Neues Projekt berät und unterstützt Einwanderer

Wenn Migranten ihr Glück selbst machen

Migranten, die in Deutschland Unternehmen führen, tun sich oft schwer, den Behörden-Dschungel zu durchblicken. Gut ausgebildete Einwanderer leisten hierzulande Arbeit, die sie unterfordert. Nun hat der Verein für Kultur und Bildung (Kubi) eine Initiative gestartet, um Unternehmer und Arbeitskräfte mit ausländischen Wurzeln zu stärken.

Von Ben Klib

Migranten, die nach Deutschland kommen, mögen hochmotiviert sein, sich hier eine unternehmerische Existenz aufzubauen. Die Steine, die ihnen durch unzählige Vorschriften und Paragrafen in den Weg gelegt werden, machen es ihnen jedoch nicht leicht. Auch Arbeitnehmer mit ausländischen Wurzeln haben in Deutschland so manche Nachteile, sobald sie sich gegen deutsche Mitbewerber durchsetzen müssen. Dabei birgt unternehmerische Vielfalt stets großes Potenzial. Gerade Deutschland ist auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen.

Der Verein für Kultur und Bildung hat daher nun im Rahmen des bundesweiten Förderprogramms Integration durch Qualifizierung (IQ) das Projekt „Migranten-Unternehmen und Vielfalt (MUV)“ ins Leben gerufen. Ziel sind die Stärkung und Sensibilisierung von Existenzgründungen im Rhein-Main-Gebiet.

Dutzende Unternehmer mit ausländischen Wurzeln trafen sich daher am Mittwoch bei der Frankfurter Wirtschaftsförderung in der Hanauer Landstraße zum Startschuss. Ein Netzwerk soll nun entstehen, das Unternehmen mit ausländischen Wurzeln vereint, die voneinander lernen und sich unterstützen sollen. Mit von der Partie sind auch die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer.

Kernstück von „MUV“ sind Mentoren, sprich: Unternehmer mit Migrationsgeschichte, die bereits erfolgreich einen Betrieb in Deutschland führen und ihre Expertise mit Neueinsteigern oder angehenden Selbstständigen machen. „Unter den Mentoren befinden sich unter anderen Unternehmensberater, Restaurant-Betreiber, Pädagogen und Fachärzte“, sagte Dr. Ghodsi Hejazi vom Verein Kubi. 14 Monate soll die Zusammenarbeit zwischen Mentor und Protegé dauern.

Die Unternehmer sollen jedoch auch von qualifizierten Schulungen und Workshops profitieren, die von „MUV“ angeboten werden, ebenso vom Netzwerk des Projekts, das die Unternehmer mit Expertenwissen versorgt, ihre Position in Fachkreisen verbessern kann und Kompetenzen verknüpfen soll.

Die Frankfurter Stadtverordnete Hilime Arslaner (Grüne) wirkt als Mentorin. Sie verweist auf Studien, denen zufolge die Euphorie bei unternehmerisch tätigen Einwanderern zwar sehr groß sei. „Viele von ihnen melden jedoch Konkurs an, da es ihnen schwerfällt, sich in Deutschland zu etablieren.“

Laut Arif Arslaner, dem Geschäftsführer von Kubi, existieren seitens vieler solcher Unternehmer Hemmschwellen, bestehende Angebote wahrzunehmen, über die sie ihre Firma stärken können. Kubi und seine Kooperationspartner möchten dies mit „MUV“ ändern.

Letztlich sollen auch Arbeitnehmer mit ausländischen Wurzeln profitieren: Hilime Arslaner spricht von „latenter Diskriminierung“, denen viele von ihnen ausgesetzt sind, wenn sie sich bewerben. „Werden aber Unternehmer mit Migrationshintergrund gestärkt, kann dies auch dazu führen, dass mehr Personen mit Migrationshintergrund eingestellt werden.“

Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ arbeitet seit 2005 an der Zielsetzung, die Arbeitsmarktchancen für Menschen fremder Herkunft zu verbessern. Gefördert wird es aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Europäischen Sozialfonds. Mehr Informationen finden sich im Internet unter .

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