93 Stimmen durfte jeder Frankfurter für die Wahl zum Römer vergeben - das hat eine Frau auf der Liste der Grünen besonders weit nach vorne springen lassen.
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93 Stimmen durfte jeder Frankfurter für die Wahl zum Römer vergeben - das hat eine Frau auf der Liste der Grünen besonders weit nach vorne springen lassen.

Wahl 2021

Kommunalwahl in Frankfurt: Wen die Wähler besonders lieben

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Die Corona-Pandemie hat die Kommunalwahl in Frankfurt beeinflusst. Einer Partei konnte sie besonders nutzen - und mit ihr eine bekannte Politikerin.

Frankfurt - Rosemarie Heilig (Grüne) ist derzeit die beliebteste Politikerin in Frankfurt. Das zeigt die Analyse der Kommunalwahl vom 14. März. Mit einem Sprung von 33 Plätzen die Liste hinauf hat kein anderer Stadtverordnetenkandidat so stark zugewonnen wie die Umweltdezernentin. Insgesamt hat Corona das Verhalten der Wähler spürbar beeinflusst.

Kommunalwahl 2021 in Frankfurt: Boom bei der Briefwahl

Die Pandemie führte nicht zu Wahlmüdigkeit, die Wahlbeteiligung stieg sogar. Denn enorme 56,6 Prozent der Wähler wählten sicher per Brief, nach 24,9 Prozent vor fünf Jahren. Das zeigt die statistische Auswertung der Stadt, die Dezernent Jan Schneider (CDU) vorlegt. Nirgendwo nutzten so viele Wähler die Briefoption wie in Sachsenhausen-Süd mit 63,9 Prozent. Am wenigstens wurde sie mit 51,1 Prozent im Gutleut-/Bahnhofsviertel genutzt.

Frankfurt: Wahl zur Stadtverordnetenversammlung – Wer wo zugewonnen hat

Erstmals sind nach der Wahl die Grünen im Römer stärkste Kraft. Die höchsten Zugewinne haben sie mit 10,9 Prozent in CDU-Hochburgen erzielt. Auch in den Gebieten, wo sie eine Mehrheit haben, legten sie überdurchschnittlich zu. Besonders stark steigerten sich die Grünen in Seckbach.

Die CDU verlor vor allem in ihren eigenen Hochburgen (minus 6,3 Prozent). Bei den Stimmenanteilen ging es am stärksten hinab in der Innenstadt (minus 6,6 Prozentpunkte) und in Nieder-Erlenbach (minus 5,4 Prozentpunkte). Für die SPD ging es mit 9,6 Prozent besonders stark in Gebieten abwärts, wo sie mit den Grünen zusammen eine Mehrheit hat. Neben Sachsenhausen-Süd verlor sie auch in Bornheim (minus 9,2 Prozentpunkte) und Ginnheim (minus 8,8 Prozentpunkte) stark.

Die FDP punktete besonders in SPD-Hochburgen mit plus 3,3 Prozent. Sie holte im Gallus sogar 4,0 Prozentpunkte mehr. Dort ging es für die AfD mit 4,7 Prozent besonders stark abwärts. Die Rechten verloren am geringsten in Bezirken mit grünen oder grün-schwarzen Mehrheiten. Die Linke konnte im Riederwald mit plus 3,7 Prozentpunkten ihren Stimmenanteil besonders stark steigern. Dagegen ging es im Gallus um 2,3 Prozentpunkte zurück.

Kommunalwahl in Frankfurt: Wem die Briefwahl nützt

Von der Briefwahl profitierte laut Analyse von Ralf Gutfleisch und Anke Jeschke vor allem die CDU. Denn 63,7 Prozent ihrer Stimmen stammen aus der Briefwahl. Die AfD hingegen holte nur 37,7 Prozent ihrer Stimmen von dort. Die Europaliste holte sogar 91,4 Prozent ihrer Stimmen aus der Briefwahl. Die Briefwahl verstärkt auch den Drang der Wähler, Stimmzettel zu verändern. Das geschah bei 42,5 Prozent der Stimmabgaben per Brief, aber nur auf 34,9 Prozent der Urnen-Stimmenzettel.

Die Panaschier-Gewinner in Frankfurt

Etwas seltener als 2016 haben die Wähler nur ein Listenkreuz gesetzt. 62,4 Prozent nach 65,2 Prozent 2016. Am häufigsten blieben die Stimmzettel bei AfD (79,6), CDU (67,2) und FDP (66,4 Prozent) unverändert. 39,3 Prozent der Wähler nutzten dagegen die Möglichkeit, in Listen einzugreifen, etwas mehr als 2016 (36,5 Prozent). 25,3 Prozent haben Stimmen bei Kandidaten gehäufelt, also kumuliert, weit mehr als 11,7 Prozent in 2016. Besonders SPD-Wählern gefiel die Liste nicht: 26,3 Prozent änderten sie.

Dagegen nutzten weniger Wähler die Möglichkeit, Stimmen an Kandidaten anderer Parteien zu vergeben: Nur 12,3 Prozent panaschierten, nach 23,1 Prozent 2016. Von den großen Parteien profitierte die Linke am meisten mit 14,5 Prozent panaschierten Stimmen. Besonders oft verteilten Wähler der erstmals im Römer vertretenen Volt Stimmen an andere Parteien, zuvorderst an die Grünen. In Summe am panaschierfreudigsten waren die Grünen-Wähler, am meisten panaschierte Stimmen erhielt die SPD.

Beim Panaschieren zeigen sich die Präferenzen der Wähler deutlich. Grünen-Wähler vergaben am häufigsten Stimmen an SPD und Volt, aber seltener als noch 2016 an die CDU. CDU-Wähler kreuzten öfter zusätzliche Grüne an statt der FDP. Die AfD erhält von FDP-Wählern am häufigsten panaschierte Stimmen hinzu. Extra-Stimmen für Volt gab es vor allem von den Grünen - und für die Linke von Volt-Wählern.

Aufwärts in den Römer

Neben Wähler-Liebling Rosemarie Heilig machten weitere Politiker große Sprünge auf den Listen. Aus den Top Ten der Aufsteiger reicht es aber nur für Ömer Zengin (CDU) bis zu einem Mandat im Römer. Ebenfalls in die Stadtverordnetenversammlung schafften es mit Unterstützung der Wähler noch drei Sozialdemokraten: Ina Hartwig (plus 22 Plätze), Thomas Bäppler-Wolf und Jan Klingelhöfer (je plus 20 Plätze). (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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