Vermutlich ausgesetzt, wie so viele Katzen in der Urlaubszeit, wurde der Kater Harry. Jetzt genießt er im Tierheim Nied seine Streicheleinheiten aus der Hand von Vorstandsmitglied Bernd Johanning.
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Vermutlich ausgesetzt, wie so viele Katzen in der Urlaubszeit, wurde der Kater Harry. Jetzt genießt er im Tierheim in Frankfurt-Nied seine Streicheleinheiten aus der Hand von Vorstandsmitglied Bernd Johanning.

Pandemie

Frankfurt: Tierheim mit großen Sorgen - Haustiere nach Corona-Lockdown einfach ausgesetzt 

  • VonSabine Schramek
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Während der Corona-Lockdowns hatten sich viele Menschen Haustiere angeschafft. Jetzt werden sie wieder ausgesetzt. Das bereitet dem Tierheim in Frankfurt-Nied große Sorgen.

Frankfurt – Harry schnurrt wie ein kleiner Hubschrauber. Er ist pechschwarz bis auf sein weißes Lätzchen, weiße Pfoten und die Bommeln neben der Nase, aus denen dicke Schnurrhaare wachsen. Gurrend begrüßt er Besucher, stupst sie mit seinem Kopf und schmeißt sich auf den Rücken, um gekrault zu werden.

„Anfang Juni hat uns die Polizei in Höchst angerufen, weil Harry in erbärmlichem Zustand unterwegs war. Der Kater hatte Lungenwürmer und eine Weile lang sah es so aus, als ob wir ihn nicht retten können“, erzählt Bernd Johanning (41), der im Tierheim Nied an der Schwanheimer Brücke in Frankfurt ehrenamtlicher Helfer und im Vorstand des Vereins ist.

Katze in Frankfurt: „Niemand scheint Harry zu vermissen“

Harry war weder gechipt, tätowiert noch kastriert und völlig zutraulich. „Er kannte Menschen und hatte wohl ein Zuhause“, so Johanning, der nicht spekulieren möchte. „Wir haben dem Fundtier einen Namen gegeben, ihn auskuriert, kastriert und markiert. Niemand scheint ihn zu vermissen und zu suchen“, sagt er und zuckt mit den Schultern, während der Kater einer Fliege hinterherjagt. Die Vermutung liegt nahe, dass Harry ausgesetzt wurde. „Wir machen keine Vorwürfe. Die Hauptsache ist, dass es ihm jetzt gut geht und dass er ein schönes Zuhause bei einer Familie für immer findet.“

Tierheim in Frankfurt füllt sich seit zwei Monaten mit „Lockdown-Haustieren“

Schon seit zwei Monaten füllt sich das Tierheim. Das Team kümmert sich vor Ort und in Pflegestellen um gut 80 Katzen und Nagetiere, die gefunden, gebracht oder abgegeben werden. „Normalerweise sind wir erst in den Sommerferien völlig überlastet. Dieses Jahr hat es schon viel früher begonnen. Plötzlich merken die Leute, dass Haustiere auch Verantwortung bedeuten“, erzählt Johanning. Katzen können gut und gerne 15 bis 20 Jahre alt werden und fordern regelmäßiges Futter, Streicheleinheiten, Pflege und Spielstunden ein.

„Oft finden Leute Kätzchen einfach nur süß und überlegen nicht, ob sie genug Platz und Zeit für sie haben. Sie bedenken nicht, dass Tierarztkosten auf sie zukommen können und auch nicht, was sie mit den Katzen machen, wenn sie in den Urlaub fahren.“ Ortswechsel bedeuten für Stubentiger Stress und oft dauert es bis zu drei Monaten, bis sich Katzen an einem neuen Ort wohlfühlen.

„Am besten ist es, wenn ein Verwandter oder Nachbar die Katze in ihrem gewohnten Umfeld füttert, wenn die Besitzer nur ein paar Tage weg sind“, erklärt Johanning. Er fährt fort: „Wenn es länger dauert, reicht es nicht, ihnen nur Futter hinzustellen. Die Tiere müssen bespielt, gekrault und beschäftigt werden. Tiersitter und Katzensitter-Clubs können aushelfen und wenn es gar nicht anders geht, kann man die Tiere in Katzenpensionen geben.“

Frankfurt: „Kein Tierheim reißt jemandem den Kopf ab, wenn er ein Tier bringt“

Bevor man sich Katzen anschafft, sollte man auch überprüfen, ob es Katzenallergien in der Familie gibt. „Wenn sich jemand, der noch nie Katzen hatte, bei uns ein Tier ausgesucht hat und es zutraulich ist, geben wir den zukünftigen Besitzern auch mal Haarproben mit, die wir beim Bürsten und Kämmen der jeweiligen Katze sammeln. So können sie sich das ausgekämmte Fell zu Hause um den Arm wickeln und beobachten, ob es zu allergischen Reaktionen durch den Speichel der Katze kommt. Das ist für Mensch und Tier besser, als es wieder zurückzubringen.“

Kein Verständnis hat Johanning für Leute, die ihre nicht mehr gewollten Samtpfoten einfach aussetzen. „Kein Tierheim reißt jemandem den Kopf ab, wenn er ein Tier bringt. Da ist es wenigstens sicher und betreut.“ Wenn Katzen ausgesetzt werden, drohen jede Menge Gefahren und Krankheiten. Er blickt in die Fenster der Quarantänestation, aus denen Babykatzen und Seniorentiger maunzen. Zwei Wochen lang werden sie beobachtet, ob sie krank sind, danach werden sie geimpft, markiert und kastriert. Erst wenn alles in Ordnung ist, können sie gegen Schutzvertrag und Schutzgebühr zur Vermittlung freigegeben werden.

Katze Harry sucht in Frankfurt ein neues Zuhause: „Kinder mag er sehr gerne“

Der getigerte Simba ist schon zwei Jahre hier. Ein stattlicher siebenjähriger, meist schmusebedürftiger Kater, der kerngesund ist. „Ab und zu jault er laut und wer sich dann nicht schnell rückwärts zurückzieht, wird gebissen. Warum, weiß niemand. Deshalb arbeitet jetzt eine Katzentherapeutin mit ihm, damit wir ihn irgendwann gut vermitteln können.“

Harry greift keine Menschen an. Er genießt seine Kuschelstunde mit Johanning. „Er braucht einen Platz mit Freigang und Menschen mit viel Zeit. Kinder mag er sehr gerne. Nur andere Katzen mag er nicht um sich herum.“ Das Tierheim Nied ist telefonisch unter (0 69) 39 91 11 und per E-Mail unter der Adresse info@tierheim-nied.de erreichbar. (Sabine Schramek)

Wohin mit der Katze, wenn es in den Urlaub geht? Katzenbesitzer in Frankfurt helfen sich gegenseitig – mit einem bewährten Konzept.

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