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Mit einem Marienkäfer mit langen Fühlern zum Bälleeinsammeln geht das ?Team Herby? an den Start. Foto Michael Faust

Technik Studium

Wenn Käfer der Jungingenieure Bälle einsammeln

Ein flitzendes Fußballfeld, ein motorisierter Marienkäfer oder ein staubsaugender VW-Bus: Jungingenieure der University of Applied Sciences haben für ihr Startprojekt Kreativität und technisches Talent bewiesen.

Drei, zwei, eins, wird bis zum Startschuss rückwärts gezählt. Dann surren kleine Motoren in der Mehrzweckhalle der Frankfurter University of Applied Sciences (UAS) – früher Fachhochschule. Zum sechsten Mal dürfen hier die neuen Studierenden ihre technischen Fähigkeiten und Kreativität unter Beweis stellen. Diesmal in einer „Football Challenge“, für die sie in Kleingruppen ein ferngesteuertes Fahrzeug gebaut haben, mit dem sie möglichst viele Bälle einsammeln müssen.

Jedes Wintersemester wird für Studenten der Fachrichtung Maschinenbau ein solches Startprojekt angeboten. „Ziel ist es, dass sich die Studierenden besser kennenlernen und schon am Anfang testen können, ob der Studiengang etwas für sie ist“, erklärt Stefan Dominico, der Leiter des Projekts.

Das Team „Grand Theft Ball“ hat bis zuletzt an ihrem Gefährt geschraubt. Nun flitzt der grüne „Balldieb“ wieselflink über das Spielfeld und sammelt Punkte. Drei Minuten haben die Teams, um so viele Bälle wie möglich einzusammeln. Mit auf dem Feld ist „Polybully“, ein hellblauer Mini-Van, mit einer Turbine auf der Fahrzeugrückseite und Greifarmen aus Klettverschluss vorne – dort haften bereits vier Tischtennisbälle. „Grand Theft Ball“ ändert deshalb seine Strategie und setzt auf Angriff. Doch das geht nach hinten los: Es knallt, die Menge johlt. „Grand Theft Ball“ und „Polybully“ sind kollidiert. Die letzten zehn Sekunden laufen, Dominico pfeift das Spiel ab. Beide Teams haben es ins Viertelfinale geschafft.

„Unser Fahrzeug hat den Crash gut überstanden“, sagt Mohamed El Bannay, er ist einer der sechs Ingenieure des „Grand Theft Balls“. Für den Fall, dass es auf dem Feld etwas rabiater zugeht, haben sie ihr Fahrzeug extra an einigen Stellen gepanzert. Um in der nächsten Runde noch besser abzuschneiden, satteln sie in der Pause noch auf Allradbetrieb um. „Dann geht es noch mehr ab“, sagt El Bannay lachend. „Es lief besser als gedacht“, sagt auch Jonas Mühlberg vom Team „Polybully“. 36 Stunden haben sie intensiv an ihrem VW-Bus gearbeitet. Besonders stolz sind sie auf die Turbine.

Etwas aus dem Raster fällt vor allem eine Gruppe: „Team Herby“. Passend zu ihrem motorisierten Marienkäfer haben sich alle in schwarz und rot gekleidet. „Wir haben uns vor allem auf die Ästhetik konzentriert“, sagt Carmen Linares Cuba. Denn auch dafür gibt es Punkte. Eine Jury bewertet die Optik und Präsentation der Fahrzeuge. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt und so haben sich fast alle Teams ein witziges Motto einfallen lassen. 50 Euro Budget hatten sie zur Verfügung. „Für unseren Herby mussten wir aber noch einiges drauflegen“, so Linares Cuba.

Drei Stunden später haben es „Grand Theft Ball“ und „Polybully“ ins Finale geschafft. In den letzten drei Minuten geht es für die vier verbliebenen Teams um alles. Vom Spielfeldrand werden sie angefeuert. Der Puls steigt. Bälle werden geklaut, Kollisionen provoziert. Ein Fahrzeug verliert das Ballnetz. Drei, zwei, eins, ein Pfiff. Das Spiel ist aus. Gewonnen hat „Goal Getter“, ein besonders aggressiver Spieler. „Polybully“ landet auf dem zweiten Platz. „Wir sind super zufrieden“, so Mühlberg, „damit hat keiner von uns gerechnet“.

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