Viele finden sie schön, andre traurig wegen „hängender Äste“: Die dem Schlüchterner Waldboden entrissene, rund 80 Jahre alte und 30 Meter hohe Fichte vor dem Römer trägt bereits rote Schleifen.

Alle Jahre wieder

Weihnachtsbaum-Wettkampf: Wer hat den Schönsten?

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Es ist jedes Jahr dasselbe: Die Leut’ meckern über die in vielen Städten aufgestellten Weihnachtsbäume: Zu dünn, zu dick, zu klein, zu groß, zu buschig, zu gakelig. In Online-Netzwerken scheint das Baum-„Bashing“ immer beliebter. Dabei geben sich doch alle redlich Mühe!

Ja, is scho wieda Weihnachten? Hohoho. Ja, isses. Man merkt es spätestens dann, wenn sich vor dem Totensonntag der Weihnachtsbaum-Wettkampf Bahn bricht. Vor Jahren wetteiferten etwa Frankfurt und Dortmund, wer den größten Baum habe. Die Ruhrpott-Perle mogelte, frickelte ein 45 Meter hohes Konstrukt aus 1700 Bäumen zusammen und brüstete sich mit dem „größten Weihnachtsbaum der Welt“. Mit Verlaub: Das ist unseriös!

Noch ungeschmückt ist der Baum am Rathaus OF.

Allora: Was Deutsche können, können Italiener längst. Rom und Mailand pflegen ähnlich wie Offenbach und Frankfurt eine Art Hassliebe. 2017 stritt Rom mit Mailand um ein mageres Gewächs. Dabei ging es eigentlich um Politik. Im Netz mutierte der Baum namens „Spelacchio“ (Der Räudige, der Schäbige) zur Attraktion: Er habe mehr Follower als Zweige, lästerte man alsbald. Nur den Baum im Vatikan vor dem Petersdom kritisierte keiner. Kein Wunder, bei dieser Verbindung ins Himmelreich...

Auf eine solche Nähe kann der Radiosender „Das Ding Mainz“ des SWR nicht verweisen. Dort stellte man kürzlich zwei Fotos ins Netz mit den im schönsten restringierten Code verfassten Worten „Total ... äh ... schön. Der Weihnachtsbaum in Frankfurt“. Und zeigten mitleidslos die frisch aufgestellten, ungeschmückten Bäume aus Frankfurt (31 Meter), Mainz (15 Meter) und Wiesbaden (28 Meter) – die bar jeden Schmucks „natürlich“ etwas zerrupft aussehen. Willkommenes Fressen für einige User: Sie lästern über „knorrige Sachen“ und ein „abgemagertes“ Weihnachten.

Der „Meenzer“ Baum ist aus Idstein und 15 Meter hoch.

Ist der vom letzten Jahr?

Andere witzeln „Ist das nicht der Baum vom letzten Jahr?“ oder behaupten „Der Wiesbadener Baum wird (...) immer der schönere sein.“ Christiane Ludwig pflegt Lokalstolz: „Was für eine Frage.. Pfff, wir sind Wiesbadener! Wie kann denn was von der ebschen Seite schöner aussehen?.“ Ramona Balzer postet: „Der Baum für Mainz muss schöner aussehen, weil Wiesbaden an sich schöner ist.“ Axel Wehrheim sieht es komplexer: „Jedes Jahr die gleichen Kommentare über einen unfertigen Baum. Einfach abwarten, bis er pünktlich zum (Wiesbadener) Sternschnuppenmarkt erstrahlt. Dann sieht er wunderschön aus und niemand denkt mehr an einen Krüppel von Baum.“ Wieder andere schlussfolgern messerscharf den Zusammenhang von Alkoholgenuss und Weihnachtsmarkt-Glück: „Nach dem dritten Getränk mit Schuss (...) wird einem das egal sein. Jedes Jahr wird über den Frankfurter Baum geschimpft und das ist auch ’ Tradition.“ Und Katharina Hagemann fragt: „Wie wäre es, den Baum da stehen zu lassen, wo er seine Wurzeln hat?!“.

Der Wiesbaden-Baum misst 28,51 Meter.

Baum-Genörgel ist Mode

Weihnachtsbaum-Genörgel ist in Mode. Was Tomas Feda, Chef der Tourismus-Gesellschaft Frankfurt, nicht anficht: „Fichte gegen Nordmanntanne, 30 gegen 15 Meter – der Vergleich hinkt ähnlich wie der des 295 Meter hohen Commerzbank-Turmes mit den knapp 95 Meter hohen Bonifazius-Türmen in Mainz.“ Und: „Ein Baum mit Charakter wie der unsere stammt eben aus der Natur – und nicht aus dem Bilderbuch.“ Weise Worte.

Übrigens: Am Montag, 26. November, 17 Uhr wird die Rotfichte vor dem Römer in vollem Glanz erstrahlen. Dann knipst Oberbürgermeister Peter Feldmann die über 6000 Lichtlein an. Ach ja: Das Online-Voting ging so aus: Platz 1: Mainz, gefolgt von Wiesbaden (2.) und Frankfurt (3.). War ja klar...

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