Wertvollen Schätzen auf der Spur

  • vonAlexandra Flieth
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Unter dem Motto „Experten bewerten“ konnten Interessierte ihre persönlichen Kostbarkeiten von Auktionator Reinhard Blank schätzen lassen. Raritäten waren nicht dabei, für viele Besucher kam ein Verkauf aber ohnehin nicht in Frage.

Auktionator Reinhard Blank vom gleichnamigen Auktionshaus in Bad Vilbel betrachtet ein großes Gemälde. Dargestellt ist eine Winterlandschaft in der Dämmerung, im Hintergrund sieht man die Architektur einer Stadt. Menschen und Tiere spielen in der Komposition eine untergeordnete Rolle und sind lediglich sehr klein als Staffagen in die Darstellung eingebettet. Eigentümer des Bildes sind Ulrich und Jutta Sprandel. Das Ehepaar aus Kronberg nutzt die Gelegenheit und möchte vom Fachmann Blank etwas über Alter und Wert des Gemäldes erfahren, das aus dem Nachlass der Eltern stammt.

Geschenk der Erbtante

Wirklich schön finden es beide jedoch nicht. „Es ist mir viel zu düster“, sagt Jutta Sprandel. Deswegen war es bisher auch noch kein Thema, das Bild in den heimischen vier Wänden aufzuhängen. „Das ist auch nicht geplant, selbst wenn es etwas Besonderes sein sollte“, betont Ulrich Sprandel. „In der Wohnung meiner Eltern hatte es einen festen Platz. Mein Vater hatte es von einer Erbtante aus Stuttgart bekommen“, fügt er hinzu.

Zum dritten Mal hatten Interessierte die Gelegenheit, in den Räumen des Lagerhausanbieters „MyPlace – Selfstorage“, Ludwig-Landmann-Straße 371, ihre Schätze durch einen Experten bewerten zu lassen. Ob die alte Puppe der Oma, ein Gemälde vom Flohmarkt, die Briefmarkensammlung des Vaters oder die Taschenuhr des Opas – bis zu drei Teile konnte jeder mitbringen. Dass viele gar nicht wissen, ob sie einen Schatz oder nur eine „vermeintliche Kostbarkeit“ in ihrem Besitz wägen, wurde recht schnell deutlich. Reinhard Blank, der 1989 sein Auktionshaus in Bad Vilbel eröffnete und seit 1979 mit Antiquitäten handelt, ist auch öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kunst und Antiquitäten. Er hat einen Blick für Wertvolles und verfügt über langjährige Erfahrung.

„Vergangenes Jahr wurden wir überrascht mit einem Gemälde, das aus der Werkstatt von Guido Reni stammt. Doch so etwas ist die absolute Ausnahme“, betont Blank. Im täglichen Geschäft begutachte man oftmals Gegenstände, die zwar für den Besitzer einen großen ideellen Wert haben, aber nicht zum Verkauf in einer Auktion geeignet sind. „Bei vielen Dingen, die früher stark gesucht wurden, sterben mittlerweile zudem die Sammler aus“, fügt er hinzu. Das Gemälde der Familie Sprandel nimmt Blank genau unter die Lupe. Vergebens sucht der Experte nach einer Signatur. „Das Bild ist mehr dekorativ als künstlerisch wertvoll, schätzungsweise Ende des 19. Jahrhunderts entstanden“, sagt er.

Ganz ohne Wert ist das Bild dennoch nicht. Der Experte schätzt es zwischen 300 und 400 Euro. Mehr, als Ulrich Sprandel gedacht hat. Der von ihm mitgebrachte Teppich ist hingegen kaum etwas wert. „Der ist viel zu neu“, sagt Blank. Eine Porzellanschale der Marke Nymphenburg aus der Zeit um 1920 bewertet der Auktionator mit 100 Euro. „Enttäuscht sind wir nicht. Es hat sich wirklich gelohnt zu kommen“, sagt das Ehepaar.

Nicht immer gibt es einen Markt für das Mitgebrachte: Rudolf und Annelie Grünwald haben einen Bierkrug dabei, der zu den Olympischen Spielen 1972 in München herausgekommen ist. „Für Bierkrüge gibt es fast überhaupt keinen Markt mehr“, sagt Blank. Zudem ist der Krug noch nicht sehr alt und ein Massenprodukt.

Königliches Ensemble

Interessant hingegen ist ein Mocca-Kännchen samt Milch- und Zuckerdose aus Silber. Das Ensemble stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Österreich. „Das lässt sich leicht an den Silberpunzen feststellen“, erklärt Blank. Der Besitzer hat einen auf der Schreibmaschine verfassten Text dabei, aus dem hervorgeht, dass ein Familienmitglied einst im königlichen Schloss in Wien als Zofe tätig war und das Silberensemble dort bekommen hat. Ein Wert von 500 Euro, schätzt der Experte. Damit gehört es zu den wertvolleren Stücken. Verkaufen möchte der Besitzer es aber nicht.

(alf)

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