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Elisabethenstraße

Wettbüros in der Elisabethenstraße sollen verschwinden

Geschäftsleute und Anwohner der Elisabethenstraße machen mobil: Gleich drei Wettbüros und Obdachlose sorgten für einen Niedergang des Quartiers.

Drei Wettbüros in einem Haus – das reicht für die ganze Straße. Neben der Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in der Elisabethenstraße 10–12 ist der schmale Laden „Tipico“, hier können Kunden an Bildschirmen ihre Wetten abschließen. Nebenan, bei „Mainhattan Café Kiosk Sports“ können es sich Wetteifernde und Kaffeetrinker an Hochtischen bequem machen, und dann gibt es noch die in grün gehaltene „Penalty Sportsbar“. Die Bar mit Tresen, ein paar Stühle und Sitzecken sieht der Passant nur, wenn die Tür offen steht: Die Scheiben sind abgeklebt.

Diese Sportsbars mit „Verweilcharakter“ seien zwar keine reinen Wettannahmestellen, trotzdem aber sind sie Wettbüros. Da diese nicht allzu viel mehr zu bieten haben, sollte ihre Ausbreitung eingedämmt werden: Denn in einem Mischgebiet wie der Elisabethenstraße, wo viele Menschen wohnen, würden andere Geschäfte für die Nahversorgung gebraucht. Der Ortsbeirat 5 (Sachsenhausen, Niederrad, Oberrad) bittet deshalb die Stadt, keine weiteren Wettbüros in der Elisabethenstraße zu genehmigen. Außerdem will das Stadtteilparlament wissen, ob den Inhabern die Wettbüro-Zulassungen wieder entzogen werden könnten.

„Es geht darum, den Trading Down-Effekt zu verhindern, den diese Wettbüros mit sich bringen,“ erklärt Antragsteller Florian Reineking (FDP). Wettbüros ziehen die Gegend herunter, in der sie sich ansiedeln, soll das heißen, Leerstände vermehren sich, sie verdrängen den Zeitschriften-, Lebensmittel- und Kleidungshandel. Vermieter fühlen sich verleitet, an Wettbüros zu vermieten, da diese viel leichter Umsatz machen als kleinerer Einzelhandel. Somit verstoßen sie mitunter gegen das Rücksichtnahmegebot im Baurecht.

Weil sie nicht zum übrigen (Waren-)Angebot der Gegend passten, wurde andernorts schon Wettbüros der Betrieb untersagt. Diese Möglichkeit müsse im Fall der Elisabethenstraße dringend geprüft werden, so Reineking. In der Frankfurter Innenstadt wurde einem Wettbüro am Kornmarkt keine Genehmigung erteilt, und in der Textorstraße wurde einem illegal betriebenen Wettbüro nach Kontrollen die Erlaubnis entzogen. In Berlin und München wurde der Betrieb von Wettannahmestellen in Wohnhäusern untersagt, weil sie die Nachbarschaft störten: Im Geschäft und davor werde bis spät in den Abend hinein gelärmt, getrunken und geraucht.

Freche Kunden

Letzteres bestätigen Anlieger: Die Kunden des Wettbüros „Tipico“ parkten oft frech in der Einfahrt des Wohnhauses Elisabethenstraße 10–12, verschwänden im Wettbüro und ließen sich nicht dazu bringen, ihre Autos zu entfernen. „Die reagieren gar nicht,“ sagte eine Anwohnerin kürzlich im Ortsbeirat.

Die Straße, in der eine Kita, ein Café, ein Second-Hand-Geschäft, ein Bong-Shop, eine Wäscherei und eine Druckerei angesiedelt sind, leidet bereits wegen der Nähe zum Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen an Imageverlust. Die Betreiberin des „Betty Lotto Laden“, Elisabeth De Vito, stört es, weil immer mehr Obdachlose den Bürgersteig vor den Läden als Schlafstätte nutzen. Sie zeigt Fotos: Vor dem Eingang des Lottogeschäfts liegen vier bis fünf Menschen in Schlafsäcken. „Weitere urinieren und lungern hinterm Haus herum, einer deponiert tagsüber seine Schlafunterlage bei den Mülltonnen. Ich muss täglich mit Putzwasser den Boden reinigen, damit es nicht stinkt,“ sagt sie. „Die Zustände sind unerträglich, hier muss was passieren. Wegen der zwielichtigen Klientel, die sich in der Straße aufhält, habe ich schon viele Kunden verloren. Vor allem ältere Leute trauen sich viel weniger raus,“ sagt Di Vito.

von Stefanie Wehr

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