Wohnt seit 25 Jahren gleich um die Ecke der TG-Geschäftsstelle in Alt-Schwanheim: Thomas Busch ist das Vertrauen in seine Mitstreiter wichtig. "Man muss Aufgaben abgeben können - anders ist das auch nicht zu schaffen, wenn sie neben der Vereinsarbeit noch ein Berufsleben haben", erklärt er. FOTO: reuss
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Wohnt seit 25 Jahren gleich um die Ecke der TG-Geschäftsstelle in Alt-Schwanheim: Thomas Busch ist das Vertrauen in seine Mitstreiter wichtig. "Man muss Aufgaben abgeben können - anders ist das auch nicht zu schaffen, wenn sie neben der Vereinsarbeit noch ein Berufsleben haben", erklärt er.

Frankfurter Vereinsgeschehen

"Wer mit der Sense durchgeht, ist schnell allein"

  • Michael Forst
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Der neue Vorsitzende der TG Schwanheim ist lieber engagierte Macher im Hintergrund als FrontmannMit seinem kürzlich verabschiedeten Vorgänger Werner Klimroth teilt Thomas Busch, der neue Vorsitzender der TG Schwanheim, die Fähigkeit, auch mal loszulassen und den Kompetenzen von Abteilungsleitern zu vertrauen. Allein "das dicke Fell vom Werner" fehlt ihm nach seiner Einschätzung noch.

Mit Redakteur Michael Forst sprach er über seinen Start inmitten der Pandemie und seinen Plänen für die Zukunft.

Herr Busch, wie sind Sie zur TG Schwanheim gekommen?

Ich liebe Handball, das war immer mein Sport. Meine aktive Zeit habe ich als gebürtiger Goldsteiner beim VfL Goldstein bestritten, danach arbeitete ich dort etwa zehn Jahre in der Abteilungsleitung mit. Wie viele Sportler entdeckte ich dann das Laufen für mich. Triathlon war damals ein Riesen-Hype - dafür trat ich dann vor etwa 16 Jahren der TG Schwanheim bei. Da hätte ich mir aber nie träumen lassen, mal im Vorstand der TG zu arbeiten.

Sie waren ja immer noch in der VfL-Abteilungsleitung...

Genau - und ein Verein reicht ja. Doch vor acht, neun Jahren sahen sich beide Vereine mit Nachwuchssorgen konfrontiert und beschlossen, ihre Kräfte zu bündeln. So war die Handballspielgemeinschaft (HSG) Goldstein / Schwanheim geboren. Die Schwanheimer baten mich dann, doch ihren Part in der HSG-Leitung zu übernehmen.

Ein gutes Beispiel für die immer wichtiger werdenden Kooperationen der Vereine?

Auf jeden Fall. Und wir sind stolz darauf, dass die HSG schon acht Jahre besteht. Die meisten Spielgemeinschaften halten nur drei, vier Jahre. Dann gibt's Streit, und es bricht auseinander.

Und wie fanden Sie in den TG-Vorstand?

Ich bekam immer mehr mit vom Vorstandsleben und sah viel Potenzial in diesem Verein, der glücklicherweise keine großen finanziellen Sorgen hat. Also habe ich einfach Vorschläge gemacht. Und die anderen sagten: "Hört sich gut an - aber nur, wenn Du es auch machst." So fing ich dann gleich im Vorstand als 2. Vorsitzender an.

...und arbeiteten eng mit dem langjährigen Vorsitzenden Werner Klimroth zusammen?

Richtig. Und wir haben uns dann gegenseitig wertschätzen gelernt. Ich lernte unheimlich viel im Bauingenieurwesen dazu, konnte selber aber auch meine Erfahrungen aus dem anderen Verein und meine beruflichen als Vertriebsingenieur mit einbringen.

Lässt sich ein Verein denn so führen wie eine Firma?

Nein. Wenn sie das versuchen, fallen sie auf die Nase. Denn in der Firma müssen die Leute kommen, weil sie Geld dafür kriegen - im Verein nicht. Wenn sie da mit der Sense durchfahren, stehen sie plötzlich alleine da. Das war mir bewusst.

Was war Ihre erste große Herausforderung im Vereinsvorstand?

Das war die EU-Datenschutzgrundverordnung 2018, für deren Umsetzung ich zuständig war. Eine Riesen-Neuerung für die Vereine damals, viele schalteten aus Angst erstmal ihre Webseite ab, um nichts falsch zu machen. Das war unheimlich viel Arbeit; es galt, so viele Details zu beachten. Meine Frau sagte mir später, dass sie mich in dieser Zeit kaum mehr zu Gesicht bekommen habe, weil ich tagelang im Keller verschwunden war, wo ich mein Büro habe. Gut, dass sich Werner Klimroth in dieser Zeit um unsere Liegenschaftsfragen kümmerte, so konnte ich mich auf diese administrativen Aufgabe stürzen.

Dass Sie Herrn Klimroth als Vorsitzenden beerben würden, war sicher von Anfang an klar, oder?

Mir nicht. Ihm schon. (lacht) Mir geht's aber wie ihm: Ich stehe nicht gern in der ersten Reihe. Ich bin auch nicht der Frontmann oder Nachrichtenmoderator - stattdessen lieber der Organisator und Macher im Hintergrund. Ich habe Ideen, Konzepte, die ich umsetzen möchte.

Was hat die lange Zeit der Pandemie mit dem Verein gemacht?

Es war gerade am Anfang eine extrem schwierige Zeit für uns, als alle zwei Wochen irgendwelche neuen Regeln kamen. Meist am Freitag - und am Montag sollte sie dann schon umgesetzt sein. Dazu galten für jeden Sportverband andere Bedingungen und Einschränkungen. Wir im Vorstand haben uns immer wieder mit den Abteilungsleitern wegen des Hygienekonzeptes beraten.

Wie gestaltete sich das?

Ziel war, das Maximum an Sport für unsere Mitglieder rauszuholen, ohne leichtsinnig zu sein. Da steckten jede Menge Blut, Adrenalin und Schweiß drin. Wir hatten viele hitzige Diskussionen. Im Nachhinein kann ich mich nur bei meinen Mitstreitern für ihre Geduld bedanken.

Bitte ein Zwischen-Fazit: Wie stark hat Sie die Pandemie getroffen?

Den Umgang mit Corona haben wir aus Vereinssicht im Griff - schon, weil wir mittlerweile Konzepte für alle möglichen Varianten in der Schublade haben. Wir machen momentan fast alles draußen, selbst Yoga. Und nutzen dafür viel stärker unser Vereinsgelände am Schwanheimer Wald. Da kommt uns das gute Sommerwetter entgegen. Viele Mitglieder wollen gar nicht mehr in die Halle zurück. Das nehmen wir zum Anlass, dort Sanitäranlagen zu bauen und insgesamt die Fläche zu verschönern.

Hatten Sie finanzielle Einbußen?

Zum Glück nicht. Auch, weil wir keine Mieten für unsere Geschäftsstelle zahlen müssen. Die beiden angemieteten Turnhallen an zwei Schulen konnten wir nicht nutzen, mussten also auch keine Miete zahlen. Und Mitgliederschwund hatten wir zum Glück auch kaum. Die meisten sind bei der Stange geblieben. Und ab zu hören wir als Vereinsverantwortliche sogar ein Lob, dass wir in der Krise eine gute Arbeit gemacht hätten. Das tut natürlich gut.

Das klingt, als habe die Seele des Vereins keinen Schaden genommen.

Das kann man so sagen. Die TG Schwanheim ist hier im Stadtteil schon eine Institution - mit unseren 650 Mitgliedern. Vielen davon geht es eben nicht nur um das reine Sportangebot, sondern auch um die Geselligkeit. Ein Großteil der Mitglieder sind allerdings Kleinkinder im Vorschulalter. Die Eltern bringen sie zwei Mal in der Woche für zwei Stunden zu uns, damit sie hier beschäftigt sind. Da sind wir schon auch Dienstleister. Und jedes Jahr gibt's immer etwas Schwund, wenn die Kinder zu alt werden oder in die Schule kommen. Dagegen wollen wir etwas tun - und arbeiten derzeit an Nachfolgeangeboten.

Sie kämpfen gegen mächtige gesellschaftliche Entwicklungen wie die Individualisierung an. Menschen wollen sich nicht mehr so langfristig binden. Wie können Sie auf diese Trends antworten?

Man muss die Angebote attraktiv für junge Leute machen, neue Entwicklungen im Sport aufgreifen. Dann geht man teilweise in Konkurrenz zu Fitness-Studios; ein Kampf, den wir gar nicht antreten wollen, der auch überhaupt nicht unser Ziel ist. Aber: Im Fitness-Studio zahlen sie 50 Euro im Monat, bei uns als Erwachsener knapp 9 Euro. In manchen Köpfen ist noch gar nicht angekommen, was sie dafür erhalten. Dem müssen wir uns mit einem attraktiven Programm stellen; gerade für die Zielgruppe nach der Grundschule bis zum 18. Lebensjahr. Mit unserem Crosstraining können wir auch ein paar jüngere Menschen einfangen. Wichtig ist, mit den Trends mitzugehen, kreativ zu sein. Wir haben aber bewusst auch andere Schwerpunkte gesetzt: Im Kinderbereich steht bei uns die Inklusion im Vordergrund. Und auch der Reha-Sport steht bei uns im Fokus.

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