Herumliegende E-Scooter, Müll und Unkraut, das überall auf öffentlichen Flächen aus den Fugen wuchert, sind ein Ärgernis - wie hier im Herzen von Nied. Die Respektlosigkeit im Umgang mit öffentlichen Flächen ist immens gestiegen.
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Herumliegende E-Scooter, Müll und Unkraut, das überall auf öffentlichen Flächen aus den Fugen wuchert, sind ein Ärgernis - wie hier im Herzen von Nied. Die Respektlosigkeit im Umgang mit öffentlichen Flächen ist immens gestiegen.

Müllproblem

Ärger in Frankfurt: Herumliegende E-Roller und Müllberge sorgen für Frust

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
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Trotz erhöhter Bemühungen der Stadt Frankfurt wächst die Müllflut an. Herumliegende E-Roller verstärken den Ärger. Bürger und Politiker sind verzweifelt. 

Frankfurt – Müll überall, erst recht nach einem solchen Wochenende. Flaschen, Dosen, Pizzakartons, Dönertüten. Dazwischen fliegen E-Roller herum, und auf öffentlichen Straßen und Plätzen wuchert es zwischen dem Müll. Das Thema ist omnipräsent.

„Ich habe das Gefühl, dass Müll sich mittlerweile zu einem der Hauptprobleme in den Stadtteilen entwickelt hat. Bei einem großen Teil der Nachrichten von Bürgerinnen und Bürgern, die an den Ortsbeirat bzw. an mich als Ortsvorsteherin geschickt werden, dreht es sich um die zunehmende Vermüllung - vom überfüllten Mülleimer im Stadtpark, neben dem die Pizzakartons liegen, über den auf Spielplätzen herumliegenden Zigarettenkippen bis hin zum Sperrmüllhaufen auf dem Gehweg“, sagt Susanne Serke, Ortsvorsteherin des 6ers, des mit mehr als 135.000 Einwohnern größten der 16 Frankfurter Ortsbezirke.

Verwahrlosung von Frankfurt: Abstimmung der Akteure intensiviert

Viele Lokalpolitiker fühlen sich inzwischen wie auch die Bürger von der Stadt allein gelassen: Im vergangenen Jahr hat Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) das Thema Sauberkeit zur Chefsache erklärt und den sogenannten „Müllsheriff“ Peter Postleb, der unter Feldmanns Vorgängerin Petra Roth im Amt war, als Sonderbeauftragten eingesetzt - natürlich mit öffentlichkeitswirksamem Fototermin. „Ich habe seitdem nichts mehr dazu gehört und auch nicht das Gefühl, dass seitdem eine Besserung eingetreten ist - im Gegenteil“, sagt Susanne Serke.

An zuständiger Stelle hört man die Kritik. Aber: „Die Stabsstelle Sauberes Frankfurt, das Umweltamt, das Grünflächenamt, die FES und die FFR arbeiten an diesem Thema seit Jahren intensiv“, sagt Peter Dommermuth, der Leiter des Umweltamts. Die einzelnen Akteure seien heute besser abgestimmt als noch vor Jahren, die Gründung der Sauberkeits-Initiative „#cleanFFM“ 2017 sei „kein Werbegag“ - es sei massiv Geld in die Sauberkeit der Stadt geflossen, zunächst befristet, inzwischen „verstetigt“. Man habe Kampagnengebiete festgelegt für Orte, an denen es besonders hake - im Frankfurter Westen etwa die Bolongarostraße, die Königsteiner Straße oder der Höchster Bahnhof, in der östlichen Innenstadt etwa den Hafenpark.

Ein Arbeitskreis sei gegründet worden, um die Zusammenarbeit der Verantwortlichen zu verbessern; auch die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) sei eingebunden worden wegen der Haltestellen. Die Straßenreinigung oder die Reinigung öffentlicher Toiletten sei mit neuen Verträgen an die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) gegangen und deren Tochter FFR, die Frankfurter Fußweg-Reinigung, um alles „in einer Hand“ zu haben. Demnächst soll die Reinigungsleistung „in bestimmten Kampagnengebieten“ intensiviert werden, sagt Dommermuth.

Müllberge in Frankfurt: Problem durch Corona-Pandemie verschärft

In der Corona-Pandemie sei die Müllflut gewachsen, etwa durch Feiernde auf dem Opernplatz oder dem Matthias-Beltz-Platz, doch auch durch Menschen, die Natur suchen, aber ihren Müll von dort nicht wieder mitnehmen, wie etwa am früheren Höchster Niddawehr, das sich als „Nieder Wildwasser“ ausgesprochener Bade-Beliebtheit erfreut, oder in der Schwanheimer Düne, einem Naturschutzgebiet, in dem auch gerne mal gegrillt wird.

Zum Feier-Chaos auf Opern- und Beltz-Platz sagt Dommermuth, dass „Mitarbeiter von FES, FFR und Stadtpolizei nicht an, sondern über ihre Grenzen gegangen sind.“ 2020 habe die Stadt eine Million Euro in Zusatzreinigungen investieren müssen; das laufe weiter und werde gerade in eine feste Struktur gebracht.

Stadtpolizei Frankfurt zur Müllflut: „Nicht in der Lage, dem Herr zu werden“

An der Zufahrt zum Höchster Wehr würden eigens gesetzte Poller herausgerissen, um mit dem Auto direkt zum Bade- und Grillplatz fahren zu können. Die Reinigungstrupps und die Stadtpolizei arbeiteten an ihren Grenzen. Dommermuth sagt: „Wir sind nicht in der Lage, dem Herr zu werden, wenn es sich weiter so entwickelt.“

Der neue Koalitionsvertrag in Frankfurt sehe eine personelle Verstärkung der Stadtpolizei zum Thema Müll vor. Im Frankfurter Westen wie an anderen Orten der Stadt werde nun auch verstärkt am Wochenende und an Feiertagen gereinigt, etwa samstags und sonntags an der Batterie, dem Höchster Mainufer. Allerdings geschehe das zwischen 13 und 20 Uhr. Am nächsten Morgen sieht es meist wieder schlimm aus.

Frankfurt: App zur Müllmeldung

Dommermuth fordert dazu auf, die Möglichkeiten zu nutzen, um Müll zu melden - etwa über die „Mängelmelder“-App der Stadt, bei der Stadtpolizei unter 212-44044, unter der Behördennummer 115 oder auch übers „Umwelttelefon“ 212-39100.

Die App, sagt Michael Eickenboom, Leiter des Sachgebiets Abfallwirtschaft und Straßenreinigung, sei ideal, weil man dort auch gleich Fotos von der Misere hochladen und die GPS-Daten zur Lokalisierung speichern könne. Was das wuchernde Unkraut angeht, sagt Dommermuth, liege das wohl an den Kehrmaschinen. Das müsse mit der FES besprochen werden, doch gebe es nicht genug Personal. (Holger Vonhof)

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