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Wie Goethe in den Korken kommt

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Von: Judith Dietermann

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Erst kommt das Bild, dann der Kleber in den Korken. Silke Wirlemann (Mitte) erklärt, wie die Schmuckstücke entstehen. FOTOs: Enrico Sauda
Erst kommt das Bild, dann der Kleber in den Korken. Silke Wirlemann (Mitte) erklärt, wie die Schmuckstücke entstehen. © sauda

In der Kreativwerksatt am Dornbusch werden Flaschendeckel zu magnetischen Schmuckstücken

Viel Fingerspitzengefühl braucht Silke Wierlemann, als sie das runde Bildchen vorsichtig in den Kronkorken legt, etwas Glasurkleber darauf schüttet und diesen mit einer vorsichtigen Drehung des Korkens, den sie zwischen Daumen und Zeigefinger hält, gleichmäßig verteilt.

Durch die neugierigen Blicke der Teilnehmerinnen der Offenen Werkstatt der Kreativwerkstatt, die im Halbkreis um sie herum sitzen und stehen, lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Kein Wunder, hat sie doch in den vergangenen 13 Jahren schon unzählige schmucklose Kronkorken so in kleine Kunstwerke verwandelt. Da bekommt man Routine. Was nicht bedeuten soll, dass es Wierlemann keinen Spaß mehr macht. Im Gegenteil. "Es gefällt mir noch genauso gut, wie am ersten Tag", sagt sie.

Idee stammt aus Amerika

Trotzdem hat sie sich nun entschieden, ihre Erfahrungen und die dafür nötigen Materialien ihrer Kronkeria an die Kreativwerkstatt zu spenden. Auch wenn dabei ihr Herz blutet. "Ich habe versucht, mir damit ein Business aufzubauen. Aber leben konnte ich letztlich davon nie", sagt sie. Anders als das junge Mädchen aus den USA, der sie 2009 begonnen hatte nachzueifern. Sie wurde mit ihren selbstgestalteten Kronkorken Millionärin. In einer Zeitschrift hatte Wierlemann, die schon immer gerne kreativ war, damals darüber gelesen und sich inspirieren lassen.

Lange hat sie überlegt, an wenn sie ihre Kronkeria spenden kann, sagt sie. Letztlich stieß sie auf die Kreativwerkstatt des Frankfurter Verbandes. Ein Ort, an dem vieles verarbeitet wird, was sonst auf dem Müll gelandet wäre. Und auch Kronkorken wurden dort schon in kleine Schmuckstücke verwandelt. Als Fuß für Weihnachtsbäume dienen sie, die Äste wiederum wurden aus leeren Milchtüten hergestellt, erklärt Brigitte Stein, Leiterin der Offenen Werkstatt.

Eine Idee von der Silke Wierlemann absolut begeistert ist. Ebenso wie von der kleinen Blumenwiese aus Plastikteilchen, die aus einem der alten Kronkorken wächst. "Meine Kronkeria ist hier bestens aufgehoben", sagt sie und legt den Korken mit Bild und optimal zerlaufenem Glasurkleber auf die Seite. 24 Stunden muss er jetzt trocknen, sagt sie. Dann wird auf der Rückseite ein Magnet geklebt. Und dann? Dann ist der Kronkorken völlig flexibel einsetzbar. Ob als Kühlschrankmagnet oder Schmuckstück, erklärt Wierlemann.

Dann zeigt sie die Kette, die um ihren Hals hängt. Deren Anhänger auch ein Kronkorken ist, mit einem Bild von Johann Wolfgang von Goethe. "Das ist wirklich toll", sagt eine Teilnehmerin, die bei der Präsentation zuvor noch etwas skeptisch geblickt hatte.

Jedes Motiv ist möglich

Verkauft werden sollen die Magnete auf dem Weihnachtlichen Markt der Kreativwerkstatt, für den das ganze Jahr über in den Räumen der Hansaallee gebastelt, gestrickt und genäht wird. "Ich kann mir vorstellen, dass das sehr gut ankommt", sagt Brigitte Stein, die gleich eine Idee hat, wie man die Kronkorken noch verzieren könnte. Mit dem Logo des Frankfurter Verbandes zum Beispiel, sagt sie. Das sei möglich, sagt Wierlemann. Theoretisch könne man jedes Motiv nehmen, ausgedruckt werden müsse es allerdings auf Fotopapier. Dann benötige man eben noch den Spezialkleber. Ein halbes Jahr habe sie damals nach der richtigen Mischung gesucht, in den USA wurde sie schließlich fündig. Und zum Schluss, bevor der Kronkorken trocknen muss, könne man noch "ein paar Glitzersteine als besonderen Pfiff" hinzufügen.

Für zehn Euro hat Wierlemann jeweils drei Konkorken verkauft, fünf Euro kosteten liebevoll gestaltete Postkarten samt eines Korkens. Doch leider seien immer weniger Leute bereit, solch eine Arbeit wertzuschätzen, weshalb sich ihre Arbeit nicht rentiert habe. "Es war mein Baby, dass ich nun gerne weitergebe. Und mit Rat und Tat zur Seite stehe. So fällt der Abschied etwas leichter", sagt sie. judith dietermann

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