Den Aufkleber des Ku-Klux-Klan entdeckte Ruben Gerczikow im Westend.

Parolen am Straßenrand

Im Westend herrscht ein "Aufkleberkrieg" 

Rechtsradikale Sticker am Straßenrand in Bockenheim und dem Westend werden immer wieder erneuert - die Stadt will sie nun systematisch entfernen.

Frankfurt - Ruben Gerczikow, Vorstandsmitglied der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, sind die Aufkleber schon seit längerem aufgefallen. Im Januar habe er zum ersten Mal bemerkt, dass an Frankfurter Straßenlaternen, Schildern oder Ampeln immer wieder rechtsradikale Parolen prangen. Doch am vergangenen Sonntag wurde es im zu viel.

"Bei einem Spaziergang durch Bockenheim und das Westend bemerkte ich, dass es besonders viele Aufkleber geworden sind", sagt Gerczikow. Er machte Fotos und veröffentlichte sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. "In unmittelbarer Nähe zur Jüdischen Gemeinde Frankfurt (Westend) tauchen vermehrt Aufkleber mit rechtsextremen Inhalten auf", schrieb er dazu. "Alles dabei, von Identitäre Bewegung bis hin zu Stickern aus bekannten Neonazi-Shops."

"Diese Leute wohnen hier also wohl irgendwo"

Gezielt antisemitische Inhalte seien bisher nicht dabei gewesen, berichtet Gerczikow. Die örtliche Nähe zur Jüdischen Gemeinde könne auch Zufall sein. Beunruhigend sei es dennoch. Zumal er beobachtet habe, dass die Aufkleber, wenn sie herunter gekratzt oder überklebt worden seien, bald wieder durch neue ersetzt würden. "Diese Leute wohnen hier also wohl irgendwo", schätzt Gerczikow. "Sie liefern sich einen regelrechten Aufkleberkrieg mit linken Gruppen."

Nachdem die Frankfurter Rundschau über Gerczikows Beobachtungen berichtet hatte, reagierte die Stadt. Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) teilte am Mittwoch mit, er habe veranlasst, dass die Aufkleber entfernt werden. Rechtsradikales Gedankengut, wie es mit den Aufklebern verbreitet werde, habe im öffentlichen Straßenraum nichts verloren, unterstrich Becker. Mitarbeiter des städtischen Entsorgers FES werden sich darum kümmern.

Eine Sprecherin der Frankfurter Polizei sagte, die Staatsschutz-Abteilung habe die Angelegenheit im Blick. Bisher seien die Aufkleber nicht als strafrechtlich relevant eingestuft worden. "Die Staatsanwaltschaft prüft allerdings noch." Im vergangenen Jahr registrierten die Ordnungshüter 131 rechtsextreme Straftaten in Frankfurt, darunter sowohl Propaganda- als auch Gewaltdelikte. 

dg

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