WeWork kommt durch die Hintertür an die Börse

  • Panagiotis Koutoumanos
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Spac-Manie ermöglicht Aufnahme an der Nasdaq

Frankfurt. Das Unternehmen, das vor anderthalb Jahren zum Inbegriff des irrationalen Überschwangs rund um maßlos überbewertete US-Start-ups wurde, schafft nun im zweiten Anlauf die Aufnahme an die Börse. Der erste Anlauf von WeWork war spektakulär gescheitert. Als das am höchsten bewertete Start-up der USA wollte der US-Bürovermieter vor anderthalb Jahren an die Wall Street - 47 Milliarden Dollar sollte das Unternehmen des Großinvestors Softbank den Aktionären wert sein. Auf den Höhenflug folgte aber der jähe Absturz, als WeWork die für den Börsengang nötigen Geschäftsunterlagen veröffentlichte: Die Dokumente enthüllten neben einem offenkundig nicht nachhaltigen Geschäftsmodell mit horrenden Verlusten und hoher Verschuldung auch noch einen Mitbegründer und Vorstandschef, der das Geschäft teilweise als sein privates Kreditinstitut missbrauchte. Um die Pleite zu verhindern, schoss Softbank nach den bereits investierten zehn Milliarden Dollar weitere 9,5 Milliarden Dollar nach. Der Großinvestor senkte die Bewertung quasi über Nacht auf bescheidenere acht Milliarden Dollar. Es folgten Massen-Entlassungen und die Demission des Vorstandschefs Adam Neumann.

Umhüllt im Börsen-Mantel BowX

Mit solch einer Hypothek gelingt einem Unternehmen anderthalb Jahre später eigentlich kein Börsengang. Jedenfalls kein traditioneller. Aber zum Glück für Softbank boomen in den USA seit rund einem Jahr die sogenannten Spacs: "Special Purpose Akquisition Companies", zu Deutsch: Akquisitions-Zweckunternehmen. Firmen ohne eigenes Geschäft, ohne Produkte. Leere Hüllen, im Finanzjargon "Börsen-Mäntel" genannt. Zumeist geschaffen von einer Beteiligungsgesellschaft, einem Hedgefonds oder von einer bekannten Person aus der Unternehmens- und Finanzwelt. Dieser "Sponsor" bringt zunächst das Spac an die Börse. Dabei sammelt er von Anlegern Millionen-Beträge ein - gegen das Versprechen, mit diesem Geld eine erfolgversprechende Firma zu kaufen.

Das Versprechen hat im vergangenen August auch das Spac "BowX Acquisition Corp" gegeben, das damals an die US-Technologie-Börse Nasdaq ging. Dessen Sponsor Vivek Ranadivé - Gründer des kalifornischen Software-Unternehmens Tibco - hat gestern ausgerechnet WeWork auserwählt, um dieses Versprechen einzuhalten. Dabei wird WeWork nun mit 9,0 Milliarden Dollar bewertet.

Und das, obwohl der Bürovermieter immer noch hohe Verluste schreibt: 3,2 Milliarden Dollar Miese hat WeWork im vergangenen Jahr gemacht. Etwas weniger als im Vorjahr, als ein Verlust von 3,5 Milliarden Dollar entstanden war - aber dafür strich WeWork 2020 seine Investitionen von 2,2 Milliarden auf mickrige 49 Millionen Dollar zusammen. Und die Aussichten für dieses Jahr erscheinen auch alles andere als rosig: Im Laufe des vergangenen Jahres sank die Auslastung seiner Büros und Coworking-Plätze von 72 auf 47 Prozent.

Aber viele Rendite-hungrige US-Anleger scheinen darüber hinwegzusehen: Gestern legte der Aktienkurs von BowX - dessen Börsennotierung WeWork übernehmen wird -, immerhin um 13 Prozent auf 11,40 Dollar zu.

Vielleicht neigen die Anleger dazu, den Prognosen von WeWork-Vorstandschef Sandeep Mathrani zu glauben. Der hat in der vergangenen Woche versprochen, dass die Auslastung des Geschäfts bis Ende kommenden Jahres auf den Rekordwert von 90 Prozent steigen werde. Bis zum Jahr 2024 soll der Umsatz laut Mathrani von zuletzt 3,2 Milliarden auf 7,0 Milliarden Dollar steigen.

Prognosen, die Experten als sehr ambitioniert bewerten. Aber das dürfte Mathrani wie auch Softbank-Chef Masayoshi Son egal sein. WeWork ist erst einmal an der Börse und erhält im Rahmen des Spac-Deals von institutionellen Investoren wie Starwood Capital, Fidelity und Blackrock 800 Millionen Dollar sowie die 483 Millionen Dollar, die BowX bei seinem Börsengang eingenommen hatte.

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