grünanlage der Frankenallee begehen könnten", hofft Arne Knudt, Vorsitzender des Kirchenvorstandes der evangelischen Gemeinde Frieden und Versöhnung.

Die katholische Pfarrei Sankt Jakobus in Niederrad könnte den Bruchfeldplatz nutzen. "Doch ein größerer Außengottesdienst wäre mit vielen Auflagen verbunden", gibt Pfarrer Werner Portugall zu bedenken. Daher plant er für bis zu 250 Gläubige die Gottesdienste an Heiligabend lieber im Innenhof der Kirche Mutter vom Guten Rat und auf der Wiese vor der Sankt-Mauritius-Kirche in Schwanheim. An den Weihnachtsfeiertagen gibt es Messen in den Stadtteilkirchen. Entsprechend verfährt die Pfarrei Sankt Marien und setzt neben der renovierten Frauenfriedenskirche auf eine ökumenische Parkweihnacht nahe des Kirchortes von Sankt Antonius Rödelheim. In den evangelischen Gemeinden in Griesheim und Nied werden die Höfe der Friedrich-List- und Niddaschule ins Weihnachtsprogramm einbezogen. "Dort und auf dem Freigelände der Pfingstkirche gibt es an Heiligabend kurze Gottesdienste", erklärt Pfarrer Joachim Preiser. Eine musikalische Nacht-Andacht mit Anmeldung wird um 22 Uhr in der Christuskirche gefeiert.

"Auch wir denken über Gottesdienste vor den Kirchen nach", so Werner Otto, Pfarrer der Großpfarrei Sankt Bonifatius in Sachsenhausen und Oberrad. "Für Familien soll es die Möglichkeit geben, zu Krippenfeiern unter freiem Himmel zusammenzukommen." In den Kirchen sollen auf jeden Fall Christmetten stattfinden, zu denen man sich aber vorher online anmelden muss.

In den katholischen Gemeinden in Griesheim und Nied will man auf Gottesdienste im Freien verzichten: "Die Hygienekonzepte in unseren Kirchen sind erprobt, die Witterung an Heiligabend unkalkulierbar", begründet Pfarrer Rolf Glaser. Dafür sind in den Kirchen des dortigen pastoralen Raums vier Christmetten für 272 Gläubige geplant. Hinzu kommen die Gottesdienste für muttersprachliche Gemeinden.

"Derzeit sind an Heiligabend und an den Feiertagen in unseren sechs Kirchen die Christmette und die Weihnachtsgottesdienste geplant", erklärt Anto Batinic, Pfarrer in der Großpfarrei Sankt Franziskus im Frankfurter Nordosten und Nordwesten. Auf Krippenfeiern müsse jedoch verzichtet werden. "Wir planen derzeit zusätzliche Christmetten und bereiten alles vor, um Gottesdienste zu streamen und in Gemeinderäume zu übertragen", sagt Markus Schmidt, Pfarrer in Sankt Josef Bornheim, zu der auch Riederwald, Seckbach und Fechenheim gehören. Für Gottesdienste im Freien wären die Auflagen immens, räumt der Pfarrer ein. Da es auf dem Römerberg und auch auf der Hauptwache trotz abgesagtem Stadtgeläut kaum anders aussieht, bietet die Sankt Katharinengemeinde den Familiengottesdienst, die Christvesper und die Christmette mit maximal 100 Gläubigen an - und am ersten Weihnachtsfeiertag den Gottesdienst mit Kirchenpräsident Volker Jung als üblichem Höhepunkt. Gernot Gottwals

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare