Sind stolz auf ihre Arbeit: Die Meisterschüler Angelina und Sem (beide 12) haben eine App für das Weltkulturen Museum mitgestaltet.
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Sind stolz auf ihre Arbeit: Die Meisterschüler Angelina und Sem (beide 12) haben eine App für das Weltkulturen Museum mitgestaltet.

Smartphone-App für Museum in Sachsenhausen

Wenn der Westen den Süden erobert

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Um Jugendliche zu einem Besuch ins Museum zu inspirieren, lud das Weltkulturen Museum in den Sommerferien junge Menschen aus Sindlingen in ihre Ausstellung ein. Dort machten sie sich mit den Kunstwerken vertraut, stellten selbst welche her und produzierten eine App, die sie gestern ihren Mitschülern der Meisterschule präsentierten.

Sichtlich stolz, aber auch ein bisschen aufgeregt präsentieren Angelina und Sem (beide 12) eine App für Smartphones und Tablets, die sie selbst mitentwickelt haben. Sämtliche Ideen für Inhalte haben sich die beiden Schüler der Sindlinger Meisterschule selbst überlegt. Gestern durfte die App von ihren Mitschülern getestet werden.

In Expertenrolle schlüpfen

Möglich gemacht hat dies das Weltkulturen Museum in Sachsenhausen. Im Rahmen des Projekts „Draußen im Museum“ lud das Ausstellungshaus fünf Jugendliche im Alter zwischen 12 und 14 Jahren, die sowohl die Meisterschule als auch den Jugendclub Sindlingen besuchen, ein, um die aktuelle Show „A Labour of Love. Kunst aus Südafrika“ zu entdecken und sich mit den Hintergründen der Kunstwerke auseinanderzusetzen. „Das Wichtigste war, dass sie sich auf die Ausstellung einlassen, sich mit den Themen Ausgrenzung, Apartheit, aber auch Liebe auseinandersetzen und eine Brücke zu ihrem eigenen Alltag schlagen“, erklärt Stephanie Endter, Leiterin der Vermittlung des Weltkulturen Museums. All dies sei in die neue Museums-App eingeflossen.

Entstanden ist ein spielerischer Rundgang durch die aktuelle Ausstellung mit Rätseln, Denkanstößen für Diskussionen, kleinen Videoclips und Zeichenaufgaben. Beispielsweise werden etwa kleine Ausschnitte eines Kunstwerkes gezeigt, auf deren Suche sich die Nutzer machen müssen. Die gestern nun eingeladenen Meisterschüler probierten alles eifrig aus, während Angelina und Sem und ihre drei Mitstreiter ihnen alles erklärten – ganz ruhig und professionell.

„Ich habe das Gefühl, die Jugendlichen sind Teil des Museums geworden“, sagt Endter. Und das war auch Sinn und Zweck des Projekts. „Wir wollten Jugendliche erreichen, die bisher noch keine Erfahrungen in einem Museum sammeln konnten“, sagt Stephanie Endter. „Wir wollen ihnen die Schwellenangst vor einem Besuch nehmen.“

Das hat zumindest bei Angelina und Sem funktioniert. Die beiden Schüler waren zuvor noch nie in einem Museum. „Es hat mir total gut gefallen“, sagt Angelina. „Ich werde auf jeden Fall wieder kommen.“ Besonders gut habe ihr gefallen, dass sie alle Geschichten und Hintergründe zu den ausgestellten Werken der afrikanischen Künstler kennen gelernt habe. „Sie haben mir gezeigt, egal welche Hautfarbe oder welches Handicap man hat, jeder Mensch ist es wert, geliebt zu werden“, sagt Angelina.

Sem hat Lust bekommen, auch mal ein anderes Ausstellungshaus am Museumsufer zu besuchen. „Ich glaube, als nächstes würde ich mir gerne ein mal das Filmmuseum anschauen“, sagt der Sindlinger.

Ausstellung im Kiosk

Ein ganz besonderes Highlight wartet auf die Schüler aber noch, sie sind nämlich nicht nur unter die App-Entwickler sondern auch unter die Künstler gegangen und haben selbst Plakate und Drucke hergestellt. Diese werden vom 27. April bis 16. Mai in den Schaufenstern eines ehemaligen Kiosk in der Hugo-Kallenbach-Straße in Sindlingen, sprich: in ihrer Heimat, ausgestellt. „Darauf freuen wir uns sehr“, sagen Angelina und Sem unisono. „Da können wir dann unserer ganzen Familie unsere eigenen Werke präsentieren.“

Und wer die von den Jugendlichen entwickelte Museums-App selbst einmal beim nächsten Besuch in dem Ausstellungshaus testen möchte, der muss sich zunächst die kostenlose App „Actionbound“ herunterladen. Anschließend kann man in der Suchfunktion „A Labour of Love – Draußen im Museum“ eingeben – und schon kann es losgehen. Die aktuelle Ausstellung ist noch bis zum 24. Juli zu sehen.

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