Adalbert Vollerts Bücher zu Nied sind größtenteils noch über den Nieder Geschichtsverein zu bekommen.
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Adalbert Vollerts Bücher zu Nied sind größtenteils noch über den Nieder Geschichtsverein zu bekommen.

Spannendes aus alten Frankfurter Zeiten

Wenn Bürger Geschichte schreiben

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
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Viele Veröffentlichungen aus den Stadtteilen befassen sich mit der lokalen Historie.

Frankfurt -Bürger schreiben Geschichte: Seit Jahren ist das Projekt der "Stadtteilhistoriker" der Polytechnischen Gesellschaft ein großer Erfolg, bei dem Menschen, die meist keine studierten Historiker sind, spannende Themen aus der Geschichte ihres Stadtteils aufarbeiten. Dabei geht es meist nicht um die "große" Geschichte rund um Schlachten oder Herrscher, sondern um die Menschen, die vor Ort ihre Lebenswelt gestalteten und so Teil der Lokalgeschichte wurden. In den Heimat- und Geschichtsvereinen wird diese Tradition der Erforschung lokaler Historie schon viel länger gepflegt, und das, was über die Jahrzehnte dabei an Literatur zusammengekommen ist, füllt ganze Bücherregale.

In der Corona-Pandemie ist zu beobachten, dass die Menschen mehr lesen. Weil das Interesse an der Lokalgeschichte groß ist, haben wir bei den Geschichtsvereinen des Frankfurter Westens nachgefragt, welche Veröffentlichungen denn eigentlich noch zu haben sind - die meisten der Bücher und Hefte gibt es nicht im Buchhandel, sondern direkt bei den Vereinen oder Autoren.

Ein Forschungsprojekt von überregionalem Rang ist die Justinuskirche, zu der in jüngerer Zeit der Höchster Kunsthistoriker Dr. Wolfgang Metternich maßgebliche Bücher veröffentlicht hat. Einige speziellere Aspekte hat der Ehrenvorsitzende der Stiftergemeinschaft Justinuskirche, Ernst-Josef Robiné, beleuchtet. Drei Bücher sind von ihm zu haben, es gibt sie auf dem Büchertisch in der Kirche, die derzeit freitags, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zur Besichtigung geöffnet ist. "Die Justinuskirche - ein Bilderbuch zur Geschichte" stellt die Besonderheiten von Frankfurts ältestem Gotteshaus, den Orden der Antoniter und die Erhaltungsmaßnahmen der Stiftergemeinschaft vor. In "Historische Paramente in der Justinuskirche" hat Robiné akribisch aufgelistet, welche historischen Messgewänder es noch gibt und erklärt, welche Kaseln und Dalmatiken, Chormäntel, Stolen und Manipel oder auch Fahnen zum Bestand der ehemaligen Klosterkirche der Antoniter und Pfarrkirche gehören. Nicht minder prachtvoll, auch von der Bebilderung, ist Robinés drittes, erst 2020 erschienenes Werk "Die liturgische Ausstattung der Justinuskirche und der Josefskirche".

Ebenfalls 2020 erschienen ist Sheina DiGennaro-Bretzlers Stadtteilhistoriker-Forschungsarbeit "Spurensuche - Familiengeschichten aus der Höchster Altstadt". Es wird neu aufgelegt. Wer es jetzt per E-Mail unter sheina@th-internet.de bestellt, kann es voraussichtlich Mitte Juni in den Händen halten.

Die Arbeit von Generationen

Generationen von Historikern, ob studiert oder nicht, haben beim Höchster Verein für Geschichte und Altertumskunde geforscht: Der 1894 gegründete Verein ist der älteste lokale Geschichtsverein im Frankfurter Westen. Dementsprechend viel wurde in all den Jahren veröffentlicht. Aus der über Jahrzehnte fortgesetzten Reihe der "Höchster Geschichtshefte" gibt es noch einzelne Publikationen, etwa Heft 11 / 12 "Die Funde von der Steinzeit zum frühen Mittelalter", Heft 24 / 25 "Die Höchster Neustadt und der Bolongaropalast", Heft 28 / 29 "Das Dalberger Haus in Höchst am Main und seine Bewohner", 30 / 31 "Das kurmainzische Schloss zu Höchst am Main" oder auch 38 / 39 "Die städtebauliche Entwicklung von Höchst am Main". Der Verein gibt die Hefte, die auch online unter https://geschichtsvereinhoechst. de heruntergeladen werden können, in gedruckter Version für 2 Euro das Stück ab, nähere Informationen gibt es per E-Mail an info@hoechstgeschichte.de.

Ebenfalls stolze Traditionen und eine eindrucksvolle Liste an Veröffentlichungen hat der Heimat- und Geschichtsverein Schwanheim vorzuweisen. Der Verein empfiehlt das von Ernst Mack, einem Gründungsmitglied, im November 2000 veröffentlichte Buch "Die Frankfurter Familie von Weinberg - Im Zeichen der Kornblumenblüten". Es ist im regulären Buchhandel erhältlich, etwa auch bei Bücher Waide in Alt-Schwanheim 39 a, wo es derzeit auch die zuletzt veröffentlichten Hefte des Vereins aus der Reihe "die Port" gibt, nämlich Nr. 22 "Uraltes Schwanheimer Land", Nr. 21, "Schwanheimer Weibsbilder" und Nummer 20, "Auswanderer aus Schwanheim". Üblicherweise gibt es "die Port" auch im Heimatmuseum im Kobelt-Haus, aber das ist derzeit wegen Corona und Bauarbeiten geschlossen.

So geht es auch den Niedern, deren Heimat- und Geschichtsverein von Adalbert Vollert gegründet wurde - Vollert und seine Tochter Brigitte gehören zu den eifrigsten Erforschern der Geschichte Nieds und des Frankfurter Westens, und entsprechend lang ist die Liste der Publikationen. Was an Büchern, Heften und Sonderausgaben noch zu haben ist, kann man im Internet auf geschichtsverein-nied.de einsehen. Dabei sind auch eher unbekanntere Themen. Brigitte Vollert etwa schrieb über "Die Gelatinefabrik in Nied und Höchst - Anfänge der Industrialisierung im Untermaingebiet" (10 Euro). In der Schriftenreihe zur Nieder Ortsgeschichte, die pro Heft zwischen 1,50 und 3 Euro kostet, haben sich Mitglieder des Vereins unter anderem mit der römischen Militärziegelei, dem Bootshaus Schlott, Gemeindebackhäusern in Nied und Griesheim, mit dem Nationalsozialismus oder auch mit der medizinischen Versorgung vom Mittelalter bis in die Jetztzeit auseinandergesetzt. Bestellen kann man per Mail an heimat@geschichtsverein-nied.de

Der Unterliederbacher Heimat- und Geschichtsverein darf sein Museum derzeit auch nicht öffnen, aber zum Trost gibt es für Geschichtsbegeisterte ein Heft über den "Auto-Engel", die einstmals größte Autobahn-Tankstelle, sowie eine DVD von Unterliederbach. Ebenfalls noch zu haben sind das Buch von Pfarrer Kammer, "Spuren aus der Vergangenheit", sowie ein Fotobuch von der 1200-Jahrfeier. Das "Heimatbuch Unterliederbach" von Heinz Alexander ist derzeit vergriffen, wird aber eventuell in 2022 neu aufgelegt. Von Alexander gibt es derzeit drei Hefte zu Unterliederbach, in denen verschiedene Themen aufgearbeitet sind, etwa die Gruft der Gräfinnen auf dem alten Friedhof an der Unterliederbacher Dorfkirche oder auch die Geschichte des "Hochfürstlichen Hessischen Darmstädtischen Commercien-Rathes" Johann Peter Stembler, der 1755 nach Unterliederbach kam und das Haus errichten ließ, das später als Graubnersche Villa bekannt wurde und es noch heute ist. Kontakt zum Unterliederbacher Geschichtsverein kann man über hgv-unterliederbach.de aufnehmen. Heinz Alexander, der stetig forscht und bald wieder etwas Neues veröffentlicht, ist unter Telefon 30 31 76 oder E-Mail heinz.alexander@t-online.de erreichbar.

Ein Unglück vor nun 120 Jahren

Der Geschichtsverein Griesheim hat auf seiner Homepage geschichtsverein-griesheim.de Publikationen eingestellt, die gegen einen kleinen Unkostenbeitrag auch gedruckt zu haben sind, so etwa über das schwere Griesheimer Chemie-Unglück vom 25. April 1901, das jetzt 120 Jahre her ist. Ebenfalls abrufbar sind auf der Homepage die Ausgaben der Vereinszeitschrift "Die Fähr", in der spannende Aufsätze zur Griesheimer Lokalgeschichte zu lesen sind. In der letzten Ausgabe etwa schrieb Gründungsmitglied Dennis Blum über die Griesheimer Wachstuchfabrik, die unter anderem Autositzbezüge und Kinderwagenverdecke herstellte, die in den 1950er und 1960er Jahren überall anzutreffen waren. Ansonsten sind noch einige Ausgaben der alten "Griesheimer Schriftenreihe" von Johannes Ickstadt aus den 1980ern verfügbar, die beim Verein erworben werden können. Die ersten beiden Ausgaben der "Neuen Griesheimer Schriftenreihe" werden dieses Jahr erscheinen.

Beim Sindlinger Heimat- und Geschichtsverein gibt es das vom Vorsitzenden Dieter Frank verfasste 364-Seiten-Werk "Wandel in der Versorgungsstruktur des Frankfurter Stadtteils Sindlingen im 20. Jahrhundert" für 12 Euro sowie "Hier lernst du beten" - Briefe von Sindlinger Soldaten aus dem 1. Weltkrieg an den evangelischen Pfarrer Weber" zu 8 Euro. Für eine Schutzgebühr von 1 Euro ist ein kommentiertes Sindlinger Straßenverzeichnis zu haben. Die Historiker aus Zeilsheim und Sossenheim haben derzeit keine Schriften im Angebot; Ältere Werke sind vergriffen und nur noch - mit Glück - antiquarisch zu haben. Holger Vonhof

Wer bei den Geschichtsvereinen oder auch einzelnen Autoren im Frankfurter Westen nachfragt, bekommt noch Ausgaben von Publikationen, die zum Teil bereits vor einigen Jahren erschienen, aber deswegen nicht minder spannend sind.

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