Die Helfer Stephan Richart, Heribert Schmidt-Wallenborn und Pastoralreferentin Doly Kardavil freuen sich über den Kühlschrank, der in der Kirche für jedermann zugänglich ist, der etwas zu Essen braucht. FOTO: enrico sauda
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Die Helfer Stephan Richart, Heribert Schmidt-Wallenborn und Pastoralreferentin Doly Kardavil freuen sich über den Kühlschrank, der in der Kirche für jedermann zugänglich ist, der etwas zu Essen braucht.

Frankfurter Hilfsaktion

Wie ein Kühlschrank das Herz erwärmt

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Projekt bei St. Aposteln in Sachsenhausen geht gegen Verschwendung von Essen vor

Pünktlich zum Festtag der Heiligen Drei Könige, der an das Darreichen von edlen Spenden ans Jesuskind erinnert, haben gestern die Schwestern und ehrenamtlichen Kirchenmitglieder von St. Aposteln den Offenen Kühlschrank offiziell eingeweiht.

Seit November steht der Kühlschrank schon in einer Seitenkapelle der Kirche am Ziegelhüttenweg und offeriert frische Lebensmittel für jedermann, der etwas davon braucht. Salatköpfe, Orangen, Käse und Kräuter lagern gerade darin. Auf einem Regal daneben stehen griffbereit verpackte Lebensmittel, die nicht gekühlt werden müssen. "Heute früh war der Kühlschrank noch leer, aber dann haben mehrere Leute etwas vorbeigebracht", sagt Schwester Bettina. "Das ist jeden Tag so, es wird Essen gebracht, und es kommen Menschen, die sich etwas mitnehmen. Nichts bleibt lange liegen."

Zusammen erreicht man mehr als allein

Der Kühlschrank ist aber nicht nur für Bedürftige eingerichtet. Denn die Idee hinter dem neuen Projekt ist es, grundsätzlich etwas gegen die sinnlose Verschwendung von Essen zu unternehmen. "Ein Drittel der Einkäufe wird in deutschen Haushalten weggeworfen", weiß Nicolas Dörr vom Projektpartner Foodsharing, ein Verein, der deutschlandweit agiert. "Das ist absurd viel."

Die Schwestern von St. Aposteln haben sich von der katholischen Gemeinde St. Josef in Frankfurt-Bornheim inspirieren lassen, die schon länger mit dem Verein zusammenarbeitet und ebenfalls einen Offenen Kühlschrank betreibt. "Wir arbeiten gern mit Kirchengemeinden und Organisationen zusammen, denn gemeinsam kann man mehr erreichen als allein", sagt Dörr.

So bringen er und seine ehrenamtlichen Mitstreiter das Wissen mit, wie man einen solchen "Kühlschrank für alle" hygienisch betreibt. Und wie man auf Supermärkte zugeht, die sich dann bereiterklären, Ware, die kurz vor Ablaufdatum steht, an das Projekte abzugeben. "Nicht jeder Marktleiter lässt sich darauf ein, aber es werden immer mehr. Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit wächst", berichtet Nicolas Dörr.

"Bisher lief das bei uns ganz unkompliziert", erzählt Stephan Richart, der sich in der St. Apostel-Gemeine engagiert. "Menschen rufen an, die etwas abzugeben haben, dann komme ich vorbei und hole es ab." Oder er kann beim Lädchen ums Eck etwas abholen, das nicht mehr verkauft wird. "Wenn es dann im Kühlschrank landet und Leute reinkommen, die sich davon dankbar etwas nehmen, dann finde ich das beglückend. Ich mache das nicht nur für Andere, sondern auch für mich, weil es mir damit gut geht", sagt Richart. "Außerdem treffe ich, seit wir den Kühlschrank haben, so viele Menschen, mit denen ich sonst vermutlich nie in Kontakt gekommen wäre, und das finde ich richtig toll."

Das neue Projekt ergänzt die anderen sozialen Angebote der Kirche wie etwa die Kleidertausch-Boutique auf der Orgelempore oder die Pommesbude "Meet'n'Frites" draußen auf dem Kirchenvorplatz. "Alle Angebote dienen dazu, dass Menschen miteinander in Kontakt kommen", sagt Schwester Bettina. Und das mitten in der Kirche, im sakralen Raum.

Dieser ist ohnehin seit Corona umgebaut - die Kleiderboutique und das dazugehörige Café sind wegen der Pandemie vom Keller im Gemeindehaus in den Eingangsbereich der Kirche umgezogen. Kurzerhand wurden die Kirchenbänke verschoben und lange Tische dazwischen gestellt, die mit Tischdecken und Blumen dekoriert wurden. Dort wird mittwochs und freitags Kaffee und Kuchen serviert. Jetzt kam noch der Kühlschrank dazu. "Beides wird von der Gemeinde sehr gut angenommen und niemand stört sich daran, dass alles in der Kirche selbst stattfindet", so die Pastoralreferentin Doly Kadavil. Im Gegenteil, dieser Umstand verleiht den Veranstaltungen mehr Wertschätzung. "Die Leute gehen pfleglich mit allem um".

Geplant sind, so weit die Pandemie es zulässt, Koch-Events draußen im Hof - "mit Produkten aus dem Offenen Kühlschrank" und eine Erweiterung des Cafés im Kirchenraum. Der Offene Kühlschrank ist täglich von 10 bis 18 Uhr zugänglich - ohne Anmeldung. Stefanie Wehr

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