Auch kraulen muss sein: Florian Rossa mit seinem Hund Miki kurz vor Trainingsbeginn.
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Auch kraulen muss sein: Florian Rossa mit seinem Hund Miki kurz vor Trainingsbeginn.

Frankfurt

Wie Hunde zu Polizeischnüfflern werden: Ausbilder in Frankfurt gibt Einblicke

  • VonSabine Schramek
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Sie spüren Drogen oder Geld auf. Sie jagen Verbrecher oder beschützen ihr Herrchen: Hunde im Polizeidienst. Die Ausbildung ist hart - für die Hunde und die Beamten.

Frankfurt - Polizeioberkommissar Florian Rossa (36) trifft sich privat gerne mit Freunden. Das stört Miki (3,5) nicht - solange keine anderen Hunde dabei sind. "Die kann er nicht ausstehen, seit er zweimal gebissen wurde", sagt der Beamte vom 8. Revier und blickt mit seinen blauen Augen dem Deutschen Schäferhund in dessen bernsteinfarbene Augen. Im Maul trägt der 36 Kilo schwere Miki beim Gassi-Gehen einen großen grünen Ball, den er nicht loslässt. Er sieht aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Der Schein trügt gewaltig.

Miki ist als ausgebildeter Schutz-, Rauschgift- und Geldspürhund mit Rossa im Einsatz. Bei Kontrollen, Demos, im Stadion, bei Einbrüchen und Razzien weiß er genau, was zu tun ist. "Wenn ich ihm das breite Griffhalsband umlege und den Maulkorb, weiß er, dass Dienst ist und keine Tollerei-Stunde", sagt der blonde Mann ruhig und tut es. Miki spitzt die Ohren, spannt seine Muskeln an, fiept aufgeregt und wacht. Wer nahe kommt, wird angeknurrt. Die eben noch sanften Augen bekommen einen Blick, der unmissverständlich klar macht, dass man sich dem Hund besser nicht nähert.

Ausbildungsleiter Jan Reiser hat einen Stock in der Hand, droht, beschimpft Polizeioberkommissar Florian Rossa und geht auf den Hund los. Miki stürzt los und beißt zu.

Frankfurt: Das Training für die Hunde bei der Polizei ist hart

Trainiert werden die beiden von Polizeihauptkommissar Jan Reiser (39). Er ist Ausbildungsleiter für die 13 Diensthunde und ihre Führer in Frankfurt. "Wir könnten deutlich mehr gebrauchen", sagt der schlanke Mann, der in seinen Taschen jede Menge Leckerli hat. "Wir trainieren mit positiven Erlebnissen", sagt er und betont, wie wichtig es sei, dass die Hunde Spaß haben beim Lernen. "Ich kann keinen Hund bestrafen, wenn ich ihm nicht beigebracht habe, was er tun soll. Hunderte Male üben wir, bis alles sitzt. So ist Zwang kaum nötig."

Schutzhunde arbeiten oft in Gedränge, in Menschenmassen und Lärm. Dazu braucht es enormes Vertrauen zwischen Hund und Führer. "Die Stimmung des Beamten überträgt sich auf den Hund. Egal, in welchem Umfeld." Reiser trainiert auch den belgischen Schäferhund Nox und Polizeikommissar Niemeier (25). Es ist der erste Diensthund für Niemeier und der schwarze Nox ist seit einer Woche bei ihm. "Die Hunde sind im Besitz vom Land Hessen und der Einkauf läuft über Mühlheim", erklärt Reiser und lässt die beiden Neulinge über die Wiese mit Hindernissen rennen und toben. Nox bleibt nah bei Niemeier und auch, als Nox zum ersten Mal über eine hohe Wand klettern soll, macht er mit, als habe er es schon oft getan. "Zwei Wochen bleiben die Tiere auf Probe, damit wir sehen können, ob sie wirklich geeignet sind für den Dienst und ob es zwischen Hund und Führer passt", so Reiser, der beide lobt.

Nox spielt noch auf Probe. Er muss beweisen, dass er zum Polizeihund taugt.

Ausbildung zum Polizeihund in Frankfurt: „Man sieht sich mehr als die Familie“

Sie sind schon gemeinsam Rolltreppe, Zug und Aufzug gefahren. Nox lässt sich von Niemeier gut motivieren - auch im Dunkeln. "Das sieht gut aus", prognostiziert Reiser. Er selbst hat Balu, seinen zweiten Diensthund, den er schon als Welpen bekam. Sein erster Hund Aki war 10 Jahre mit ihm in Dienst und wurde 12 Jahre alt. Das Welpenprogamm ist für erfahrene Hundeführer. Normalerweise sind die Hunde zwischen ein und drei Jahre alt, wenn sie zur Polizei kommen. Die Tiere bleiben ihr Leben lang bei den Beamten. "Die Bindung, die entsteht, ist krass", sagt Rossa. "Wir sind rund um die Uhr zusammen, man sieht sich mehr als die Familie und wir wissen, dass die Tiere uns auch schon mal den Arsch gerettet haben", stimmt Reiser zu. Balu wurde vor Kurzen operiert. "Da hat man echt Angst um seinen Freund", gesteht Reiser, der den Deutschen Schäferhund langsam wieder aufbaut.

Zu Hause lümmeln die Hunde schon mal auf der Couch rum und sind eben ganz normale Hunde. Auf der Straße übt Miki jetzt aber Personenkontrolle. Reiser hat einen Stock in der Hand, droht, beschimpft Rossa und geht auf den Hund los. Er trägt einen dicken Ärmel, der ihn vor Bissen schützt. Rossa lässt Miki los. Der stürzt los und beißt zu. Er lässt nicht eher los, bis der Mann am Boden liegt und gefesselt wird. Danach stellt er einen Einbrecher, der sich versteckt. Der Rüde fliegt mit furchterregend aufgerissenem Maul auf einen Gitterkäfig zu und bellt, bis Rossa kommt.

Die Verdächtigen haben keine Chance. Sekunden später interessieren Miki die Verbrecher nicht mehr. Er hat seinen Job gemacht, ein Leckerli bekommen, ist zufrieden und seine Augen sind sanft.

Zu Hause lümmelt Miki schon mal im Bademantel auf der Couch.

Hunde im Dienst der Polizei Frankfurt: „Abwechslungsreichste Job der Welt“

Als er Drogen in einem Auto suchen soll, sind ihm Menschen egal. Er schnüffelt den Wagen innen und außen ab und legt sich hechelnd dorthin, wo er fündig wird. "Das klappt nicht immer", sagt Rossa lachend. "Wenn er in einem Smart in der Sonnenblende Drogen oder Geld findet, schmeißt er sich quer über die Sitze und guckt dorthin, wo das Gesuchte liegt. Das sieht oft sehr komisch aus, wenn der Wagen für den Hund eigentlich zu klein ist. Da muss ich schon ganz schön mitdenken und seinem Blick folgen."

Dass es an Nachwuchs mangelt, verstehen die drei Hundeliebhaber nicht. Keine Sekunde möchten sie auf die Tiere verzichten. "Man braucht allerdings Lebenspartner, die das mitmachen, und Platz für die Tiere. Die Karriere verläuft anders, weil die Hunde eine lange Verantwortung bedeuten. Dafür hat man den abwechslungsreichsten Job der Welt und einen Partner, der mit einem immer und überall durch Dick und Dünn geht." (Sabine Schramek)

Ein Mann bedroht seine Ex-Partnerin. Als er auch der Polizei Frankfurt gegenüber aggressiv wird, kommt Diensthund „Apollo“ zum Einsatz.

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