Die Klasse 9e präsentiert stolz ihren Trickfilm, der für den Videowettbewerb des Hessischen Rundfunks nominiert ist.
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Die Klasse 9e präsentiert stolz ihren Trickfilm, der für den Videowettbewerb des Hessischen Rundfunks nominiert ist.

Preis geht nach Sachsenhausen

Wenn der Atomphysiker mit Elektronen schießt

  • VonStefanie Wehr
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Neuntklässler der Freiherr-vom-Stein-Schule mit ihrem Film für Videopreis nominiert

Die Floristin gießt Blumen, der Bäcker verkauft Brötchen, der Atomphysiker schießt mit Elektronen und die Archäologin findet einen Brief in der Grabkammer unter einer Pyramide: Mit viel Fantasie haben die Schüler im Kunst- und Englischkurs der Klasse 9e einen unterhaltsamen Stop-Motion-Film gedreht, mit Geräuschen und Musik unterlegt.

Der Trickfilm zeigt unterschiedliche Berufe, Ausbildungen und Studiengänge in Quizform. Wer den Film ansieht, findet sich in einer Art Beruferaten wieder - nach jedem 15-Sekunden-Clip wird die Auflösung eingeblendet.

Medizinstudium oder lieber Mathe?

Spannend ist der Film auch, denn manches ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich: Die Ärztin, die einen Teddy impft, so dass die bösen grünen Viren die Flucht ergreifen, hätte auch eine Veterinärin sein können. Vivian, die die Bilder gemalt hat, meinte aber das Medizinstudium, das sie vielleicht eines Tages antreten wird. "Ich weiß noch nicht, was ich später machen will", sagt sie. "Medizin und Chemie interessiert mich. Als Leistungskurs wähle ich Mathematik und Geschichte."

Die Berufswahl war in der neunten Klasse für viele erstmals Thema, weil ein Betriebspraktikum anstand. "Ich habe mich zum ersten Mal damit beschäftigt, was ich machen will. Mich interessiert Luft- und Raumfahrttechnik", berichtet Mika. Benjamin weiß nach seinem Dachdecker-Praktikum, dass er lieber eine Ausbildung machen will statt zu studieren. So mancher Praktikumswunsch fiel wegen Corona allerdings ins Wasser.

Die Frage der Berufswahl steckt auch hinter dem Film-Projekt, das der Hessische Rundfunk als Wettbewerb ausgeschrieben hat. "Meine Ausbildung - Du führst Regie" lautete der Titel, verbunden mit einem klaren Auftrag: "Ausgerüstet mit Kamera und Mikrofon sollen die Jugendlichen einen rund siebenminütigen Film zum Thema Ausbildung drehen, der ihre Perspektive in den Vordergrund stellt, ihre Ängste, Träume und Wünsche greifbar macht." 50 Schulen in Hessen haben Filme eingereicht, die besten neun davon hat der HR jetzt für den Preis nominiert. Die Gewinner werden heute verkündet. "Es gibt sechs Kategorien", erklärt Schülerin Nina, die sich über die Nominierung freut. "Wir hätten nie gedacht, dass wir unter den ersten sind."

Das Werk haben die 26 Schülerinnen und Schüler in monatelanger Arbeit mit ihrer Lehrerin Flora Dinter produziert, im Wechselunterricht in der Schule sowie jeder einzeln zu Hause. "Wir haben beide Fächer, die wir zusammen haben, dafür genutzt, Englisch und Kunst", sagt die Referendarin. In Englisch ging es um Filmtheorie, in Kunst machte sich die Klasse dann praktisch ans Werk: Menschliche Proportionen richtig einschätzen und eine eigene Figur zeichnen, ausschneiden und die einzelnen Gliedmaßen mit Klammern aneinander heften. "Das Praktische haben wir zu Hause im Lockdown gemacht", sagt Nina. Im Grunde sei die Schule zu Hause von Vorteil gewesen: "So hatte man mehr Zeit als die 45 Minuten einer Schulstunde, um sich mit dem Zeichnen zu befassen."

Ein Film braucht nämlich viel Vorlaufzeit und wird erst einmal auf Papier - oder heutzutage im Internet oder per Handy-App - komplett durchgeplant, erklären die Schüler. "Wir haben auf Storyboards die Geschichte in Bildern vorgezeichnet", erläutert Sonja. Dann hat jeder zu Hause eine Video-Box gebastelt. Darin kamen die Figuren zum Einsatz, die alle einer Tätigkeit nachgehen: Dach decken, Delfine füttern, kochen. Damit die Bilder sich bewegen, kam die Stop-Motion-Technik zum Einsatz: "Wir haben die Bilder einzeln fotografiert und zu einem Film aneinandergereiht", erklären die Schüler.

Am Schluss wurde es kurz hektisch, weil die Bilder schwarz-weiß gezeichnet waren. "Damit der Film schöner wird, haben wir alles nachgemalt." Man habe sich manchmal noch nachts um zwei E-Mails geschickt, berichtet Mika. Die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt: Die Filme sind von 12. bis 16. Juli im HR-Fernsehen zu sehen. Stefanie Wehr

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