Antonio Macan hat vor einem Jahr mit den Live-Konzerten für Kleinkinder begonnen. Nun gastierte er in der Krabbelstube Nieder-Erlenbach - und begeisterte Klein und Groß.
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Antonio Macan hat vor einem Jahr mit den Live-Konzerten für Kleinkinder begonnen. Nun gastierte er in der Krabbelstube Nieder-Erlenbach - und begeisterte Klein und Groß.

Klassik für Kleinkinder

Wenn Mozart im Sandkasten mitspielt

  • vonSabine Schramek
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Nieder-Erlenbach: Früh übt sich - und bekanntlich ist klassische Musik gut fürs Gemüt. Die Krabbelstube Raupennest hat einen Pianisten eingeladen - mit sichtbarem Erfolg.

Der Konzertsaal ist der Spielplatz der Krabbelstube Raupennest. Statt auf steifen Stühlen sitzen Kleinkinder fröhlich auf bunten Decken und beäugen neugierig den Mann, der eine goldene aufblasbare Krone und Maske trägt. Noch wissen sie nicht so recht, was gleich passiert bis sanfte Klavierklänge über den Sandkasten, die Minirutsche und Tischchen klingen. "Fragrance of the Lilly of the Valley" schwebt sanft in der Luft - vertonter Maiglöckchenduft . Der Frankfurter Pianist Antonio Macan (33) hat das Stück geschrieben.

Lias, Alina, Piet, Vera, Jona, Huneen, Sukhar und jede Menge anderer Kleinkinder zwischen neun Monaten und dreieinhalb Jahren werden gleichzeitig still, halten erstaunt inne und lauschen. "Auch und gerade in Corona-Zeiten wollen wir unseren Raupen Schönes bieten", sagt Krabbelstuben-Leiterin Ingrid Reitzammer fröhlich. "Es ist ein Versuch. Als Herr Macan sich bei uns gemeldet hat und von seinen Baby- und Kleinkinderkonzerten berichtete, konnten wir nicht Nein sagen", sagt sie lachend.

Es ist eindeutig die richtige Entscheidung. Die 22 Kleinen und ihre acht Erzieher sind hin und weg. Macans Frau Annette führt sie ein in die Welt der Klassik. Mit großen Bildern, die sie bereits optisch in eine andere Welt entführen. "Das ist der Wuschel-Opa Beethoven, der wäre jetzt 250 Jahre alt. Und das ist seine Freundin, die Tante Elisabeth" erklärt sie "Für Elise". Köpfchen nicken im Takt, Füßchen und Händchen bewegen sich mit. Ebenso bei "Ave Maria" von Bach. Spätestens bei Mozarts "Türkischer Marsch" sind die Kleinen nicht mehr zu halten und johlen, klatschen und laufen im Takt rund um ihre Decken. Die Äuglein leuchten vor Freude. Als Zugabe gibt es noch "Der Kuckuck und der Esel", bevor die Jungs und Mädchen selbst ans Keyboard dürfen.

Reitzammer und Macan ermutigen die Zwerge, auf die frisch desinfizierten Tasten zu hauen. Jeder Ton, den sie selbst kreieren, lässt sie stolzer und stolzer wirken. Bis zu zwölf Händchen klimpern gleichzeitig und völlig ohne Streit.

Die fröhliche Gemeinschaft scheint eine amerikanische Studie des amerikanischen "Institute of Learning and Brain Sciences" zu bestätigen, die besagt, dass bereits bei Babys nach dem Musikhören die Hirnregionen stimuliert werden, die für Sprache zuständig sind und bei kleinen Kindern während Interaktion untereinander mit Musik Persönlichkeitsmerkmale wie Hilfsbereitschaft und Kooperationsfähigkeit gefördert werden

Antonio Macan hat vor einem Jahr mit den Live-Konzerten für Kleinkinder begonnen. Der Vater eines acht Monate alten Babys hatte festgestellt, dass "wegen Personalmangels Kultur für die Kleinen oft hintenangestellt wird" und sich dafür ein Programm ausgedacht. "Mit Corona haben wir natürlich auch ein komplettes Hygienekonzept ausgearbeitet", sagt er.

Mehr als 100 Mitmach-Konzerte in Krabbelstuben, Kindergärten, Kitas und Horts hat er bereits gegeben. "Es ist toll zu sehen, wie der Rhythmus auf die Kleinen übergeht und wie sie sich mitreißen lassen", sagt er. Ingrid Reitzammer sitzt auf dem Würfelstuhl mit vier Kleinkindern auf dem Schoß. Jedes der Kinder guckt bei den anderen, wie sie die Tasten drücken und welche Töne dabei herauskommen. Je länger sie klimpern, desto harmonischer klingen die Töne. "Das macht ihnen wirklich richtig viel Spaß", kommentiert Reitzammer.

Seit acht Jahren leitet sie die Krabbelstube Raupennest im früheren Schlecker-Markt. Träger vom Raupennest ist die BVZ. Selbstständigkeit, Beziehungsaufbau und ein Gefühl der Sicherheit für die Kleinen sind das, was hier vor allem geboten wird. Die Kleinen können spielen, toben und sich aussuchen, wo sie bei wem sein wollen. Jeden Tag wird frisch gekocht, alle schlafen zusammen. "Sie werden wunderbar träumen", sagt sie voraus und blickt zufrieden in die entspannten und glücklichen Gesichter nach dem Konzert im Hof. Lias, Alina, Maximilian und Piet umarmen Reitzammer inniglich. "Eine bessere Bestätigung für eine überraschende und gelungene Stunde kann es nicht geben."

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