Auch sechs Wochen nach dem tödlichen Unfall erinnern Kerzen und Blumen an das tragische Ereignis. foto: oscar unger
+
Auch sechs Wochen nach dem tödlichen Unfall erinnern Kerzen und Blumen an das tragische Ereignis. foto: oscar unger

Wider den Taubendreck

  • vonStefanie Wehr
    schließen

SACHSENHAUSEN Zu viele Tiere an der Stresemannallee

An der S-Bahn-Haltestelle Stresemannallee ist eine Sache unverkennbar: Dort fühlen sich jede Menge Tauben richtig wohl. "Sie vermehren sich irgendwie ständig", berichtet eine Anwohnerin. "Die Tauben sitzen überall - auf allen Laternenpfählen, dem Dach des Heimat-Siedlungs-Hauses, auf den Geländern und in der Unterführung", beschreibt sie. Alles sei verdreckt mit Taubenkot. "Man läuft durch den Kot, wenn man an die Ampeln oder Treppenaufgänge gelangen will", ärgert sich die Sachsenhäuserin.

Außerdem hat sie beobachtet, dass von irgendwem immer wieder Futter für die Vögel ausgelegt wird. Auf den Grünstreifen und an den Radwegen gegenüber der Heimatsiedlung, also an der Ostseite der Stresemannallee, liegen haufenweise Brotreste und Körner, an denen sich die Tauben zu Dutzenden laben.

Fütterung im großen Stil

Die Anwohnerin ist nicht die einzige, der die übermäßige Taubenpopulation negativ aufgefallen ist. Andere Anwohner haben Alarm geschlagen, dem Ordnungsamt Bescheid gegeben und versuchen nun, beim Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) Unterstützung zu finden. Die BFF haben einen Antrag dazu eingebracht, auf der Sitzung am Freitag wird er diskutiert.

Ingrid Leng von den BFF findet deutliche Worte: "Das Füttern der Tauben an der Eisenbahnunterführung Stresemannallee muss unverzüglich unterbunden werden", fordert sie. Bürger hätten ihr berichtet, dass mindestens eine Person dort immer wieder "säckeweise" Futter auslege. Auf ihre Tätigkeit angesprochen, habe diese gesagt, sie dürfe das, weil sie Mitarbeiterin der Stadt sei.

"Eine anfänglich erträgliche Taubenpopulation von etwa 50 Tieren ist inzwischen auf etwa 350 bis 600 Tiere angewachsen", schreibt Leng. Das sei in Pandemiezeiten nicht länger duldbar, zumal sich die Passanten fürchteten, von Taubendreck krank zu werden. "Umherfliegende Federn und Schuppen der Tiere belasten die Atemwege."

Die Stadt, so Leng, müsse unbedingt Maßnahmen zur Vergrämung der Tauben ergreifen, zusammen mit der Deutschen Bahn. Mindestens sollten Schilder aufgestellt werden, die das Taubenfüttern verbieten. Die Person, dem Vernehmen nach eben jene Frau, die immer wieder beim Füttern der Tiere beobachtet wurde, solle dafür bestraft werden.

Das Taubenfüttern ist in Frankfurt schon lange verboten. Bis zu 200 Euro werden vom Ordnungsamt erhoben, wenn jemand erwischt wird.

Es gebe weitere Hinweise aus der Bevölkerung auf Orte in Sachsenhausen, wo Tauben systematisch gefüttert würden, ist ferner im Antrag zu lesen. Womöglich sei dieselbe Person auch woanders aktiv, denn beispielsweise am Südbahnhof auf dem Diesterwegplatz oder in der Richard-Strauss-Allee an der Ecke Mörfelder Landstraße liege oft das gleiche Futter aus.

Ganz anders sieht die Vorsitzende des Vereins Stadttaubenprojekt, Gudrun Stürmer, die Angelegenheit. "Von den Tauben geht keine gesundheitliche Gefahr für die Menschen aus", erläutert sie. Die Mitarbeiter des Projekts, die die Gelege gegen Gipseier austauschten, seien von den Tauben auch noch nie krank geworden.

"Menschliches Mitleid"

Das Thema werde immer wieder von wenigen, die "die Tiere nicht leiden könnten, emotional hochgekocht", findet Stürmer.

Andere aber hätten schlicht Mitleid mit den Straßenvögeln, die im Coronajahr tatsächlich weniger Futter in der Stadt gefunden hätten und an großer Zahl verhungert seien. "Und das ist eigentlich eine menschliche Reaktion". Stürmer weiß um das Problem am Bahnhof Stresemannallee. Die Dame, die die Tauben füttert, ist ihr bekannt. "Ich kann versuchen, auf sie einzuwirken." Aber das Problem bekomme man nur in den Griff, "wenn sich alle zusammensetzen und eine Lösung finden".

Dass sich die Tiere durch das Füttern vermehrten, sei nicht der Fall. Es würden lediglich mehr Tiere angelockt. Dass es jedoch bis zu 600 seien, hält sie für eine subjektive Einschätzung. Das Füttern müsste dennoch reduziert werden, stimmt Stürmer zu. stw

Ortsbeiratssitzung

Der Ortsbeirat 5 tagt am 22. Januar um 19 Uhr im Saalbau Südbahnhof, Hedderichstraße 51.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare