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Schauspieler Walter Renneisen war bei der Premiere von ?Willkommen? im Fritz-Rémond-Theater nur zu Gast. Auf der Bühne stand an diesem Abend sein Sohn Mathias.

Stadtgeflüster

Wenn der Sohne mit dem Vater...

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Es gibt tosenden Applaus. Gerade ist das Stück „Willkommen“ zu Ende. Nach und nach strömen die Premierengäste aus dem ausverkauften Saal des Fritz-Rémond-Theaters am Zoo.

Es gibt tosenden Applaus. Gerade ist das Stück „Willkommen“ zu Ende. Nach und nach strömen die Premierengäste aus dem ausverkauften Saal des Fritz-Rémond-Theaters am Zoo. Unter ihnen der ehemalige Zoo-Direktor Manfred Niekisch , Blumenpapst Erhard Priewe sowie der ehemalige Frankfurter Bürgermeister Achim Vandreike – und Schauspieler Walter Renneisen . Für ihn ist es ein ganz besonderer Abend und eine nicht alltägliche Vorstellung, denn zum Ensemble dieses Stückes aus der Feder von Lutz Hübner und Sarah Nemitz gehören nicht nur Elisabeth Ebner , Carolin Freund , Tina Seydel und Sinan Aslan sowie Pascal Simon Grote , sondern auch sein Sohn – Mathias Renneisen .

„Es ist einfach schrecklich, da hat man mehr als Vater mehr Angst vor der Premiere und fiebert mehr mit als bei einer der eigenen Erstaufführungen“, beschreibt Walter Renneisen seine Gefühle vor und während der Vorstellung. Dabei ist es beileibe nicht die erste Premiere seines Sprösslings, die er mitverfolgt. Im Gegenteil. „Wir haben uns gegenseitig schon oft gesehen“, sagt Mathias Renneisen. Der hat es übrigens lieber, wenn seine Verwandten nicht zu Premiere vorbeischauen, sondern bei einer der späteren Vorstellungen im Publikum sitzen. Denn der Besuch gehe im „allgemeinen Premierentrubel“ schon manchmal unter. „Bei späteren Vorstellungen besteht dann schon eher die Möglichkeit, sich danach zu treffen und Zeit miteinander zu verbringen“, weiß der 32-Jährige, der sich aber natürlich wie Bolle darüber freut, dass Vater und Mutter unter den Zuschauern sind an diesem Abend.

Dass sein Sohn denselben Berufsweg wie er wählte, das freut Walter Renneisen, der auch aus Serien wie „Tatort“, „Derrick“, „Der Alte“ oder „Ein Fall für zwei“ bekannt ist. „Meine vier Kinder durften machen, was sie wollten“, sagt Walter Renneisen. Den plagt nur eine Sorge. „Nur wenige Schauspieler können von ihrem Beruf leben“, weiß er. Die Situation für Mimen sei ein vollkommen andere als die, die der heute 77-Jährige damals, Mitte der 60er Jahre, zu Beginn seiner Laufbahn vorfand. Eins stehe fest: „Für ihn wird es schwieriger als für mich“, befürchtet Walter Renneisen, der auch aus unzähligen Theateraufführungen bekannt ist und ein eigenes Tourneeunternehmen führt.

Vergangenes Jahr standen Vater und Sohn sogar gemeinsam auf der Bühne. Und zwar mit „Krach im Hause Mozart“. Dafür schrieb er Briefe zwischen Vater Leopold Mozart und Sohn Wolfgang Amadeus Mozart um, verdichtete und kürzte sie, um so einen dramatischen Briefwechsel zu schaffen. Geht es nach ihm, war „Krach im Hause Mozart“ nicht das letzte Mal, dass er mit Mathias gemeinsam auftrat. „Immer wenn wir etwas zusammen gemacht haben, dann haben wir es gemeinsam erarbeitet“, schildert Vater Renneisen die Kooperation mit dem Sohnemann, der in Berlin lebt.

Am liebsten würde er im kommenden Jahr mit seinem Sohn das Stück „Das Herz eines Boxers“ auf die Bretter bringen. Doch das ist Zukunftsmusik, denn bis 10. Februar ist Mathias Renneisen erstmal im Fritz-Rémond-Theater voll beschäftigt. Zur Schauspielerei kam er übrigens nicht direkt durch seinen Vater. „Klar“, sagt er, „ich habe durch ihn und seinetwegen unheimlich viel Theater gesehen“, sagt Mathias Renneisen. Doch die Initialzündung kam, als er beim Staatstheater Darmstadt im Stück „Das Tagebuch der Anne Frank“ mitspielte. „Danach wusste ich genau, dass ich diesen Beruf machen wollte“, erzählt Mathias Renneisen, der zuvor schon bei Schulaufführungen dabei war. Aber während seiner Schulzeit hatte er ursprünglich einen anderen Berufswunsch. „Ich wollte Archäologe werden“, sagt er. Da blickt sein Vater Walter auf und sagt: „Das wusste ich ja gar nicht. Stell’ dir vor, ich wollte auch Archäologe werden.“ Gut, dass sie mal darüber gesprochen habe.

(es)

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