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Frauen sollten sich nicht mit dem Weltfrauentag am 8. März abspeisen lassen. Denn Geschlechtergerechtigkeit ist größer als ein symbolischer Gedenktag.

Kommentar zum 8. März

Wieso sich Frauen nicht mit dem Weltfrauentag zufriedengeben sollten

Frauen sollten sich nicht mit dem Weltfrauentag abspeisen lassen. Denn Geschlechtergerechtigkeit ist größer als ein symbolischer Gedenktag. Ein Kommentar.

Finnin müsste man sein. In keiner anderen Nation hat man als junge Frau so viel berechtigte Hoffnung auf einen Posten wie den der Ministerpräsidentin oder der Chefin der Regierungspartei. 47 Prozent weibliche Abgeordnete im Parlament und im Kabinett zwölf Ministerinnen, sieben Minister. Das Land macht vor, was überall Realität sein sollte. Ein feministischer Wunschtraum.

Weltfrauentag am 8. März: Rollenklischees überwinden

Zum Weltfrauentag am Sonntag (8. März) wird viel diskutiert, kritisiert, aber auch gelobt. Über Verdienste und Posten in Firmen, über die Frauen, die es geschafft haben, Rollenklischees zu überwinden. Das sind alles zentrale Punkte in der Diskussion, die wir führen müssen. Daher ist es in der Theorie eine nette Idee, einen festen Tag im Jahr zu haben, an dem Frauen im Mittelpunkt stehen. 

Aber nur einen Tag im Jahr? Sollen wir uns damit abspeisen lassen? Von Partner, Freund, Vater oder sonst einem Mann im Leben Blumen schenken lassen und am nächsten Tag den sexistischen Kommentar in der Bahn, am Arbeitsplatz oder im Internet wieder überhören und weiter nett lächeln?

Weltfrauentag am 8. März: Geschlechtergerechtigkeit ist größer

Geschlechtergerechtigkeit ist größer als ein symbolischer Gedenktag. Den gibt es schließlich auch für die Tiefkühlkost (6. März), die Schwertschlucker (23. Februar) und den Yorkshire Pudding (13. Oktober). Geschlechtergerechtigkeit bedeutet vor allem: Freiheit. Die Freiheit, Karriere vor Kinder zu stellen. Die Freiheit, dem Ehemann weder das Abendessen zu kochen noch morgens eine Brotdose zu packen. Es bedeutet aber auch, eben doch Vollzeit für seine Kinder da sein zu wollen. Oder Kind und Karriere zu kombinieren, wie es die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin* tut.

Gleichzeitig geht es dabei nicht nur um die Rolle der Frau, sondern auch um die des Mannes. Auch er muss mit dem Kind zu Hause bleiben dürfen, ohne dafür belächelt zu werden, seine Gefühle offen zeigen und keine Ahnung haben dürfen, wie eine Bohrmaschine funktioniert.

Weltfrauentag am 8. März: Bewusste Veränderung ist nötig

Sexismus dominiert nicht nur dann, wenn eine Frau nicht eingestellt wird, weil sie ja schwanger werden könnte. Oder sie weniger verdient, als ihr männlicher Kollege. Sexismus dominiert unseren Alltag. Die Art, wie wir miteinander sprechen und wie wir einander betrachten. Das müssen wir bewusst verändern. Und zwar an allen Tagen, nicht nur am 8. März.

Von Katharina Wellems

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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