"Eine politische Karriere ist eine Option", sagt der neue Stadtverordnete der Grünen, Johannes Lauterwald.
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"Eine politische Karriere ist eine Option", sagt der neue Stadtverordnete der Grünen, Johannes Lauterwald.

Frankfurter Stadtpolitik

Weniger Kompromisse eingehen

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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50 neue Politiker gibt es in der 93 Parlamentarier zählenden Frankfurter Stadtverordnetenversammlung. In einer wöchentlichen Serie werden sie an dieser Stelle portraitiert. Heute: Johannes Lauterwald (Grüne).

Drei Stunden und vier Minuten für 42,195 Kilometer. "Eine sehr schnelle Zeit", ist Johannes Lauterwald (24) stolz auf seinen Erfolg beim Frankfurt-Marathon. Zweimal lief er schon mit. Diese Ausdauer beweist der junge grüne Politiker auch schon in der Politik. Das hat ihn als Nachrücker in die Stadtverordnetenversammlung katapultiert.

Seit September gehört er der Römerfraktion der Grünen an, gelangte als zweiter Nachrücker ins Parlament. Der indirekte Weg verblüfft, denn der junge Mann gilt als eine der großen Nachwuchshoffnungen der seit April in Frankfurt führenden Partei. Das Interesse an Politik erwachte früh in Lauterwald. Als Elfjähriger kam er in den Ortsbeirat 7 und kämpfte dort für Belange seines Heimatstadtteils Rödelheim. 2016 zog er 18-jährig für die Grünen als Mitglied in das Gremium ein, seit diesem Mai führt er es sogar. Frankfurts zweitjüngster Ortsvorsteher aller Zeiten. Zur Kommunalwahl waren mit dem aussichtsreichen 18. Listenplatz eigentlich die Weichen gestellt, dass Johannes Lauterwald auch ins Stadtparlament einzieht. Er engagierte sich stark im Wahlkampf, dennoch reichten ihn die Grünen-Wähler durch auf Rang 25. Womit er immerhin verspätet dennoch in den Römer einzog, als Grünen-Parlamentarier auf ihre Mandate verzichteten, etwa weil sie Dezernenten wurden.

Warum es nicht direkt klappte? "Vielleicht, weil ich noch nicht so bekannt bin in der Stadt", sagt der Student. Was für den Nordwesten der Stadt jedoch nicht gilt, wo man das einstige Polit-Wunderkind durchaus kennt. Ob sein im Ortsbeirat oftmals zwingend notwendiges pragmatisches Vorgehen nicht jedem gefallen hat? Er halte schon grüne Ideen hoch, sagt Lauterwald. "Es braucht eine klare Haltung, man darf nicht so schnell auf Kompromisse eingehen." Die gehe er als Ortsvorsteher natürlich ein, da handele er überparteilich.

Aber er stecke "als Stadtverordneter in einer anderen Rolle". Da brauche er "eine gewisse Radikalität, um die großen Herausforderungen der Zeit zu lösen". Der Klimaschutz zum Beispiel müsse viel effektiver werden. Daher sei auch der aktuelle Protest gegen den Bau des Riederwaldtunnels "richtig". Auch wenn konkret der A66-Lückenschluss genehmigt sei und umgesetzt werde, müsse Autobahnbau grundsätzlich in Frage gestellt werden, sagt der Grüne. Wichtig sei nun, die Verkehrswende umzusetzen und Schienenstrecken zu bauen wie den Frankfurter Fernbahntunnel.

Verkehr und Wohnen werden Lauterwalds Schwerpunkte im Römer. Beide kennt er gut aus "seinem" Ortsbezirk. In der Nordweststadt und Praunheim sei der Druck zu spüren, dass das Wohnen in Bockenheim zu teuer werde und immer mehr Menschen in die Nachbarstadtteile zögen.

Noch aber sei die Lage nicht kritisch, wie er selbst kürzlich spürte. Während Corona zog er bei den Eltern aus und in eine noch bezahlbare 38-Quadratmeter-Single-Mietwohnung mitten in Rödelheim. Er fand sie "überraschend schnell", klassisch via Internet-Portal. Sonst sei das aber schwer, weiß er von Freunden. Frankfurt sei für Studenten kaum noch bezahlbar. Auch weil das Bafög dafür nicht ausreiche.

Lauterwalds Familie stammt aus Rödelheim. Nach Abitur und Freiwilligem Sozialen Jahr beim Ersten Frankfurter Schwimm-Club studiert er seit 2016 an der Goethe-Uni Geschichte und Politik. Welchen Beruf er ergreifen will? "Eine politische Karriere ist eine Option", sagt der Student. Er lasse das auf sich zukommen - und halte es wie Robert Habeck, den er zitiert: "Ich will das Leben kitzeln und herausfordern."

Herausfordern will er sich auch sportlich. Seit seiner Schülerzeit ist er als Triathlet aktiv. Kurzdistanz in Hamburg, City-Triathlon in Frankfurt, auch Halb-Ironmans hat er bereits absolviert. An der Nidda läuft er oft zum Trainieren oder ist mit dem Rad unterwegs. Was ihn reizt am Ausdauersport: "Man muss sich sehr strukturiert auf ein Ziel vorbereiten." Eines Tages will Johannes Lauterwald den Ironman Frankfurt schaffen. Er muss grinsen. "Ich hatte schon immer einen gesunden Ehrgeiz."

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