Als Drive-In bietet die evangelische Kirchengemeinde Nieder-Erlenbach am Sonntagabend ein Konzert. Foto: Leonhard Hamerski
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Als Drive-In bietet die evangelische Kirchengemeinde Nieder-Erlenbach am Sonntagabend ein Konzert.

Nieder-Erlenbach: Drive-In-Konzert

Wenn die Musik gefällt, bitte hupen!

  • vonKatja Sturm
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Klassisches und Modernes auf dem Parkplatz

Die Autoschlange vor dem Parkplatz der TSG Nieder-Erlenbach zog am Sonntagnachmittag die neugierigen Blicke der vorbeikommenden Fußgänger und Radfahrer auf sich. Veranstaltungen, die derartige Mini-Staus verursachen, ist man nach einem Jahr Pandemie-bedingter Einschränkungen nicht mehr gewöhnt. Dabei sorgte die Evangelische Kirchengemeinde aus dem Frankfurter Stadtteil im Norden bereits zum zweiten Mal an dieser Stelle dafür, dass die Kulturhungrigen ein bisschen Nahrung bekamen.

Schon im vergangenen Sommer bot sie ein Drive-in-Konzert an. Damals mit Gesang, wie Pfarrerin Petra Lehwalder erklärte. Diesmal rein instrumental. Der Trompeter David Tasa, die Violinistin Simone Isabella Kochsiek und der Organist der Heiliggeistkirche, Frank Hoffmann, sollten dieses gestalten.

Von Bach bis Morricone

Das abwechslungsreiche Programm des Trios reichte von Gottfried Fingers Sonate C-Dur für die drei vorhandenen Instrumente über Sätze aus Johann Sebastian Bachs Partita III in E-Dur bis zu einer Bearbeitung von Ennio Morricones Titelthema aus dem Film "The Mission", Gabriels Oboe. Kirchenvorstand Alexander Eifler überbrückte die kleinen Pausen zwischen den einzelnen Stücken mit Witzen und Anekdötchen aus der Welt der Musik, bisweilen gewürzt mit Selbsthumor.

So zeigte er Parallelen zwischen sich und Georg Friedrich Händel auf. Nicht etwa, was das kompositorische Talent angeht. Der Körperbau sei vielmehr ähnlich. Eine Leidenschaft fürs "Fressen und Saufen" habe man dem Barock-Vertreter nachgesagt. Was Berichten von Zeitgenossen nach nicht ohne sichtbare Folgen geblieben sein soll.

Allein, nicht nur die Kalauer unter den amüsanten Einlagen, sondern auch die ernsthafte Kunst der Vortragenden blieben erstmal ohne Resonanz. Die Besucher waren am Eingang per Flyer gebeten worden, in ihrem Wagen zu bleiben, lediglich die rechte Scheibe herunterzulassen und mit der Lichthupe zu applaudieren. Die schweigende Zurückhaltung mutete seltsam an - als hätten die Menschen durch den schon viel zu lange andauernden Mangel an Kultur verlernt, wie man sich bei Auftretenden bedankt.

Erst auf explizite Aufforderung hin wurde es lauter. Den zarten Saitenklängen folgte ein Hupkonzert. Das Vogelgezwitscher, das passend zum übergreifenden Thema "Frühlingserwachen" die zwischenzeitliche Stille durchbrach, unterdrückte nun stärker werdender Applaus aus den Fenstern heraus.

Ein kleiner Hauch von Normalität wehte über das Gelände. Wer sich in seinem Sitz entspannt zurücklehnte und die Augen schloss, weil man in den hinteren Reihen sowieso kaum etwas von den Protagonisten vorne sah, konnte die Autokino-Atmosphäre dieses besonderen Freiluftkonzerts für Momente vergessen.

Weitere Vorstellungen nicht ausgeschlossen

Wie dankbar viele dafür waren, überhaupt mal wieder ein Live-Kulturerlebnis geboten zu bekommen, darf sich nicht nur an der Zustimmung zu einer Zugabe bemessen lassen. Auch der Geldkorb für die Vortragenden an der Ausfahrt füllte sich trotz Zufahrtsgebühr beeindruckend.

Die Organisatoren, die in Heusenstamm eine mobile Orgel geliehen hatten, zeigten sich denn auch höchst zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Mühen. Natürlich würde Pfarrerin Lehwalder am liebsten so bald wie möglich wieder zu den Konzerten zurückkehren, die vor der Coronavirus-Pandemie mehrmals im Jahr in ihrer Gemeinde üblich waren. Doch wenn die Infektionszahlen das nicht erlauben sollten, sind Neuauflagen des Drive-in-Konzepts nicht ausgeschlossen. Katja Sturm

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