Neubau Goetheturm

Welchen Turm hätten Sie gern?

Am Tag nach der verheerenden Zerstörung des Wahrzeichens in Sachsenhausen wünschen sich viele Frankfurter den Goetheturm in der vorherigen Bauweise zurück. Bald 90 Prozent der Besucher auf FNP.de sprechen sich dafür aus.

Nach dem Brand am Donnerstag ist es unstrittig, dass der Goetheturm wiederaufgebaut werden soll – am liebsten originalgetreu. Eine Abstimmung auf FNP.de ergab, dass sich bald 90 Prozent der Homepage-Besucher das Wahrzeichen so wünschen, wie es bis zur vorletzten Nacht im Stadtwald von Sachsenhausen stand. Diese Erwartungen bremste gestern erneut eine Sprecherin von Baudezernent Jan Schneider (CDU). Eine Kopie des Goetheturms sei baurechtlich nicht genehmigungsfähig. Da es sich um einen Neubau handele, müssten bei Gebäuden ab 22 Metern Höhe aus Gründen des Brandschutzes ein zweiter Rettungsweg vorhanden und Barrierefreiheit gewährleistet sein – möglicherweise durch einen Aufzug. Die Sprecherin kündigte an, dass es am Montag ein erstes Gespräch mit Experten im Hochbauamt geben werde. An Bord ist Architekt Albrecht von Hegel, der die Sanierung des Goetheturms 2013/2014 geleitet hatte.

Diskutiert wird auch die Form des Wiederaufbaus. Eine Holzkonstruktion ist nach Ansicht von Experten problemlos möglich. „Natürlich kann der Turm in Anlehnung an seine ursprüngliche Form wieder hergestellt werden“, sagt Rainer Graefe, der in Dreieich ein Ingenieurbüro betreibt und unter anderem den Atzelbergturm in Kelkheim konstruiert hat. „Aber es bleibt immer ein Gefahrenpotenzial.“ Vor Vandalismus sei man nie sicher, helfen könne allenfalls Videoüberwachung. Graefe plädiert für einen neuen Holzbau, würde die Konstruktion aber etwas verändern. „Die Treppen waren oben schon sehr eng und schmal, das könnte man anders machen.“ Ein barrierefreier Zugang jedoch sei nur schwer zu realisieren. Denn ein Aufzug lasse sich in eine Holzkonstruktion nicht integrieren. Stahl habe zwar nicht die selbstbrennenden Eigenschaften wie Holz, „aber das hat man im Wald nicht so gerne“.

Auch der Darmstädter Ingenieur Klaus Berner, Seniorprofessor für Baustatik, Holz, Stahl- und Verbundbau an der Fachhochschule Mainz, hält nichts von einer Stahlkonstruktion: „Versuche haben gezeigt, dass Stahl bei einem Brand schon nach neun Minuten weich wird.“ Außerdem sei der Korrosionsschutz sehr aufwendig. Holzbalken hingegen verkohlten zunächst nur außen, blieben aber im Kern stabil. Man könne sie so bemessen, dass sie einem Feuer 30 oder sogar 60 Minuten standhalten. Zwar gebe es auch Anstriche, die bei einem Brand aufschäumen und verhindern sollen, dass sich das Feuer ausbreitet. „Aber das ist sehr teuer und funktioniert meist nicht.“ Bauvorschriften oder Normen stünden einem neuen Aussichtsturm aus Holz nicht entgegen. Eine Holzkonstruktion wünscht sich auch Dr. Thomas Bauer vom Institut für Stadtgeschichte. Türme in Stahl, Beton und Glas gebe es schon genug in der Stadt.

Ein Feuer hatte den rund 85 Jahre alten Holzturm am Donnerstag völlig zerstört. Konkrete Hinweise auf einen Brandstifter und die genaue Ursache haben die Ermittler noch nicht, sagte ein Polizeisprecher. Brandermittler hätten sich einen ersten Überblick in den verkohlten Trümmern des Turms verschafft und sicherten auf dem inzwischen eingezäunten Brandplatz Spuren. „Die Ermittlungen werden noch die nächsten Tage weitergehen.“ Geprüft wird auch, ob der Goetheturm Teil einer Brandserie ist. In den vergangenen Monaten wurden zwei asiatische Pavillons in der Mainmetropole angesteckt und in Kelkheim wurde der Atzelbergturm Opfer der Flammen.

Wie gestern bekannt wurde, hatte die Stadt den Goetheturm aufgrund der Brände zeitweilig von einem Sicherheitsdienst überwachen lassen. Dieser sei an unterschiedlichen Orten in der Stadt punktuell eingesetzt worden, sagte die Referentin im Umweltdezernat, Alexandra Chmielewski der Deutschen Presse-Agentur.

Die Zerstörung des Wahrzeichens hat über Frankfurt hinaus Bestürzung ausgelöst – und Entschlossenheit in der Stadtgesellschaft. Bürger und Institutionen haben ihre Hilfe beim Wiederaufbau angeboten und Geldspenden in Aussicht gestellt. Ein von der Fraspa eingerichtetes Konto stand gestern Vormittag bei 15 119,39 Euro. Insgesamt 84 Spender hatten zu diesem Zeitpunkt eingezahlt, darunter eine Spende von 10 000 Euro von der Fraspa selbst, teilte eine Sprecher der Stadt Frankfurt mit. Wie teuer ein neuer Turm sein wird, ist unklar. Das hängt davon ob, für welche Bauweise und welches Material man sich entscheidet. Es werde aber sicher mehr sein als die Summe, die die Versicherung ausbezahlen werde, sagte die Sprecherin des Baudezernats.

Der am Donnerstag von sieben Anwälten einer großen Frankfurter Kanzlei gegründete Verein zum Wiederaufbau des Goetheturms ist gestern beim Notar eingetragen worden. „Jetzt werden wir die Gemeinnützigkeit beantragen“, sagte Mitbegründer Christoph Schmitt. In der kommenden Woche werde ein Spendenkonto eingerichtet. Bereits wenige Stunden nach der Vereinsgründung seien Spenden in sechsstelliger Höhe in Aussicht gestellt worden, sagte Schmitt. Auch die Verlage Weissbooks und Henrich Editionen wollen heute und morgen an ihren Ständen um Spenden bitten – bei Besuchern wie Ausstellern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare