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Seit zwei Jahren beschäftigen sich Nadine Tannreuther (24) und Yasar (30) mit dem Gutleutviertel und haben sich in den Stadtteil verliebt. In ihrer Studienarbeit wollen sie die Vorzüge des Viertels herausstellen und so eine Art Stadtteilmarketing für das Quartier machen.

Studenten stellen Viertel vor

Sie werben für das Gutleutviertel

Mit ihrem ehrgeizigen Studienprojekt wollen Nadine Tannreuther und Yasar Honneth dem Gutleutviertel und seinen Bewohnern mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen und die Identität des Viertels so deutlich stärken.

Von THORBEN PEHLEMAN

Das Gutleutviertel gehört nicht zum Gallus – und auch nicht zum Bahnhofsviertel. Der Westhafen wiederum ist nur ein Teil des Gutleutviertels und kein eigener Stadtteil. Was für Ortskundige selbstverständlich erscheint, ist für Außenstehende neu – dies und vieles mehr jedenfalls erfuhren die Studenten Nadine Tannreuther und Yasar Honneth in vielen Gesprächen im und um das Quartier.

Als Master-Arbeit an der Hochschule Darmstadt haben sich die beiden ein ambitioniertes Projekt ausgedacht: Sie wollen das Gutleutviertel digital vernetzen, um dem Stadtteil mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Das Viertel hätte das nämlich verdient. „Es gibt hier so vieles zu entdecken, aber niemand kennt das alles“, sagt Yasar Honneth. „So viele kleine Individuen, Geschäfte, Orte und so viele Geschichten, die man sonst nicht findet“, fügt Nadine Tannreuther hinzu.

Ihr Projekt „Das Gutleutviertel“ starteten die beiden bereits im Oktober 2013, kurz nachdem sie ein Studienprojekt über Gentrifizierung in Frankfurt beendeten. Während der Recherchen fanden sie heraus, dass das Gutleutviertel „sehr speziell“ sei, wie es Tannreuther ausdrückt: „Der Gegensatz von sehr arm und sehr reich ist riesig, trotzdem gibt es eine ausgeprägte Mittelschicht. Es geht sehr multikulturell zu, man hört viele Sprachen auf der Straße, aber die Verständigung klappt gut“. Trotz der geringen Größe von rund zwei Quadratkilometern und nur rund 6500 Einwohnern gebe es viel Gewerbe, daneben Großindustrie und mit dem Briefzentrum den größten Standort der Deutschen Post. Im Grunde, so die 24-jährige, sei das Gutleutviertel wie „Frankfurt in Miniform“.

Yasar Honneth meint derweil, dass man bei den Begriffen Kino und Fernsehen nicht unbedingt ans „Gutleut“ denke, doch treffe man dort etwa auf einen Künstler, der handgemachte Spezialeffekte an Filmproduktionen liefere. Am Main gäbe es zudem eine Segelschule, die man eher in Küstennähe verorte. Selbst Korallenzüchter seien im Viertel angesiedelt, staunt der 30-jährige.

Diese Menschen, ihre Ideen, Geschichten, Ortsbezüge und Geschäfte sollen künftig transmedial vorgestellt werden, also in Film, Foto, Text und Audio – die Studenten sehen ihr Projekt, das im Studiengang „Leadership in the Creative Industries“ entsteht, als eine Art neuartiges Stadtteilmarketing. „Wir führen verschiedene Medien zusammen und erstellen so neue, transmediale Konzepte“, erklärt Honneth den Inhalt des Studiengangs. Und Tannreuther erläutert: „Alles wird heutzutage immer schneller, die Leute wollen immer mehr Inhalte haben. Wir versuchen möglichst viele Menschen aus dem Viertel über den Laptop, das Smartphone und draußen auf der Straße miteinzubeziehen“.

Die Inhalte nämlich, die auf verschiedenen Internet-Plattformen und in einer eigens hergestellten 3D-Variante des Viertels zur Verfügung gestellt werden, sollen nach und nach auch von den Bewohnern und Geschäftstüchtigen selbst hergestellt werden – etwa Berichte und Erzählungen, die per Smartphone-App aus einem digitalen Chip an einer Hauswand ausgelesen werden können. Die Bereitschaft dazu sei sehr hoch, weiß Honneth: „Die Leute sind sehr interessiert an unserem Projekt und wünschen sich, dass wir was draus machen“.

Die Studenten selbst wollen ebenfalls über den Prüfungstermin Anfang März bei der Sache bleiben und suchen daher nun Partner und Sponsoren. „Wir haben großen Spaß dabei, allerdings ist das Projekt momentan ein unbezahlter Vollzeit-Job für uns“, berichtet Tannreuther. Grundsätzlich hoffen die beiden, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln, das sich auf andere Stadtviertel oder Kommunen übertragen lässt.

„Es gibt auch andere Orte, die so ein Marketing brauchen könnten“, so Honneth. Überdies helfe das Projekt auch bei der Bildung und Festigung lokaler Identität. Zunächst allerdings gelte es, die Internetseite, die App und den 3D-Nachbau des Viertels fertig zu stellen. Außerdem steht vom 24. bis 31. Januar der bisherige Höhepunkt an: Die „Gutleut Tage“. Bei der Veranstaltungsreihe sollen erstmals im großen Rahmen Jung und Alt, Arm und Reich des Viertels zusammenfinden.

Weitere Informationen über „Das Gutleutviertel“ und die „Gutleut Tage“ finden sich im Internet unter . Kontakt ist über eine E-Mail an dasgutleutviertel@gmail.com möglich.

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