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Wenn Vereine und Ideen erwachen

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Von: Friedrich Reinhardt

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Die neue Stadtschreiberin Dorothee Elmiger bringt ihr Namensschild am Stadtschreiberhaus an. Im Fenster freuen sich Ortsvorsteherin Alexandra Weizel (links) und Jury-Mitglied Charlotte Brombach. FOTOs: Leonhard Hamerski (3), Enrico Sauda (2), Niklas Mag (1)
Die neue Stadtschreiberin Dorothee Elmiger bringt ihr Namensschild am Stadtschreiberhaus an. Im Fenster freuen sich Ortsvorsteherin Alexandra Weizel (links) und Jury-Mitglied Charlotte Brombach. © Leonhard Hamerski

Das Jahr im Ortsbeirat 16In unserer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Ortsbeiräten. Was war das Thema, das den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt hat. Eine Einschätzung - heute aus dem Ortsbeirat 16 (Bergen-Enkheim).

Dass so etwas mitten in einer Pandemie möglich werden konnte. Ein ganzer Stadtteil feiert - mit Abstand und allem, was die Hygienekonzepte sonst noch vorgeschrieben haben. Auf dem Schelmenburgplatz stehen die Landfrauen hinter Kuchen, Gelee und Marmeladen. Die Sitzbänke vor ihnen sind alle besetzt. Gleich startet der historisch-szenische Stadtrundgang der Schelmenspieler. 2017 waren sie letztmals aufgetreten. Mitten durch den Trubel, mitten durch den befreit durchatmenden und die Arme ausstreckenden Stadtteil läuft auch die neue Stadtschreiberin Dorothee Elmiger, und am Abend wird beim Weinfest im Riedstadion getanzt.

Eigentlich aus der Not der Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen geboren, könnte aus dem dezentralen Stadtteilfest im vergangenen Spätsommer der Beginn einer neuen Tradition in Bergen-Enkheim werden. Dieses Gefühl zumindest verbreitete die Begeisterung bei den Vereinen und im Ortsbeirat nach dem Festwochenende des 4. und 5. September. 20 Vereine und Kirchengemeinden hatten das Stadtteilfest zusammen mit dem Vereinsring und dem Ortsbeirat von einem runden Tisch aus entstehen lassen, weil der Berger Markt, vor allem von der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim organisiert, wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte.

"Das schreit nach einer Wiederholung"

"Das schreit nach einer Wiederholung", sagte Wilfried Bender (CDU), stellvertretender Ortsvorsteher, und ähnliche Töne hörte man auch aus den Vereinsvorständen. "Die Vereine wachen aus dem Dornröschenschlaf auf", sagte Beatrix Müller-Mamerow, Vorsitzende des Vereinsrings, am Festwochenende. Das Warten auf das Ende der Pandemie wich der Suche nach einem Vereinsleben mit Pandemie. Im Zuge des dezentralen Stadtteilfestes haben die Bergen-Enkheimer auch Themen des Ortsbeirats bearbeitet, die im späteren Verlauf des Jahres Früchte tragen sollten. So etwa das Heimatmuseum.

Christel Herren hatte ein Rätsel zum Alten Rathaus entworfen. Die Teilnehmer sollten auf einem Bild die Fassade des Bergener Wahrzeichens nachzeichnen. Dabei habe sich gezeigt: "Die Bergen-Enkheimer kennen ihr Rathaus gar nicht mehr richtig", sagt Herren später. Und aus dieser Erkenntnis entsteht die Idee für einen Bastelbogen, mit dem jeder das Alte Rathaus zu Hause zusammenbauen kann. Mit den Einnahmen - wenn denn genug verkauft werden, aber der Verkauf laufe sehr gut, sagt Herren - finanziert das Heimatmuseum einen Teil der Kosten, die durch die Sanierung des Alten Rathauses entstehen. Die soll im Frühjahr beginnen, und das Heimatmuseum musste bis kurz vor Jahreswechsel noch die letzten Ausstellungsgegenstände aus dem Rathaus räumen.

Der Bachrain soll wieder fließen

Ein anderer Veranstaltungspunkt, der später Früchte tragen sollte: die Reaktivierung des Bachrains. Seit 2014 läuft hier kein Wasser hinunter. Die Stadt hatte den Bachrain nach einem Hochwasser in die Kanalisation umgeleitet. Zum Stadtteilfest rief die Initiative Bachrain, die Vivian Grudde, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Ortsbeirat, gegründet hatte, dazu auf, Rohre und Bachlauf von Erde, Dreck und Pflanzen zu befreien. Die Stadt hatte bisher eine Reaktivierung des Bachrains mit der Begründung abgelehnt, die Rohre seien durch Kalk verstopft, die Betontröge undicht und die Sanierungskosten zu hoch. Das wollten die Bürger doch mal sehen.

Zum Fest räumte die Initiative mit Freiwilligen das Bachbett frei - bis kurz unterhalb des Speierlingswegs. Dann ließ die Freiwillige Feuerwehr Wasser durch den Bachrain fließen. Zur Probe. "Wir waren sehr überrascht, wie weit das Wasser kam", sagte einer der Helfer. Nur an einer Stelle waren die Betontröge undicht. Das Wasser lief, Nachbarn kamen vorbei, Kinder freuten sich.

Das ließ auch die Stadtentwässerung umdenken. Zwar sind Zweifel am Bachrain geblieben, dennoch soll es im Frühjahr einen Versuch geben. Nachdem bei einem weiteren Aktionstag die Reste des Winters aus dem Bachbett entfernt wurden, soll das Wasser wieder sprudeln, gluckern und die Kinder erfreuen.

Wie genau eine zweite oder dritte Auflage eines dezentralen Stadtteilfestes, das die Vereine organisieren, aussehen könnte, ist noch unklar. Vereinsrings Vorsitzende Müller Mamerow hofft, dass 2022 mehr als 20 Vereine mitwirken werden - 68 Vereine sind im Vereinsring organisiert. Ob eine Neuauflage des dezentralen Stadtteilfestes in den Berger Markt integriert wird, den es 2021 ersetzen sollte, oder ob es eigenständig an einem anderen Wochenende gefeiert werden soll, all das müsse noch geklärt werden, sagte etwa Hubert Heinemann von den Schelmenspielern in einer Sitzung des Ortsbeirats. Die Lust auf eine neue Zusammenarbeit sei aber auf jeden Fall da. Und wer weiß, welche Initiativen dann voran gebracht werden? Friedrich Reinhardt

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