Wasser wird aus dem Keller geschöpft: Der Liederbach sorgte in Unterliederbach für größere Überschwemmungen. FOTO: maik reuss
+
Wasser wird aus dem Keller geschöpft: Der Liederbach sorgte in Unterliederbach für größere Überschwemmungen.

Wenn die Pegel steigen

Hochwasser-Furcht in Frankfurt – Diese Maßnahmen ergreift die Stadt

  • Julian Dorn
    VonJulian Dorn
    schließen

Einiges ist bereits für den Hochwasserschutz in Frankfurt geplant. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig sieht auch Grundstückseigentümer in der Pflicht.

Frankfurt – Bäche, die zu reißenden Strömen werden, zerstörte Häuser und verwüstete Straßen: Welche Verheerungen starke Regenfälle anrichten können, hat dieser Sommer eindrücklich verdeutlicht. Auch in Frankfurt durchziehen der Main und viele kleinere Bäche das Stadtgebiet. Kann so etwas auch in der Mainmetropole passieren? Zwar droht kein so gravierendes Hochwasser, da der Main nicht in einem engen Flusstal liegt. Allein: Starke Überschwemmungen sind möglich, wie sich im Main-Taunus und im Frankfurter Westen 2020 gezeigt hat.

Wie ist die Stadt auf solche Szenarien vorbereitet? Das wollte FDP-Fraktionsmitglied Julian Langner in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag vom Magistrat wissen.

Hochwasser in Frankfurt: Starkregenkarte ein wichtiger Schritt

Mit den digitalen Starkregengefahrenkarten sei die Stadt bereits einen wichtigen Schritt gegangen, betont Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Die im Internet abrufbaren Karten illustrieren für jede Straße und jeden Stadtteil metergenau, wie sich das Wasser bei starkem Regen stauen könnte, in welche Richtung und wie stark es fließen würde. Unterschiedliche Farbstufen von hellblau bis lila zeigen die maximale Überflutungshöhe an.

Diese mit Computersimulationen errechneten Karten dienten einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe nun als Grundlage, um gezielte Maßnahmen zu ergreifen, so Heilig. Diese Einheit soll für besonders gefährdete Gebiete individuell angepasste Schutzmaßnahmen konzipieren. Besonders im Fokus stehen laut Heilig dabei "sensible Einrichtungen" wie etwa Kitas und Kliniken, aber auch Neubaugebiete. Für den Frankfurter Berg etwa habe ein Ingenieurbüro bereits ein Schutzkonzept ausgearbeitet.

Regenbecken und Rückhaltekanäle sollen Frankfurt vor Hochwasser schützen

In Frankfurt behilft man sich beim Hochwasserschutz im Moment noch mit 236 Regenbecken und Regenrückhaltekanälen mit 80.000 Kubikmeter Fassungsvermögen. Sie speichern Regenwasser, um das Kanalnetz oder die Gewässer zu entlasten. 22 Pumpwerke sorgen dafür, dass das Abwasser aus tiefgelegenen Einzugsbereichen in das Kanalnetz und zu den Kläranlagen gelangt.

Neben den klassischen Maßnahmen soll aber auch das Konzept der "Schwammstadt" geprüft werden: Unbelastetes Regenwasser soll dort, wo es vom Himmel fällt, versickern und nicht mehr zentral gesammelt werden. Im dicht bebauten Stadtgebiet ist das jedoch nicht möglich - zu viele Böden sind versiegelt. Das ist auch Heilig klar und sie unterstreicht, wie wichtig es sei, Flächen zu entsiegeln. Die Stadt prüfe als Gegenmittel nun Versickerungsanlagen, Zisternen, Mulden oder auch künstliche Gewässer.

Mit dem FNP-Newsletter alle Frankfurt-News direkt in Ihr Postfach

Noch mehr News aus Frankfurt erhalten Sie mit unserem Newsletter!

Die Grünen-Politikerin betont aber auch, dass private Grundstückseigentümer in gefährdeten Gebieten in der Pflicht seien, vorzusorgen. Sie empfiehlt, sich unentgeltlich von Profis, etwa der Feuerwehr oder dem Umweltamt, beraten zu lassen. Bürger sollten prüfen, ob im Haus Entwässerungsanlagen und im Keller etwa Rückstoßklappen sinnvoll seien. Elektrische Geräte in gefährdeten Räumen sollten rechtzeitig gesichert werden, sagt die Dezernentin. Sie fügt an: "Und ganz wichtig: Bei Überschwemmungen keinesfalls mehr in den Keller gehen." (Julian Dorn)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare