Antun Smetanin (43) arbeitet seit 20 Jahren als Security. Die Ansprache und Erfahrung im Umgang mit Feiernden können seiner Meinung nach deeskalierend wirken. Foto: PrivaT
+
Antun Smetanin (43) arbeitet seit 20 Jahren als Security. Die Ansprache und Erfahrung im Umgang mit Feiernden können seiner Meinung nach deeskalierend wirken. Foto: PrivaT

Party-Szene auf dem Frankfurter Opernplatz

"Wenn einer die Freundin eines anderen anmacht, gibt's eine Schlägerei"

  • vonSabine Schramek
    schließen

Sicherheitsdienste kennen sich aus mit Alkohol und Testosteron. Die Eskalation auf dem Opernplatz sei voraussehbar gewesen, sagen sie - und loben die neue Strategie der Polizei.

Frankfurt -Die Diskussionen um die Ausschreitung auf dem Opernplatz vor einer Woche reißen nicht ab. Damit sich solche Szenen mit hemmungslosen Angriffen auf die Polizei und 39 Festnahmen nicht wiederholen, wird jetzt an Wochenenden ab Mitternacht der Partyplatz geräumt. Ab 1 Uhr nachts darf er nicht mehr betreten werden. Sicherheitspersonal begrüßt die Entscheidung der Stadt und der Polizei.

Wer als Security oder Sicherheitsdienst arbeitet, den erschreckt wenig. Ihre Aufgabe ist es, Gefahrenlagen frühzeitig zu erkennen und zu deeskalieren. Oder - im Notfall - hart durchzugreifen. Sie arbeiten im Auftrag von Firmen, Clubs, Lokalen oder bei Veranstaltungen jeder Art. Der Opernplatz ist öffentliches Gelände. Wer sich hier am Wochenende zum Chillen oder Feiern trifft, ist privat unterwegs und da es dafür keinen offiziellen Veranstalter gibt, gibt es auch keine Auftraggeber. Dass die Situation am Opernplatz eskalieren kann, war klar.

Für groß organisierte Feste wie zum Beispiel das Oktoberfest in München gibt es bei Sicherheitsfirmen ausgefeilte Konzepte. "Da wird lange im Voraus geplant", so ein Sprecher der Firma Securitas. "Gut durchdachte Sicherheitskonzepte mit allen Verantwortlichen und Behörden sowie Deeskalationstraining und Ortskunde der Mitarbeiter sind sehr wichtig."

Seit sechs Jahren Objektschützer

Ausführlicher äußert sich Antun Smetanin (43). Er arbeitet seit 20 Jahren als Security. Seit sechs Jahren ist er Objektschützer, davor in Clubs, Discos, im Bahnhofsviertel, im Waldstadion und beim Ironman. "Es war klar, dass es da krachen kann", sagt er mit Blick auf die Partys am Opernplatz. "Keiner passt auf, Alkohol in rauen Mengen, Enge und Glasflaschen. Da reicht es, dass einer die Freundin von einem anderen anmacht und es gibt eine Schlägerei. Wenn dann noch Glasflaschen zur Hand sind, ist die Situation kaum noch zu bändigen und brandgefährlich."

Seine Arbeit führt er nach dem Gedanken "wer nicht pariert, marschiert" aus. Nicht wie im Film "Road House" mit Patrick Swayze mit Prügel-Action, sondern mit Vorausschau. "Wer wo reinkommt, ist Erfahrungssache. Hauptsache man bleibt freundlich und stellt sich auf die Leute ein. Dann ist schon vieles entschärft." Der Kampfsportler beobachtet die Situationen aus Distanz. "Wenn ich merke, dass sich Stimmung aufheizt, spreche ich mit den Leuten freundlich, aber bestimmt. Deeskalation ist das Wichtigste. Und Ruhe. Wütende Menschen sind bei dem Wort "bitte" manchmal so aus dem Konzept, dass die Luft raus ist."

Aus Glasflaschen werden schnell Waffen

Das Problem sei aber, dass man niemandem hinter die Stirn blicken könne. Dass sich sonst friedliche und harmlose Leute blitzschnell in hoch aggressive Gestalten verwandeln können. "Das braucht sehr viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl." Smetanin ist vor allem wachsam, wenn Glasflaschen im Spiel sind. "Das sind schnell Waffen. Auf öffentlichen Plätzen ist das nicht zu kontrollieren, was damit passieren kann, vor allem, wenn Leute betrunken sind."

Dass Alkohol Gewalt begünstigt, bestätigt auch die Aktionswoche Alkohol. "Warum ein Mensch gewalttätig wird und ein anderer nicht, ist nicht einfach zu erklären. Gewalt hat immer mehrere Ursachen. Sicher ist: Alkohol erhöht das Risiko, Gewalttäter oder Gewaltopfer zu werden", stellte die Organisation in einer Studie fest. Bei gut einem Drittel der Gewalttaten, die der Polizei bekannt werden, sei Alkohol im Spiel und reiche von Beschimpfungen und Demütigungen über Vandalismus zu sexuellen Übergriffen bis hin zur Körperverletzung mit Todesfolge. Ein Großteil der Straftaten mit Gewalteinwirkung werde danach von Männern begangen und sie würden auch selbst häufiger Opfer von Gewalt. Ruhestörung, Vandalismus, Schlägereien - solche Verstöße geschehen oft unter Alkoholeinfluss. Häufig sind Jugendliche beteiligt.

Befragt wurden in der Freiburger Innenstadt 308 Personen im Alter von 15 bis 65 Jahren, wie viel sie trinken, wenn sie ausgehen. Am meisten trinken danach 15 bis 20-jährige junge Männer. Knapp ein Drittel von ihnen sei innerhalb eines Jahres in mindestens eine Schlägerei verwickelt.

Gero Z. kann das bestätigen. Er arbeitet als Security in ganz Hessen. "Die Impulskontrolle fällt dann oft völlig weg. Wer aggressiv drauf ist, hat keine Hemmungen, Flaschen, Steine oder Tonnen zu werfen oder sogar Messer zu ziehen." Auch er setzt auf frühzeitige Deeskalation. "Freundlich ansprechen und wegschicken. Wer nicht hört, wird herausgeführt." Z. ist überzeugt, dass die neuen Maßnahmen am Opernplatz helfen werden. "Gegen 0.30 Uhr steigt der Alkoholpegel. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Aggressoren dann nicht woanders ihr Unwesen treiben."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare