Der anstrengende Job hinter der Theke ist jetzt noch anstrengender: Verkäuferin Ruth Grünwald aus der Fechenheimer Filiale der Großbäckerei Eifler reicht einem Kunden das Brötchen vorbei an der Schutzscheibe.
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Der anstrengende Job hinter der Theke ist jetzt noch anstrengender: Verkäuferin Ruth Grünwald aus der Fechenheimer Filiale der Großbäckerei Eifler reicht einem Kunden das Brötchen vorbei an der Schutzscheibe.

Was Frankfurter in der Pandemie schaffen

Weil der Job noch härter ist als sonst: "Wir sind ebenso Corona-Helden"

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Ob Handwerker, Verkäufer oder Dienstleister: Sie halten - trotzdem - alles am Laufen

Frankfurt -Nicht alle Firmen und Betriebe sind in der Corona-Krise vom "Lockdown" betroffen gewesen, denn ihre Arbeit ist systemrelevant. So etwa die Gas-Wasser-Installateure. Hubert Rautenberg, Inhaber der H. Rautenberg GmbH im Nordend, erklärt: "Wir Handwerker sind ebenso Corona-Helden wie Pflegepersonal oder Supermarkt-Mitarbeiter. Wir waren auch immer da, wenn wir gebraucht wurden. Nur bei uns wird es nicht anerkannt." Dabei müssen Reparaturen, wenn die Haustechnik einmal streikt, möglichst schnell erledigt werden - und das unter Corona-Bedingungen. "Im Gespräch mit dem Kunden ist die Maske immer erforderlich", sagt Rautenberg. "Manchmal müssen wir die Kunden trotzdem bitten, kleine Räume oder Keller zu verlassen, damit wir sicher arbeiten können." Schließlich erachten auch Handwerker die Einhaltung von Hygieneregeln und Abstand als wichtig. "Zum Glück hatten wir noch keinen Corona-Fall in der Belegschaft", sagt der Firmeninhaber. Über 20 Mal am Tag müssten die Hände gewaschen und desinfiziert werden, beim Kunden tragen die Installateure meist Handschuhe.

Auch bei der Bäcker Eifler Produktionsgesellschaft mbH ist hat sich die Corona-Pandemie einiges geändert. Inhaber Gerhard Eifler sagt: "Wir arbeiten in Fechenheim in zwei Schichten. Von 20 Uhr bis 5 Uhr und von 6 bis 15 Uhr." In jeder Schicht seien etwa 40 Bäcker aktiv und die beiden Schichten haben keinerlei Kontakt miteinander. Zwischen 5 und 6 Uhr sind die Reinigungskräfte dran: Produktion, Waschbecken, Türgriffe - alles wird gründlich gereinigt und desinfiziert. "Auch jeder Controller einer Schicht hat nichts mit dem anderen Controller zu tun. Und der Lieferant kommt nur herein, wenn er neben dem Haarnetz auch eine Maske trägt und sich vorher die Hände desinfiziert", so Eifler.

Auch während der Produktion laufen manche Prozesse anders als vor Corona. "Zwei Schutzmasken pro Mann und Schicht sind nötig. Die Leute schwitzen ja, die fassen sich vielleicht man an die Maske, es juckt sie vielleicht mal." Eifler hat schon mehrmals Großbestellungen an Schutzmasken erhalten, zum Preis von je mehreren tausend Euro. "Das ärgert mich schon etwas. Aber es gibt ja keine Alternative, es muss sein." 16 Fahrer bringen die Backwaren morgens in die Filialen. Auch sie dürfen keinen Kontakt zu Mitarbeitern der Produktion haben, und auch möglichst keinen zu den Mitarbeitern in den Filialen.

Dort wiederum gibt es Kundenverkehr. Eifler ärgert sich über Uneinsichtige: "Manche tragen keine Schutzmaske. Und wenn die Mitarbeiter dann sagen, wir dürfen Sie nicht bedienen, werden sie sauer und krakeelen herum." Aber Sicherheit gehe vor. In jeder Filiale gibt es Plastiktrennscheiben an der Theke, alle Verkäuferinnen tragen Masken.

Bei der Binding-Brauerei gab es schon immer strenge Sicherheitsvorkehrungen, Hygienerichtlinien und Qualitätsanforderungen. Die jetzt geltenden Abstandsgebote lassen sich Bettina Pöttken zufolge gut einhalten, "da unsere Produktionsanlagen weitläufig sind, sich über mehrere Etagen erstrecken und deren Steuerung sowie Bedienung jeweils nur wenige Kollegen in den einzelnen Bereichen übernehmen", so die Marketingleiterin der Radeberger Gruppe KG.

Sind dann doch einmal engere Kontakt unvermeidbar, sind FFP2-Masken vorhanden. Zudem gibt es auf jeder Etage Desinfektionsstellen. Pöttken: "Außerdem haben wir die Reinigungsintervalle an den Arbeitsplätzen, in den Arbeitsbereichen sowie auf typischen Laufwegen erhöht. Häufig und von vielen Mitarbeitern berührte Flächen (Handläufe, Türgriffe, Bedienelemente etwa in den Aufzügen, Tischflächen in Sitzungsräumen oder Kantinen) werden ebenfalls regelmäßig gereinigt. Auch unsere Kantine ist nun so eingerichtet, dass die Sicherheitsabstände eingehalten werden können." Zwei Ziele verfolgt die Brauerei in Sachsenhausen: Die Gesundheit der Mitarbeiter und die Lieferfähigkeit erhalten. Bislang sei dies gelungen.

In vielen Büros hingegen machen sich Mitarbeiter rar, das Gros arbeitet von zu Hause aus am Compute und Telefon. So etwa in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Börsenplatz. Noch bis zum Ende der Sommerpause bleibt die Hälfte der Mitarbeiter im Homeoffice. Alle, die noch in den Büros arbeiten, sitzen getrennt voneinander, die meisten in Einzelzimmern. Dienstreisen, Team-Besprechungen und auch Veranstaltungen im Gebäude finden zurzeit nicht statt. Die Vollversammlung hat per Videokonferenz getagt. "Die schriftlichen Abschlussprüfungen zu den dualen Berufsausbildungen jedoch haben unter strengen Hygieneauflagen in der Kammer stattgefunden", erläutert IHK-Sprecherin Anne Waldeck.

Büros mit mehreren Arbeitsplätzen gibt es auch an der Goethe-Universität. Doch auch hier können die Mitarbeiter nach Absprache mit den Vorgesetzten ins Homeoffice gehen. Zumal, wenn sie pflegebedürftige Angehörige zu Hause haben, erklärt Sprecher Dirk Frank. Geändert hat sich auch das Verhalten: Händeschütteln ist out, die Mensen sind geschlossen und wer in der parkähnlichen Anlage des Campus Westend zu eng nebeneinander sitzt, wird durchaus vom Sicherheitsdienst oder der Polizei aufgefordert, Abstandsregeln einzuhalten.

Die aktuellen Entwicklungen der Corona-Pandemie lesen Sie in unserem News-Ticker zu Corona in Hessen.

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