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Harald und Edith Wolf servierten das Essen, zusammen mit ihrem Helferteam, diesmal im Kirchsaal der Lydiagemeinde, um die Abstandsregeln einhalten zu können. foto: Enrico Sauda

Praunheim: Hilfe für Obdachlose

Wenn es kalt wird, werden die Tische gedeckt

  • vonSabine Schramek
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Seit 32 Jahren organisieren Edith und Harald Wolf Mittagessen

Wenn es draußen kalt wird, sind Senioren oft einsamer als im Sommer. Deshalb organisieren Edith und Harald Wolf seit 32 Jahren von Oktober bis März an einem Sonntag im Monat ein gemeinsames Mittagessen in der Lydiagemeinde. Wegen Corona servieren sie jetzt im Kirchsaal statt in der Bibliothek.

In der Küche wird laut gelacht. Zwischen Dill-Duft, frischen Champignons, Sahnesoße, Spätzle und geschnetzeltem Schweinefleisch gibt es ein Glas Sekt für das sechsköpfige, eingespielte Kochteam. Bis das Wasser im großen Topf blubbert, ist Zeit für Freude. "Im März ist unser traditionelles Grüne-Soße-mit-Tafelspitz-Essen wegen Corona ausgefallen. Heut ist es seither das erste Mal, dass wir wieder zusammen kochen", sagt Edith Wolf (72), liftet ihre Maske über der Kochschürze und prostet ihren ehrenamtlichen Mitstreiterrinnen fröhlich zu. Gemeinsam mit ihrem Mann Harald Wolf (74) kümmert sich Edith Wolf um die Altenarbeit. Im Winter organisieren sie einmal im Monat ein gemeinsames Essen für Senioren und Alleinstehende. Heute gibt es Salat, Schweinegeschnetzeltes mit Spätzle und Schottischen Hochland-Nachtisch in großen Schüsseln.

In die Lydiagemeinde ausgewichen

"Ich hatte wegen Corona zwei schlaflose Nächte", sagt Wolf lachend. Wegen der ständig wechselnden Hygienevorschriften war sie nicht sicher, ob das lang geplante Mittagessen stattfinden kann. Statt in der Bibliothek an Sechsertischen ist das Team auf den Kirchsaal der Lydiagemeinde ausgewichen mit großen Tischen, an denen je vier Leute Platz nehmen können. Statt Selbstbedienung aus Töpfen servieren die Wolfs und das Küchenteam alles persönlich.

Orangefarbene Ballonblumen stehen in kleinen weißen Vasen auf Papierservietten mit Herbstlaubmuster. "Service wie im Restaurant", meint Harald Wolf schmunzelnd, als die ersten Gäste eintreffen, sich in Listen eintragen, die Hände desinfizieren und sich von ihm an ihren Platz führen lassen. "Früher sind immer zwischen 30 und 35 Leute gekommen. Heute haben sich nur 17 angemeldet", sagt er. "Die Leute gehen gerne dorthin, wo man andere kennt. Die anderen trauen sich wahrscheinlich nicht", vermutet er. Viele kennt er. Es kommen drei Männer und ansonsten Frauen, die sich schick gemacht haben. Ihre Augen glitzern vor Freude.

"Das gemeinsame Mittagessen habe ich schwer vermisst", sagt eine 91-Jährige, die schon seit Jahren kommt. Sie geht sofort zu ihren Bekannten und schwatzt mit ihnen über alles, was es Neues gibt in Praunheim. Auch neue Leute sind da. Welche, die nicht alleine essen wollen oder keine Lust zum Kochen haben. Eine Frau mit blauem Pullover bringt ihre beiden Cavalier King Charles Spaniel mit und bindet ihre Leinen in einer Ecke neben der offenen Gartentür fest. Ein Mann in grauem Jackett gesellt sich zu ihr, und sie kommen sofort ins Gespräch. Edith Wolf gefällt das. "Es ist schön, dass sich Menschen kennenlernen und austauschen. Deswegen machen wir das." Jeden zweiten Mittwoch lädt Wolf auch zum Seniorentreffen ein. Mit Kaffee und Kuchen und Ausflügen.

Etwa die Hälfte der Besucher kommt aus der katholischen Gemeinde im Stadtteil. "Das Mittagessen ist für alle offen. Es sind Praunheimer, einfach Leute aus dem Stadtteil. Da kommt es nicht darauf an, welche Konfession sie haben", so Wolf, bevor er zum gemeinsamen Tischgebet einlädt. Alle hören zu und sagen "Amen", bevor das ehrenamtliche Team serviert.

Zufrieden genießen sie ihr Essen, viele wollen einen Nachschlag und bekommen ihn auch. In dem hellen freundlichen Kirchsaal wird gelacht, geschnattert und genossen. Fünf Euro hat jeder am Eingang für das köstliche Menü mit anschließendem Kaffee bezahlt. "Damit decken wir die Kosten ab", sagt Wolf. Zwei Stunden lang hat sie mit den anderen Frauen das Essen vor- und zubereitet.

In vier Wochen wird wieder serviert

Die Leute sind glücklich, satt und zufrieden. Das Ehepaar Wolf setzt sich auf ganz besondere Art für andere ein. Auch an Heiligabend laden sie ein. Zum gemeinsamen Essen und Zusammensitzen. Mit Liedern und Gedichten. "Die Schwiegermutter hat es erlaubt, dass wir Heiligabend so verbringen", meint Edith Wolf lachend. Ihr Mann nickt. "Meine Mutter ist mit 75 wieder nach Frankfurt gezogen und ist dann noch 17 Jahre lang immer dabei gewesen."

In vier Wochen wollen alle zum Sonntags-Mittagessen wiederkommen. "Das Essen war einfach nur lecker. Und es ist so schön, andere Leute zu treffen. Auch, wenn wir Abstand halten müssen", sagt die Dame mit den Hunden. "Vielleicht sind wir auch an Weihnachten dabei."

SABINE SCHRAMEK

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