Am Montag wurden in Frankfurt zehn Corona-Patienten auf den Intensivstationen im Stadtgebiet behandelt, vier mussten beatmet werden.
+
Am Montag wurden in Frankfurt zehn Corona-Patienten auf den Intensivstationen im Stadtgebiet behandelt, vier mussten beatmet werden.

Pandemie

Wenig Corona-Patienten auf Intensivstationen

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
    schließen

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Frankfurt steigt weiter. Am Montag lag sie bei einem Wert von 50. Auf den Intensivstationen merkt man davon aber noch nicht viel. Die Auslastung ist dennoch hoch.

Kommt die vierte Welle? Oder ist sie längst da? Fakt ist: Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt wieder. In Frankfurt lag die Sieben-Tage-Inzidenz, die Auskunft darüber gibt, wie viele Menschen pro 100 000 Einwohnern sich binnen einer Woche mit dem Coronavirus infiziert haben, am Montag bei 50 - Tendenz steigend.

Auf den Intensivstationen im Stadtgebiet macht sich der Anstieg der Infektionszahlen aber noch nicht bemerkbar. "Wir behandeln derzeit drei Patienten, die mit Corona infiziert sind - aktuell keinen davon auf der Intensivstation. Hinzu kommt ein Verdachtsfall", sagt Prof. Thorsten Steiner, Chefarzt Neurologie am Klinikum Höchst. Die Situation auf der Intensivstation des städtischen Krankenhauses sei "deutlich entspannter" als noch im Frühjahr diesen Jahres. "Wir können uns wieder auf das normale Tagesgeschäft konzentrieren", so Steiner

Für die Pflegekräfte auf den Intensivstationen bedeutet das: Die Arbeit geht normal weiter. "Die Kollegen hatten keine Zeit zum Luftholen, keine Phase der Entspannung", sagt Hilke Sauthof-Schäfer, Verdi-Gewerkschaftssekretärin, und unter anderem zuständig für die Gesundheitsberufe. Das habe zur Folge, dass die Pflegekräfte "fix und fertig" und "ausgelaugt" seien. Denn: Auf den Intensivstationen werden derzeit zwar weniger Corona-Patienten als im Frühjahr behandelt. die Auslastung ist dennoch hoch. "In den Kliniken läuft wieder alles auf einem hohen Level", sagt Sauthof-Schäfer. "Es wird wieder viel operiert, damit Geld reinkommt."

Nach Angaben des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) waren in Frankfurt am Montag 239 der 291 Intensivbetten belegt. Sprich: Gut 18 Prozent der Intensivbetten waren noch frei. Allerdings wurden auf den zwölf Intensivstationen im Stadtgebiet nur zehn Covid-19-Patienten behandelt, vier davon mussten künstlich beatmet werden.

Im Frühjahr sah die Situation noch ganz anders aus. Damals waren meist noch zehn Prozent der Intensivbetten frei - mal mehr, mal weniger. Ein Drittel der Betten wurde von Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, belegt. Von den 81 Covid-19-Patienten, die Anfang April in Frankfurts Krankenhäusern behandelt wurden, mussten 30 künstlich beatmet werden.

Das bestätigt auch Christoph Lunkenheimer, Sprecher des Universitätsklinikum Frankfurt. "Im Frühjahr gab es über weite Strecken eine sehr hohe Auslastung der insbesondere für Covid-19-Patienten genutzten Intensivstation. Das ist aktuell nicht der Fall."

Dennoch seien die Intensivstationen an der Uniklinik "stark belegt", der Anteil der Covid-19-Patienten habe allerdings "deutlich abgenommen". "Es werden in den letzten Wochen nur einzelne Patientinnen und Patienten mit Covid-19 behandelt", so Lunkenheimer. Im Schnitt würden die Patienten drei Wochen auf der Intensivstation versorgt.

"Belastung hängt vom Impftempo ab"

Im Universitätsklinikum rechnet man damit, dass die Klinikeinweisungen künftig wieder steigen werden, wenn sich das Coronavirus "bis oder im Herbst in Deutschland erneut massiv ausbreitet". "In anderen europäischen Ländern sind die Inzidenzen in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen und etwas zeitversetzt dann auch die Klinikeinweisungen", sagt Prof. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender. "Allerdings besteht die Hoffnung, dass die Situation in diesem Jahr anders sein könnte als 2020." Als Grund nennt Graf die Impfungen. Denn durch sie würden im Verhältnis zur Anzahl der Ansteckungen deutlich weniger Menschen schwer erkranken. "Zwar können sich auch vollständig Geimpfte infizieren, aber die Impfung schützt vor schwerem Verlauf und Tod", sagt Graf und appelliert: "Die Belastung der Intensivstationen hängt also vor allem vom Impftempo ab."

In Frankfurt sind bisher durch mobile Impfteams und die Ärzte im Impfzentrum in der Festhalle insgesamt 539 712 Spritzen verteilt worden. Wie viele Menschen von ihren Hausärzten gepiekst wurden, ist der Stadt nicht bekannt. Insgesamt sind seit Ausbruch der Pandemie vor gut eineinhalb Jahren 41 112 Frankfurter positiv auf das Coronavirus getestet worden. 818 Menschen sind an den Folgen gestorben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare