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Wenn die Kita auf den Hund kommt, freuen sich die Kinder

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Streicheln ist angesagt: Rabea (li.) schaut zu, während Daris den Golden Retriever "Nala" streichelt. Daneben liegt entspannt Malou, ein weißer Samojede. Im Hintergrund spielen weitere Kinder der "Pinguingruppe" der Kita "Kinder Arche".
Streicheln ist angesagt: Rabea (li.) schaut zu, während Daris den Golden Retriever "Nala" streichelt. Daneben liegt entspannt Malou, ein weißer Samojede. Im Hintergrund spielen weitere Kinder der "Pinguingruppe" der Kita "Kinder Arche". © Enrico Sauda

Vierbeiner bereichern zunehmend den Alltag in Frankfurter Kitas und Schulen. Die Kinder lernen dadurch mehr, als man denkt.

Frankfurt -Im pädagogischen Arbeitsalltag spielen Tiere eine immer größere Rolle. Mit ihrer Hilfe werden schon bei den kleinen Besuchern etwa von Kindergärten Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt. Auch auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder haben tiergestützte Konzepte positive Auswirkungen. Der Träger "Terminal for Kids" hat dieses fest in seine Kindertagesstätten integriert, vier davon befinden sich in Frankfurt. Da Hunde im Gegensatz zu anderen Tieren äußerst beziehungs- und bindungsfähig sind, kommen diese am häufigsten zum Einsatz.

So auch in der Kita "Kinder Arche" in Frankfurt. 118 Kinder von null bis sechs Jahren werden hier in zehn Gruppen betreut. Mit dabei ist auch Amy, der vier Jahre alte, gutmütige Labrador von Erzieherin Sina Wiegand. Amy liegt ruhig vor ihr auf dem Boden, während Rabea dem Hund vorsichtig ein Stück Wurst auf die Pfote legt. "Gut gemacht", lobt Frau Wiegand die Fünfjährige. Das Platzieren der Wurst auf die Hundepfote fördert die Feinmotorik. Und Spaß macht es außerdem. "Ich liebe es, den Hund zu füttern, und sein Fell ist schön flauschig", sagt Rabea und strahlt. Auch wenn sie durchaus Respekt vor dem Tier hat. "Ich habe ein bisschen Angst", gibt sie zu, als sie Amy mit einem zweiten Stück Wurst füttern möchte. Dass Kinder manchmal Angst bekämen, sei normal, sagt Wiegand. "Das sind eben große Tiere." Am Ende aber überwiege stets die Neugier.

Dem Tier mit Achtung begegnen

Auch dieses Mal. Rabea traut sich, den Hund vorsichtig zu streicheln und ermuntert sogar ihre Freundin Larissa, es ihr gleichzutun. "Komm, Larissa, der Hund ist ganz lieb." Obwohl er eigentlich gerne Hunde streichelt, hat auch ihr Freund Daris etwas Angst. Bei Nala hat der Fünfjährige aber mittlerweile seine Furcht überwunden. Nala, so heißt der Golden Retriever von Patrick Kraus, der mit ihm und seinem zweiten Hund Malou, ein Samojede, als Erzieher regelmäßig die Kitas besucht. Die Heranführung an die Tiere, ohne die Achtung vor ihnen zu verlieren, ist eines der Ziele. Eine ganze Gruppe konnte ihre Angst so im Laufe der Zeit überwinden und am Ende sogar mit dem Hund kuscheln, erzählt Wiegand.

Dabei sind die Einsatzfelder in der sogenannten tiergestützten Anwendung so vielseitig wie der Effekt auf die Kinder. Das Tier dient dabei oft als Vermittler, um den Kleinen unterschiedliche Themen näherzubringen, wie Rui Miguel Machado Oliveira, Fachbereichsleiter für tiergestützte Pädagogik bei "Terminal for Kids", erklärt. Eines Tages fand sich im Fell eines Hundes eine Zecke - diese wurde unter reger Anteilnahme der Kinder dann vorsichtig entfernt und unter einer Lupe untersucht. Bei der Gelegenheit wurden auch die Gefahren besprochen, die von den Spinnentieren ausgehen.

Die Ausbildung zahlt sich aus

Da die Hunde oft im Mittelpunkt stehen, sind feste Ruhezeiten und Rückzugsorte wichtig. Um die Körpersprache des Hundes lesen und eine angemessene Umgebung für Kind und Tier schaffen zu können, lernen Halter in einer umfassenden Ausbildung. Dabei werden rechtliche Grundlagen, Hygienevorschriften, Rahmenbedingungen des Einsatzortes und Körpersprache vermittelt. Etwa 1500 Euro kostet die halbjährige Weiterbildung, die privat bezahlt werden muss. "Doch es lohnt sich", sagt Oliveira. Verschlossene Kinder würden offener, lernten aber auch, Impulshandlungen besser zu kontrollieren. Empathie und Rücksichtnahme werden gefördert. Im Umgang mit dem Tier übernehmen die Kinder Verantwortung, stärken ihr Selbstbewusstsein, bauen ihre sprachlichen und kognitiven Fertigkeiten aus.

Kein Wunder, dass sich ein steigender Trend beim Einsatz tierischer Helfer abzeichnet. Immer mehr Kitas und Schulen greifen das Konzept auf, sagt Oliveira. Dies sei erfreulich, berge aber auch Gefahren.

Tiere müssen artgerecht gehalten werden, es darf kein Ausnutzungsverhältnis entstehen. "Nur wenn das Tier sich wohlfühlt, kooperiert es und kann seine Pflicht erfüllen. Fühlt das Tier sich wohl, fühlt auch das Kind sich wohl." Niklas Müller

So wird ein Hund zum therapeutischen Begleiter

Im Landesverband Hessen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) werden Hunde schon länger als therapeutische Begleiter in Senioren- und Behinderteneinrichtungen, in Krankenhäusern und betreuten Wohngruppen sowie in Flüchtlingsheimen und Hospizen eingesetzt, um dort für Abwechslung im Alltag zu sorgen und positiv auf das Erleben und Verhalten von körperlich und seelisch kranken Menschen einzuwirken.

Dabei werden die Hunde des DRK überwiegend bei Vereinsamung, zu Bewegungsanreizen, zur Kommunikationsverbesserung und für sogenannte Achtsamkeit-Trainings eingesetzt.

Die Ausbildung erfolgt immer als Team von Mensch und Hund, am Anfang steht ein Eignungstest des Tieres. Freundlich, menschenbezogen und lernfreudig sollte der Hund sein, keinen schreckhaften, ängstlichen oder unsicheren Charakter haben, ruhig auftreten und er muss auch gepflegt sein. Zudem ist ein jährliches Gesundheitszeugnis für das Tier notwendig.

Insgesamt 75 Unterrichtseinheiten in Theorie und Praxis inklusive vier Hospitationen umfasst die Ausbildung. Diese kostet rund 1500 Euro und ist selbst zu finanzieren. An ihrem Ende steht eine schriftliche und praktische Abschlussprüfung sowie ein Erste-Hilfe-Lehrgang und ein Rotkreuz-Einführungsseminar. Jährliche Fortbildungen sind Pflicht. Für Patienten selbst ist die Therapie nicht von der Krankenkasse gedeckt. prnm

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