Leberecht-Stiftung

Wenn Eltern schwierig werden: Gelungene Premiere im Theater Landungsbrücken

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Mit Unterstützung der Leberecht- Stiftung dieser Zeitung bringen 15 behinderte und nicht-behinderte Schauspieler im Theater Landungsbrücken ein beeindruckendes Stück auf die Bühne.

Alles fängt mit einem Rausschmiss an. Eine kleine Gruppe Jugendlicher, die gemeinsam ein Lied anstimmt, wird von der Bühne vertrieben. Kurz darauf geht’s drunter und drüber. Ganz in Schwarz gekleidet laufen Jungen und Mädchen hin und her. Geredet wird über Pubertät. Und darüber, welche Folgen dieser Übergang für den Nachwuchs und das Umfeld hat.

„So hat es damals begonnen“, wird Gerlinde Meeth später erzählen. Bei den ersten Proben für das von der Leberecht-Stiftung unterstützte Stück „Chaos Pubertät Überforderung“ herrschte beim Jungen Theater Höchst Inklusiv offenbar ziemliches Durcheinander. Die langjährige Therapeutin des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) am Klinikum Höchst hat es gemeinsam mit dem Schauspieler Johannes Christopher Maier und der Pädagogin Stefanie Habicht in geordnete Bahnen gelenkt. Das knapp einstündige Ergebnis war am Samstagabend vor vollbesetzter Tribüne im Theater Landungsbrücken zu sehen. 15 behinderte und nicht-behinderte Darsteller im Alter zwischen zwölf und zweiundzwanzig Jahren beschäftigen sich darin mit dem Erwachsenwerden. Dabei greifen sie nicht nur auf Zitate zurück, die sie irgendwo gelesen oder herausgefiltert haben. Etwa jene Definition des Schwerpunktthemas, nach dem dieses den Zeitraum bezeichnet, in dem „Eltern schwierig werden“.

Abschied vom Plüschtier

Die Schauspieler lassen auch eigene Erfahrungen einfließen. Zu den Klängen von „Time to say goodbye“, die zwei aus dem Ensemble auf der Gitarre und diversen Blasinstrumenten anstimmen, tritt immer mal jemand mit einem Spielzeug in der Hand vor und nimmt feierlich Abschied. Man sei schließlich herausgewachsen aus dem Alter, in dem man mit einem Kuscheltier, einer Playmobil-Farm oder dem Feuerwehrauto seine Stunden verbringt.

Hinter einer Scheibe, die einen Spiegel imitiert, üben einzelne Mitspieler Selbstkritik. Erstaunlich offen berichten sie in einer Tonaufzeichnung, was sie schön und was sie weniger gut an sich finden: der hässliche Pickel auf der Stirn, die dünnen Augenbrauen. „Ich könnte auch mal wieder abnehmen.“ Die Sätze vom Band begleiten passende Mimik und Gesten.

Texte selbst ausgedacht

„Die Texte haben sie sich selbst ausgedacht“, erklärt Maier. Wie stolz sie darauf sind, sie nun vor so vielen Zuschauern vorzutragen, zeigen die Schauspieler ganz unverblümt. Rima etwa umarmt herzlich ihre Freundin, als diese von ihrem geglückten Solovortrag zurückkehrt. Wenn doch mal was daneben geht, jemand seinen Einsatz verpasst oder Worte fehlen, kann der Zögernde sich auf die Hilfe der anderen verlassen.

Dabei hat es das Führungsteam mit viel Geschick geschafft, alle so einzubinden, wie es das individuelle Vermögen möglich macht. Die Stimmung ist so locker, die Spielfreude so groß, dass es selbst kein Problem darstellt, wenn Schwächen humorvoll angesprochen werden.

 Das Theaterprojekt hat seinen Ursprung 2016. Inspiriert von Maier, der, als Kind von ihr betreut, schon früh wusste, dass er Schauspieler werden würde, suchte Meeths Unterstützung für die Idee, am SPZ ein entsprechendes Angebot für Jugendliche zu installieren. Dass es dabei um die Pubertät gehen würde, habe von Anfang an festgestanden. Einmal in der Woche treffen sich die Teilnehmer, um Szenen zu entwickeln und zu üben. „Wir sind offen für neue Mitglieder“, betont Meeth. Der erfolgreiche Auftritt der bisherigen dürfte eine geeignete Motivation bedeuten. „Sie haben sich noch einmal anders entdeckt“, sagt Jorinde Geßner vom Verein „Gemeinsam leben Frankfurt“, der das Junge Theater mittlerweile übernommen hat. „Inklusion muss man leben.“ Der Probenverlauf, die Aufführung, aber auch das, was da zusammengewachsen ist, erscheinen als gutes Beispiel dafür. Ein ehrgeiziges Ziel bleibt. Bislang sind für das Stück am 23. und 24. Mai (jeweils um 19 Uhr) zwei weitere Vorstellungen angesetzt. Maier hofft, dass der Andrang dann so groß sein wird, dass nichts anderes übrig bleibt, als am 25. Mai eine Zugabe zu geben.

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