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So farbenfroh ist das Leben in der Großstadt: Mit zum Teil knappen Kostümen feierten 2000 Teilnehmer am Samstag die Parade der Kulturen und setzten ein Zeichen für Vielfalt und gegenseitigen Respekt.

Parade der Kulturen

Wenn die Welt in Frankfurt tanzt

In Frankfurt sind 180 Nationen zu Hause. Kein Wunder, dass die elfte Parade der Kulturen kunterbunt durch die Innenstadt zog. Unter dem Motto „Gemeinsam – Solidarisch – Frankfurt!“ tanzten 2000 Teilnehmer in der City.

Wie viele Rüschen, Pailletten, Federn, Blüten, Blätter und Rosetten für die elfte Parade der Kulturen fein säuberlich verarbeitet wurden, bleibt unklar. Zwischen Seide und Leopardenmasken, Baströcken, Kornblumen und Löwentanz, Totenköpfen, Glückskeksen und dicken Zigarren zeigen sich 2000 Teilnehmer aus 45 Frankfurter internationalen Gruppen fröhlich kämpferisch. „Gemeinsam – Solidarisch – Frankfurt!“ lautet das Motto, das zu mehr Respekt, Gerechtigkeit und Teilhabe aufruft. Es wird nicht geschrien, sondern getanzt und gesungen.

Drei Stunden dauert die Parade, die 3,8 Kilometer durch die Stadt führt. Organisiert wird sie vom Frankfurter Jugendring (FJR). 2003 gab es die erste Parade. Damals war die Veranstaltung als eine Gegendemonstration zu rechtsradikalen Kundgebungen gedacht, wandte sich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. „Das ist heute noch genauso aktuell wie damals und dafür treten wir ein“, sagt die kommissarische Geschäftsführerin des FJR, Anna Latsch. Sie kümmert sich um das Programm auf der Bühne am Römerberg. In diesem Jahr seien 45 Gruppen und 12 Kinder- und Jugendgruppen dabei, die auf dem Römer auftreten, erzählt sie, während Be Shoo den Song „Come Together“ der Beatles als Hip-Hop-Version auf der Bühne zum Besten gibt.

Auf dem Römerberg mischen sich die Gruppen. Da üben Bulgaren ihre Tanzschritte, Indonesierinnen prüfen, ob ihr riesiger Kopfschmuck aus schwarz-rot-goldenen Federn richtig sitzt und Kolumbianer schwingen die Hüften, während bunte Luftballons verteilt werden und Touristen Selfies mit den exotisch aussehenden Frauen und Männern machen.

Auf dem Weg zum sogenannten „Stimmungsnest“ an der Hauptwache bietet die Jugendfeuerwehr eine Erfrischung. Sie spritzt mit Wasserpistolen ins Publikum, das ebenso international wie die Parade ist. Ihr folgen Frauen und Männer in ihren traditionellen Gewändern in allen erdenklichen Farben und Varianten. Ob aus Vietnam, Lettland, Panama, der Ukraine oder China, ob aus Peru, Madagaskar, Ecuador, Polen oder Polynesien – jedes Kleidungsstück ist kunterbunt, die Musik eindeutig und die Tänze landestypisch. Von „Hare Krishna“ bis „Freude, schöner Götterfunken“ vermischen sich die Töne mit Salsa- und Sambarhythmen, Trommeln, Blasmusik und Hula Hula.

Chinesische Jungen in hellroten Seidenanzügen mit gelben Gürteln zeigen mit ernster Miene ihre Kung-Fu-Fähigkeiten. Neun Männer tragen einen goldenen Drachen, der in der Luft tanzt, und Tänzer in Löwenkostümen vollführen gekonnte Sprünge. Frauen scheinen wie Feen zu schweben in changierenden luftigen Kleidern, Männer mit Fell-Stiefeln stampfen auf. Eine Frau verteilt geviertelte Zitronen an die Tänzer aus Bolivien, die ununterbrochen mit dicken mit Totenköpfen oder Raubtieren verzierten Holzstäben in der Hand hochhüpfen. Sie beißen in die Zitronenstücke und lachen. Buddhistische Männer bewegen sich ruhig und halten lange rosa Lotusblumen in beiden Händen.

Hingebungsvoll schwingen Südamerikanerinnen Fahnen und Hüften. Eine Chinesin verteilt Glückskekse im Publikum und drückt auch dem SPD-Landtagsabgeordneten Turgut Yüksel, der die Parade ursprünglich miterfunden hat und selbst neun Mal mitgemacht hat, ein goldenes Päckchen in die Hand. „Mich zieht es natürlich immer noch hierhin. Die Parade der Kulturen ist ein fester Bestandteil des Frankfurter Lebens“, sagt er, öffnet den Glückskeks, liest und schmunzelt. „Man beschützt Sie mit Verschwiegenheit, Liebe und Freundschaft“ steht dort geschrieben.

Der kolumbianische Kulturverein tanzt zum Lied „Banana Boat Song“ von Harry Belafonte vorbei. Die Frauen mit unzähligen Blumen im Haar schwingen im Takt ihre weißen weiten Röcke.

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