Pater Jörg Weinbach mit einem Foto der Schenkungsurkunde, die auf den 10. April 1221 datiert ist, also auf den Tag genau vor 800 Jahren unterzeichnet wurde. Im Kreuzgang gibt es zu diesem Jubiläum eine Ausstellung zum Deutschorden. Seine Mitglieder kann man auch an dem typischen Kreuz erkennen.
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Pater Jörg Weinbach mit einem Foto der Schenkungsurkunde, die auf den 10. April 1221 datiert ist, also auf den Tag genau vor 800 Jahren unterzeichnet wurde. Im Kreuzgang gibt es zu diesem Jubiläum eine Ausstellung zum Deutschorden. Seine Mitglieder kann man auch an dem typischen Kreuz erkennen.

Sachsenhausen

Wie ein Orden aus Frankfurt das ganze Land prägte

  • vonGernot Gottwals
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Von Frankfurt aus hat der Deutsche Orden über Jahrhunderte Einfluss auf die deutsche Politik genommen. Ab heute wird ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert.

Auch im Mittelalter rangen Landes- und Kirchenfürsten um Macht, Politik und Glauben. Zu den wichtigsten Beratern Kaiser Friedrichs II. zählte der Hochmeister des Deutschen Ordens Hermann von Salza, der im Streit mit dem Papsttum vermittelte. Worauf der Kaiser dem Orden am 10. April 1221 das Spittal mit Kirche und weiteren Grundstücken aus dem Besitz Ulrich II. von Münzenbergs übertrug.

Ein ganzes Viertel trägt ihren Namen

Diese Schenkung ist Anlass für das 800-jährige Bestehen des Deutschen Ordens in Sachsenhausen, der die südliche Mainseite mit der 1309 errichteten gotischen Deutschordenskirche, der barocken Kommende sowie dem nach ihm benannten Deutschherrnufer und -viertel prägt. Die Feierlichkeiten starten heute um 11 Uhr mit einer Festmesse in der Deutschordenskirche.

"Wir müssen derzeit auf Sicht fahren und abwarten, welche Veranstaltungen im Sommerjahr möglich sind", sagt Pater Jörg Weinbach, Kirchenrektor in der Deutschordenskirche. So sollte ursprünglich an Christi Himmelfahrt ein großes Gemeindefest gefeiert werden. "Dieses Fest ist nun zum Patrozinium der Deutschordenskirche an Mariä Himmelfahrt am 15. August angedacht."

Der "Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem", wie er in offizieller Schreibweise heißt, zählt drei Ordenszweige mit derzeit in Frankfurt sieben Brüdern und 19 Laien, den sogenannten Familiaren. Rund 25 weitere Mitglieder sollten in diesem Jahr in einer Familiareninvestitur aufgenommen und mit den Insignien des Ordens eingekleidet werden. "Auch diese große müssen wir nun durch mehrere kleine Feiern ersetzen und den Corona-Regeln anpassen", so Weinbach. Konzerte und weitere geplante Festveranstaltungen seien mit Beginn der Pandemie bereits ausgesetzt worden.

Dafür erzählt im Kreuzgang der Kommende die Wanderausstellung "Deutscher Orden 1190 bis heute" die wechselvolle Geschichte von der Hospitalbruderschaft im israelischen Akkon, der ritterlichen Ordensherrschaft in Preußen und Litauen bis zur Umwandlung in den heutigen klerikalen Orden. Die Übernahme des Hospitals und der Bau der Elisabethkirche in Marburg ab 1235 zusammen mit den Landgrafen von Thüringen zählt zu den herausragenden regionalen Leistungen.

Die Verbundenheit mit Sachsenhausen zeigt sich an der dortigen Ordensgründung, der von König Ludwig dem Bayern 1324 im Innenhof des Kreuzgangs verkündeten "Sachsenhäuser Appellation" gegen Papst Johannes XII. und dem Deutschherrnviertel, wo der zentrale Platz nach Walther von Cronberg (1477-1543) benannt ist, dem leitenden Komtur der Sachsenhäuser Kommende und späteren Hochmeister.

Tradition und Innovation

"Für uns ist es als Ordensgemeinschaft sehr wichtig, nicht nur auf die 800-jährige Geschichte zu schauen, sondern aus den wechselnden Erfahrungen auch Impulse für die Zukunft zu entwickeln", betont Weinbach. Dazu gehöre auch eine richtige Balance zwischen Tradition und Innovation: "So feiern wir unsere Gottesdienste grundsätzlich nach der liturgischen Ordnung der Kirche, sind aber experimentellen Formen wie dem Night-Fever-Gebetskreis aufgeschlossen."

Mit einer gewissen Beharrlichkeit, ohne sich allen Strömungen des Zeitgeistes anzupassen, sei der Orden schließlich auch in der Vergangenheit gut gefahren. So schaffte es die Kommende in Sachsenhausen, durchgängig katholisch zu bleiben, auch wenn nach Einführung der Reformation in Frankfurt 1533 katholische Messen im Deutschen Orden zeitweise verboten wurden.

Zwiebeltürmchen krönen den Bau

Im 18. Jahrhundert wurde die Deutschordenskommende auch zum Ausdruck barocken Glanzes im Katholizismus: Die Hoch- und Deutschmeister Franz-Ludwig von Pfalz Neuburg und Clemens August von Bayern ließen die Ordenshäuser und die Fassade der Kirche erneuern und durch ein Zwiebeltürmchen krönen.

Im 19. und 20. Jahrhundert wechselte das Deutschordensgelände mehrmals die Eigentümer, gehörte zum Großherzogtum Frankfurt, zur Katholischen Gemeinde Frankfurt, ehe der Deutsche Orden das Gelände 1958 zurückkaufte.

Für die nähere Zukunft stehen vor allem einige Sanierungsmaßnahmen an: Während für die Kirche bereits einige Zimmermannsarbeiten im Dach und Wärmedämmungen im Gewölbe angelaufen sind, sind für das nächste Jahr eine komplette Neueindeckung des Daches, ein Anstrich der Außenfassade und eine Überarbeitung der Elektrik vorgesehen.

Auch die Amtshäuser, in denen der Brüderkonvent untergebracht ist, sollen renoviert werden: "Da aber noch bau- und denkmalrechtliche Genehmigungen eingeholt werden müssen, steht der Baubeginn noch nicht fest", sagt Pater Jörg. Gernot Gottwals

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