Die Hochhäuser und Türme des Frankfurter Bankenviertels. Hier profitiert man vom Brexit.
+
Die Hochhäuser und Türme des Frankfurter Bankenviertels. Hier profitiert man vom Brexit.

Finanzmarkt

Wie Frankfurt vom Brexit profitiert

  • vonBrigitte Degelmann
    schließen

Bislang sind 1500 neue Stellen entstanden, schätzt der Magistrat, 2000 weitere könnten folgen

Frankfurt -Seit Beginn des Jahres ist Großbritannien nicht mehr Teil des europäischen Binnenmarktes und der Zollunion - wegen des Brexits, der durch ein Referendum im Juni 2016 in Gang gesetzt worden war. Könnte darin vielleicht eine Chance für Frankfurt liegen? Das fragen sich die "Frankfurter" in der Stadtverordnetenversammlung und stellten deshalb eine entsprechende Anfrage an den Magistrat. Darin verweisen sie auf Aussagen der Bundesbank, die aufgrund des Brexit-Umzugs von Banken weitere Verlagerungen und bis zu 2500 Arbeitsplätze erwarte. Außerdem erkundigen sie sich, ob sich die Stadt für einen solchen Zustrom gerüstet sehe, etwa im Hinblick auf Wohnungen sowie Schul- und Kita-Plätze.

In seiner kürzlich veröffentlichten Stellungnahme betont der Magistrat, dass er sich seit dem britischen Referendum 2016 mit möglichen Auswirkungen dieser Entscheidung auf Frankfurt und die Region Rhein-Main beschäftige: "Die Themenfelder Arbeit, Wohnung, Familie, Bildung und Integration wurden dabei proaktiv bearbeitet." Insgesamt biete der Brexit für Frankfurt die Chance, "die internationale Bedeutung als Finanzplatz zu steigern". Zwar seien die in London ansässigen Finanzinstitute mit ihren Geschäftsbereichen zum Teil auch in andere Finanzzentren wie Amsterdam, Luxemburg, Paris, Mailand und New York umgezogen. Aber: "Der Großteil der klassischen Bankdienstleistungen wird tatsächlich nach Frankfurt am Main verlagert."

Bisher hätten mindestens 32 Brexit-Banken aus 15 Herkunftsländern ihre Standortentscheidung zugunsten Frankfurts getroffen - sowohl im Hinblick auf die Europazentralen als auch auf die Spartenstandorte, zum Beispiel für das Investmentbanking. Das dürfte sich auch auf den örtlichen Arbeitsmarkt auswirken. 2019 seien in Frankfurt schätzungsweise 1500 neue Stellen bei den "Brexit-Banken" entstanden, teilt der Magistrat mit. Bis 2022 würden noch rund 2000 weitere neue Arbeitsplätze erwartet. Ende 2019 waren jedoch rund 75 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen gemeldet. "Ein Zuwachs um 2000 Personen innerhalb von zwei Jahren läge im Rahmen der üblichen mittelfristigen Schwankungen", urteilt der Magistrat.

Gravierende Auswirkungen auf den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt durch den Brexit erwartet die Stadtverwaltung nicht. Die Verlagerung eines Arbeitsplatzes bedeute schließlich nicht immer den Umzug einer Familie, heißt es dazu in dem Papier: "Der Magistrat geht nach der langjährigen Beobachtung davon aus, dass eine erhebliche Zahl der aus London hierher wechselnden Bankmitarbeitern zunächst pendeln und deren Familien in Großbritannien bleiben werden." Für einwandernde Familien seien dann Wohnungen in der Nähe internationaler Schulen attraktiv. "Grundsätzlich dürfte sich die Ansiedlung auf das gesamte Rhein-Main-Gebiet verteilen, die gute Verkehrsanbindung eröffnet hier viele Möglichkeiten."

Profitieren könnte jedoch das in Frankfurt stark wachsende Hotelangebot in sogenannten "Serviced Apartments", die rund 15 Prozent des Hotelbestandes ausmachen. Hier werden befristete Mietverhältnisse angeboten, außer Konkurrenz zum Wohnungsmarkt.

Zu beachten sei überdies die Art der Nachfrage, erläutert der Magistrat: "Aus Großbritannien zuziehende Beschäftigte mit hohem Qualifikationsniveau könnten auch an die Wohnraumpreise des Großraums London gewohnt sein, die seit Jahren an der europäischen Spitze liegen. Hieraus kann eine weitere Nachfrage im hochpreisigen Segment des Wohnungsmarktes erwachsen."

Im Hinblick auf Schulen und Kitas steht der Magistrat nach eigenen Angaben seit 2018 in regelmäßigem Kontakt mit den internationalen Einrichtungen. Deren Kapazitäten reichten aus. Obwohl der Brexit bereits vollzogen sei, habe man noch keine erhöhte Nachfrage registriert. "Zwar haben viele Banken für ihre Mitarbeiter Schul- und Kitaplätze reserviert, die Reservierungen wurden jedoch teilweise wieder aufgehoben", heißt es dazu in der Stellungnahme. Brigitte Degelmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare