Ein beliebter Abstellort für "vergessene" Autos ist der Nieder Kirchweg. Hier kleben gleich an zwei Wagen die roten Zettel.
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Ein beliebter Abstellort für "vergessene" Autos ist der Nieder Kirchweg. Hier kleben gleich an zwei Wagen die roten Zettel.

„Vergessene“ Autos

Ärgerliche Hindernisse in Frankfurt: Geisterautos blockieren Parkplätze

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Allein in der Seckbacher Flinschstraße in Frankfurt stehen elf „vergessene“ Autos. Die Halter der Fahrzeuge sind oft nur schwer zu ermitteln.

Frankfurt - Sie stehen ohne Kennzeichen oder ohne TÜV am Straßenrand, mit einem roten Aufkleber am Seitenfenster: Schrottautos, die von ihren Besitzern einfach zurückgelassen wurden. Und dann passiert lange nichts. Gefühlt jedenfalls. Ärgerlich ist das vor allem für Anwohner und alle, die einen Parkplatz suchen in der Stadt. Doch bis die Stadt ein solches Geisterauto entsorgen kann, ist es ein weiter Weg. Geht beim Ordnungsamt ein Hinweis dazu ein, gibt es diesen weiter an das Straßenverkehrsamt. Rund 2500 Hinweise waren es allein im vergangenen Jahr in Frankfurt.

Und: Geisterauto ist nicht gleich Geisterauto: "Wir müssen unterscheiden", sagt Dorothee Allekotte, die im Straßenverkehrsamt die Abteilung Verkehrsangelegenheiten leitet. "Unverzüglich abgeschleppt werden Fahrzeuge, von denen eine Gefahr ausgeht." Also wenn sie eingeschlagene Scheiben haben, Öl ausläuft oder ähnliches. Auch verkehrsgefährdend abgestellte Autos werden abgeschleppt und anschließend kostenpflichtig verwahrt.

„Vergessene“ Autos in Frankfurt werden zum Problem: Halter kaum zu finden

Das Abschleppen kostet 100 Euro, die Aufbewahrung 8,50 Euro pro Tag. Die Kosten trägt der Halter, falls man ihn ermittelt, oder die Stadt Frankfurt. 130 Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr so abgestellt. Falls Autos am Straßenrand stehen, keine Gefahr darstellen und auch sonst kein Rechtsverstoß vorliegt, wird nicht sofort abgeschleppt. Denn dies stelle "einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Eigentumsrechte dar", sagt Allekotte. In diesen Fällen beginnt dann das "gestreckte Verfahren": Die Stadt ermittelt die Besitzverhältnisse, um den Halter zu informieren und ihm eine Frist zu setzen, das Auto zu beseitigen. Doch den Halter zu finden, ist oft nicht einfach, denn nicht zugelassene Fahrzeuge haben keine Nummernschilder mehr.

Die Ermittler aus dem Straßenverkehrsamt - die auch den Wert des Autos überschlägig schätzen - müssen an die Fahrzeug-Ident-Nummern kommen, oft angebracht auf Schildern im Motorraum. Anhand dieser Nummern lässt sich dann der letzte Halter ermitteln. Mit der komplizierten Ermittlung des Halters geht zumeist eine lange Bearbeitungszeit einher. Besonders, wenn dieser letzte Halter angebe, er habe sein Fahrzeug ins Ausland verkauft, erläutert Allekotte. Dann hat die Stadtverwaltung nur noch die Möglichkeit, den neuen Halter anzuschreiben. Oft erfolgt keine Antwort. Und dann?

Frankfurt: Schrottautos am Straßenrand – Seckbacher Flinschstraße besonders betroffen

Die Stadt werde künftig in einem solchen Fall nur noch ein einziges Mal versuchen, den ausländischen Halter zu kontaktieren. "Ist das nicht erfolgreich, schleppen wir ab", sagt Allekotte, die hofft, so die Schrottautos schneller vom Straßenrand zu bekommen. Generell gebe es "Schwerpunkte", an denen besonders viele Geisterautos zu finden sind. Derzeit etwa in der Seckbacher Flinschstraße, wo elf Autos mit roten Aufklebern stehen. Auch die Lärchenstraße und die Eichenstraße in Griesheim sind betroffen, ferner der Nieder Kirchweg. Auffällig oft fänden sich Geisterautos in der Nähe von Autohändlern, hat Allekotte beobachtet. Ebenso auffällig oft gilt: Kaum ist ein Schrottauto weg, steht das nächste an seiner Stelle.

Kann kein Halter ermittelt werden oder hat das Auto nur noch einen Schätzwert geringer als 1000 Euro, kann das Straßenverkehrsamt das Fahrzeug abschleppen und verschrotten. Die Verschrottung ist in diesem Fall für die Stadt (beziehungsweise für den Halter) kostenlos. Nur die Abschleppkosten von etwa 100 Euro fallen an. Ebenso verhält es sich, wenn ein Halter angeschrieben wurde und innerhalb der gesetzten Frist (vier Wochen) nichts geschehen ist. Auch dann kann die Behörde das Fahrzeug verschrotten lassen.

Frankfurt: Der Schrott aus dem Vorjahr

Im Jahr 2020 sind dem Straßenverkehrsamt 2500 nicht zugelassene Fahrzeuge gemeldet worden. Die Mehrheit davon, etwa 60 Prozent, sind entweder nach Aufforderung durch das Straßenverkehrsamt von den letzten Haltern selber entfernt worden, oder sie sind von den Haltern entfernt worden, während die Ermittlung nach den Haltern noch lief. Die übrigen 40 Prozent setzen sich wie folgt zusammen: Zwölf Prozent (300 Fahrzeuge) wurden verschrottet, circa 0,5 Prozent (zwölf Fahrzeuge) wurden versteigert, und die übrigen 27,5 Prozent (688 Fahrzeuge) wurden zu einem späteren Zeitpunkt von den letzten Haltern bei der Abschleppfirma abgeholt. Alle Hinweise, die etwa beim Verkehrssicherheitstelefon, (0 69) 2 12-3 63 60, oder per E-Mail an verkehrspolizei@stadt-frankfurt.de eingehen, werden verfolgt, versichert die Behörde. (tjs)

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