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Welch ein Segen für den Main

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Von: Gernot Gottwals

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Pfarrer Athenagoras Ziliaskopoulos von der griechischen Gemeinde im Januar 2015 bei der traditionellen Mainsegnung. Sie gehört zur Wasserweihe, die wiederum zum griechisch-orthodoxen Fest zu Ehren der ?Erscheinung des Herrn? gehört.
Pfarrer Athenagoras Ziliaskopoulos von der griechischen Gemeinde im Januar 2015 bei der traditionellen Mainsegnung. Sie gehört zur Wasserweihe, die wiederum zum griechisch-orthodoxen Fest zu Ehren der ?Erscheinung des Herrn? gehört. © Leonhard-Hamerski (ftv-Hamerski)

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Und ob! Die orthodoxen Christen etwa aus Russland feiern es nach dem julianischen Kalender heute und morgen. Die Griechen haben ihr ganz eigenes Fest – mit Wasserweihe und Mainsegnung.

Weihnachten ist noch nicht für alle Christen vorbei: Rund 15 000 orthodoxe Christen, die sich nicht nach dem in Deutschland gültigen gregorianischen, sondern dem julianischen Kalender richten, feiern heute und morgen ihr Weihnachtsfest. Eines der größten Feste feiern derweil die orthodoxen Griechen – wenn auch nicht Weihnachten: Sie begehen „Epiphanias“, auf Deutsch: die „Erscheinung des Herrn“. Und das nicht nur wie die deutschen Katholiken und Protestanten am 6. Januar, dem Dreikönigstag. Bereits heute früh um 8 Uhr sowie morgen um die gleiche Zeit feiern sie in langen Morgenmessen die Wasserweihe in den Kirchen des Propheten Elias, Solmsstraße 1–3, und des Heiligen Georgios, Sebastian-Rinz-Straße 2A. Den Abschluss bildet am Sonntagnachmittag um 14.30 Uhr die traditionelle Mainsegnung.

Die besten Plätze sichern

„Es liegt in der Hand des Herrn, ob er es am Sonntag regnen, schneien oder hageln lässt“, sagt Philippos Savvopoulos angesichts am Main drohenden Hochwassers. Doch der Pfarrer der Kirche des Heiligen Georgios ist zuversichtlich: „Es müsste schon sehr heftig regnen, damit wir unsere Mainsegnung absagen.“ Sollte das Wetter einigermaßen mitspielen, werden sich also wohl auch dieses Jahr viele Gläubige um die besten Plätze auf dem Eisernen Steg bemühen, nahe dem Nordufer. Von hier aus wollen sie die Prozession mit der Tauf-Ikone Christi beobachten. Die setzt sich vom Römerberg aus, wo sich die Teilnehmer um 14 Uhr treffen, gegen 14.15 Uhr in Richtung Fluss in Bewegung. Am nördlichen Mainufer wird zu byzanthinischen Gesängen ein Holzkreuz als Zeichen der Dreieinigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist dreimal im Fluss versenkt und mit einem Seil wieder an Land gezogen. Damit folgen die Frankfurter Griechen einer uralten Tradition, die an diesem Tag überall in Griechenland gepflegt wird. Oft tauchen dort junge Männer sogar nach diesem Kreuz –was im Main verboten ist. Zu diesem Ritual erwarten die hiesigen Griechen auch städtische Vertreter. Die bis zu 500 Gläubigen wie in den vergangenen Jahren erwartet Savvopoulos 2018 aber selbst bei schönem Wetter nicht.

„Die orthodoxen Altkalendarier feiern alle gleichzeitig ihr Weihnachtsfest“, erläutert Savvopoulos, wieso es zwei christliche Weihnachtsfeste gibt. So begehen unter anderem Russen, Ukrainer, Serben, Kopten, Äthiopier und Eritreer das Fest nach dem julianischen Kalender am 6. und 7. Januar. Griechen, Bulgaren, Rumänen und orthodoxe Finnen feiern hingegen wie die Protestanten und Katholiken nach dem gregorianischen Kalender.

Gregor XIII. strich zehn Tage

Entstanden ist diese Abweichung im Jahr 1583 durch eine veränderte Schaltregel. Mit dieser sollte rückwirkend ausgeglichen werden, dass eine Erdumdrehung um die Sonne nicht genau 365 Tage dauert, sondern ungefähr 365,2 Tage. Dazu beschloss Papst Gregor XIII. nicht nur, dass das Einfügen von Schalttagen anders berechnet wird. Er ließ einfach zehn Tage aus, um den Jahresverlauf an jene zu Lebzeiten Christi anzupassen. Derzeit geht der alte julianische Kalender dem nach Gregor XIII. benannten gregorianischen um 13 Tage nach.

Und so feiern rund 10 000 Frankfurter Serben am heutigen Dreikönigstag Heiligabend, ab 18 Uhr werden zu den Liturgien in der Christuskirche am Beethovenplatz und der mit neuen Mosaiken geschmückten Christi-Auferstehungskirche in der Sondershausenstraße 51 die Weihnachtsfeuer entzündet. Die Sonntagsgottesdienste werden zum Weihnachtstag jeweils um 8 und 10 Uhr gefeiert. Auch die russischen Gemeinden in der Matthäuskirche, Friedrich-Ebert-Anlage 33, sowie in der Nikolauskirche am Fischstein feiern am Samstag ab 16 und 17 Uhr und ihre Weihnachtsliturgie am Sonntag um 9.30 und 10 Uhr. Die Feier zur koptischen Heiligen Nacht beginnt am Samstag um 20 Uhr in der Sankt Markuskirche, Lötzener Straße 33. Die ägyptische christliche Minderheit feiert mit altorientalischen Gesängen in arabischer, deutscher und koptischer Sprache.

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