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Klaus-Peter Roth, hier im Vorführraum des Filmforums Höchst in der Emmerich-Josef-Straße, war dem Kino beruflich über 40 Jahre verbunden. Jetzt kommt sein Renteneintritt, während sich das Kino im Lockdown befindet. Foto: Maik reuß

Höchst: Abschied

Wenn er geht, ist die Leinwand dunkel

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Der Chef des Filmforums muss in Rente, während sein Kino nicht spielen darf

Das Dezember-Programm des Filmforums Höchst war fertig und kurz vor der Drucklegung, als die Verlängerung des Lockdowns kam. Bis voraussichtlich Mitte Januar wird es nun im Filmforum keine Vorstellungen geben. Das ist nicht nur fürs Stammpublikum hart, sondern auch für Klaus-Peter Roth: Der langjährige Leiter nimmt nach fast 40 Jahren Kinoarbeit am 31. Dezember seinen Abschied. Vier Jahrzehnte Kino in Höchst, mit einigen Unterbrechungen, bedeuteten Eintauchen in die Faszination des Kinos, Filmkultur, politische und gesellschaftliche Diskussionen, Verstehen anderer Kulturen - nicht nur im Film - und Begegnungen mit Filmschaffenden aus aller Welt, die oft von besonderer Nachhaltigkeit gekennzeichnet waren.

Roth dankt seinem Team und auch allen Mitarbeitern, die kürzer oder länger im Kino mitgearbeitet und das Programm und die Ausrichtung des Filmforums maßgeblich mitbestimmt haben. Viele seien dem Kino, das im Haus des Neuen Theaters an der Emmerich-Josef-Straße 46 a seinen Sitz hat, weiterhin verbunden. Roth hat auch die Zusammenarbeit mit den Festivalgruppen genossen, die ehrenamtlich an Sonderprogrammen wie "Die DDR im Film", "Cuba im Film", "Africa Alive" oder an den Kurdischen Filmtagen mitgewirkt haben, sowie mit den Vertretern der hessischen Filmszene, besonders mit dem Hessischen Film- und Kinobüro und dem Filmhaus Frankfurt. Er dankt den Kollegen von der Volkshochschule (VHS) Frankfurt, dem Träger des Filmforums und dem Förderverein "Aufblende": "Meine Zeit im Filmforum war immer eine Zeit des gemeinsamen Arbeitens vor allem im Filmforum-Team, getragen von ganz verschiedenen Menschen ganz unterschiedlicher Altersgruppen und mit ganz verschiedenen Zugängen zum Kino, die aber der Enthusiasmus für das Kino und das Interesse an der gemeinsamen Reflexion über die besondere Kunstgattung Film und seine gesellschaftliche Bedeutung geeint hat", sagt Roth.

Dieses Interesse habe das Publikum immer geteilt, das dem Kino verbunden sei und es auch in der Schließzeit im Frühjahr begleitet und durch seinen Zuspruch motiviert habe. Roths Nachfolgerin wird Sabine Imhof, die schon seit 13 Jahren im Filmforum mitarbeitet. Für Roth wird das Kino immer eines bleiben: "Ort der öffentlichen Reflexion, Faszination und ein Garant für die Filmkultur." Das sei weit entfernt vom isolierten Konsum auf dem Sofa, gespeist von Streamingdiensten.

Auch im Ruhestand will Klaus-Peter Roth noch im Kino und bei den Festivals präsent sein - nicht nur wegen der Filme, sondern auch wegen des gemeinsamen Arbeitens und "wegen der Freundschaften, die sich im Zusammenhang mit der Arbeit im Filmforum entwickelt haben". Gefreut hätten er und sein Team sich in diesem Jahr über die Kinopreise des deutschen Kinematheksverbundes in der Kategorie "Kino, das bildet" und den Hessischen Kinokulturpreis 2020. Die Preise seien "Ansporn, auf unserem Weg weiter zu gehen".

So werde es im nächsten Jahr nach der Wiedereröffnung etwa die Festivals "Cinema Italia" und "Días de Cine" (zusammen mit dem Deutschen Filmmuseum) geben, den "versäumten" Film "Oeconomia" von Carmen Losmann, der aus aktuellem Anlass besonders wichtig sei, ein kleines Lateinamerika-Programm und das für November und Dezember geplante Fassbinder-Programm mit Oskar Roehlers "Enfant Terrible". Zum Gedenken an die Opfer des Holocaust werde die Verfilmung des Lesekonzerts "In Auschwitz gab es keine Vögel" von und mit der Autorin Monika Held und dem Kontrabassisten Gregor Praml nachgeholt. Für Februar hoffe man, zusammen mit dem Deutschen Filmmuseum das Festival "Africa Alive" durchführen zu können - wenn die Kinos dann wieder spielen dürfen. red

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