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Frankfurts Ex-OB Feldmann: „Hätte gerne weitergemacht“

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Von: Julia Lorenz

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Am Tag nach seiner Abwahl zeigt sich der Frankfurts Noch-Oberbürgermeister Peter Feldmann uneinsichtig.

Frankfurt - Noch-Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) bleibt sich auch einen Tag nach der wohl größten Niederlage seiner Politiker-Karriere treu: Bevor er sich am Montag noch einmal zum Ausgang des Bürgerentscheids äußert und sich den Fragen der Journalistinnen und Journalisten stellt, geht er wie gewohnt durch die Reihe der Anwesenden, lächelt und schüttelt Hände. Selbstsicher. Selbstbewusst. Gefasst.

Dass der 64-Jährige nach zehn Jahren im Amt am Sonntagabend von 95,1 Prozent der Frankfurter, die sich am Bürgerentscheid beteiligt haben, abgewählt wurde, davon spürt man an diesem Nachmittag nicht viel. Auch wenn Feldmann Dinge sagt wie: „Es war kein leichter Abend.“ Oder, dass er die Abwahl zunächst einmal verkraften müsse. Immerhin sei die seit Monaten andauernde Auseinandersetzung um seinen Rückzug eine große Kraftanstrengung gewesen: „Es ist erst einmal gut, dass der Konflikt vorbei ist“, sagt Feldmann, der sich am Mittwoch wegen des Verdachts der Vorteilsannahme wieder vor Gericht verantworten muss.

Nach Abwahl: Feldmann gibt den Frankfurter Parteien Tipps

Vieles, was über ihn gesagt oder geschrieben worden sei, sei sehr verletzend und auch erniedrigend gewesen. „Jetzt muss in der Stadt wieder Frieden einkehren“, so Feldmann. Anstelle von persönlichen Befindlichkeiten müssten wieder die Sachthemen und sozialen Themen in den Vordergrund rücken.

Wie diese Themen aussehen könnten, das gibt der Noch-Oberbürgermeister denn dann auch gleich vor, und nennt Punkte, die in den kommenden Monaten für die Politiker im Römer besonders wichtig sein sollen: Frankfurt müsse bezahlbar bleiben („Die Menschen dürfen keine Angst haben, ihre Wohnung aufgrund der gestiegenen Strom- und Gaspreise zu verlieren.“) und Eltern müssten durch ein kostenloses Krippenjahr entlastet werden („Wenn man Chancengleichheit will, ist frühkindliche Bildung wichtig“).

Frankfurt: Die Zukunftsfrage lässt Feldmann offen

Und so macht Feldmann keinen Hehl daraus, dass er es bedaure, künftig nicht mehr Oberbürgermeister von Frankfurt zu sein. Er habe das Amt mit Herzblut geführt und wolle keinen Tag missen. „Es war eine herausragende und herausfordernde Aufgabe“, sagt Feldmann. „Ich hätte gerne weitergemacht.“

Die Frage nach seiner Zukunft lässt er offen. „Ich habe mich noch nicht umorientiert; ich war davon ausgegangen, bis Ende Juni 2024 Oberbürgermeister zu sein“, sagt er ganz offen. „Ich muss jetzt erst einmal Luft holen.“ Allerdings wolle er sich weiter für die Stadt, die Bürger und eine soziale Politik einsetzen. „Ich arbeite gerne und habe kein Interesse daran, in Rente zu gehen.“ Jetzt freue er sich aber erst einmal auf mehr Zeit mit seinen „bezaubernden Töchtern“. „Normalerweise hat mein Telefon immer geklingelt, wenn ich mit ihnen auf dem Spielplatz war“, sagt Feldmann. „Ich hoffe, die Anrufe werden jetzt weniger.“

Feldmann zeigt in Frankfurt Mangel an Selbstkritik

Fehler, die letztlich zu seiner Abwahl geführt haben könnten, sieht das Stadtoberhaupt nicht wirklich - nur einen einzigen gesteht er sich ein. Er hätte zu Beginn der Affäre um ein erhöhtes Gehalt seiner Frau bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) besser und schneller kommunizieren müssen. Feldmann hatte damals tagelang geschwiegen. Dies habe den Eindruck erweckt, er habe etwas zu verbergen. Er aber sei ob der Vorwürfe sprachlos gewesen. Er sei nicht korrupt, habe sich nicht bereichert und in keine Kasse gegriffen.

„Ich hätte damals offener und selbstbewusster auftreten müssen“, so Feldmann. „Das war der Anfang von dem Schlamassel.“ Zudem weist er darauf hin, dass sich fast 60 Prozent der Stimmberechtigten nicht an der Abwahl beteiligt hätten.

Feldmanns Aussagen verfolgen an diesem Nachmittag nicht nur Journalistinnen und Journalisten aufmerksam, sondern auch die Fraktionsvorsitzenden von Grünen, FDP und Volt - teils kopfschüttelnd. Sie vermissen Selbstkritik und Einsicht.

Seine Tage im Römer sind gezählt: Bis einschließlich Freitag ist Peter Feldmann (SPD) zwar noch Oberbürgermeister von Frankfurt, dann muss er sein Büro im Rathaus aber endgültig räumen. FOTO: boris roessler/dpa
Seine Tage im Römer sind gezählt: Bis einschließlich Freitag ist Peter Feldmann (SPD) zwar noch Oberbürgermeister von Frankfurt, dann muss er sein Büro im Rathaus aber endgültig räumen. © dpa

Feldmann nach dem Bürgerentscheid in Frankfurt: „Realitätsverweigerung und eine Frechheit“

„Peter Feldmann hat aber wieder keine Fehler eingestanden“, sagt Yanki Pürsün (FDP). Martin Huber (Volt) bezeichnet es als „merkwürdig“, dass der OB „eine politische Agenda“ skizziere. „Das kennt man sonst nur von Frischgewählten“, so Huber. Dimitrios Bakakis (Grüne) ärgert sich darüber, dass Feldmann das Abstimmungsergebnis kleinrede. „Das ist Realitätsverweigerung und eine Frechheit gegenüber den 41,9 Prozent der Wähler, die ihr Kreuz gemacht haben“, so Bakakis. „Als Privatperson wünsche ich ihm aber alles Glück der Welt.“ (Julia Lorenz)

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