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Der große Schornstein der alten Lederfabrik wurde am 28. August 2009 gesprengt. Mit ihm ging ein Kapitel Unterliederbacher Industriegeschichte zu Ende. Heute stehen dort Wohnhäuser, ein evangelischer Kindergarten und der Edeka-Markt Lich. Foto: Maik Reuß

Unterliederbach: Historie

Wie man mit Hundehaufen Geld gemacht hat

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Karl Leo Schneeweis und Heinz Alexander haben wieder in der Geschichte gestöbert

Als am 28. August 2009 der große Schornstein der alten Lederfabrik fiel, ging ein Kapitel Unterliederbacher Industriegeschichte zu Ende. 2008 schon waren die alten Fabrikgebäude abgerissen worden. An ihrer Stelle stehen heute der Edeka-Markt Lich, der evangelische Kindergarten sowie neue Wohnhäuser

Über die große Lederfabrik, die 1867 als "Graubner & Scholl" gegründet worden war, schreibt Karl Leo Schneeweis im dritten Bändchen der Reihe "Unterliederbacher Geschichten". Der ehemalige Unterliederbacher Vereinsringschef und sein Freund und früherer Vize Heinz Alexander, beide große Freunde der Ortsgeschichte, haben wieder eine Sammlung spannender und unterhaltsamer Aufsätze über Unterliederbach im Wandel der Jahrhunderte vorgelegt. Schneeweis hat zur Lederfabrik recherchiert - was nicht einfach war, weil in den Archiven nicht viel zu finden ist - außer der Notiz, dass Unterliederbach seinerzeit nahezu frei von Hundekot war, weil "Graubner & Scholl" pro Kilogramm der Exkremente 15 Pfennig bezahlten. Der Hundekot wurde zur Lederherstellung gebraucht, genauer gesagt zur "Auflockerung des kollagenen Hautfaser-Gefüges", führt Schneeweis aus. Schon in den 1890er Jahren - Unterliederbach war damals noch eine selbstständige Landgemeinde vor den Toren der Stadt Höchst - beschäftigte die Lederfabrik mehrere hundert Arbeiter, war eine der größten des Reiches und stellte als eine der ersten Chromleder her. Mit entsprechenden Schadstoffen im Boden sollte man auch in den 2000er Jahren zu kämpfen haben.

1911 gingen Graubner & Scholl pleite; der Name ist im Stadtteil noch über die "Graubner'sche Villa" an der Liederbacher Straße präsent und den Graubnerpark, ehemals herrschaftliches Industriellengelände. Kurzzeitig hieß die Firma "Lederfabrik Höchst AG", doch 1920 wurde die Produktion komplett eingestellt. In den 1950er Jahren siedelten sich kleinere Betriebe in den Fabrikhallen an. "Letzte Eigentümerin war Frau Dr. Dr. Grummenauer, eine Frau, die sich in Unterliederbach stark engagierte", schreibt Schneeweis. "Sie war nicht nur in den Vereinen tätig, sie stellte auch Lagerräume für Vereine zur Verfügung." Ihr letzter Wunsch - dass auf dem Gelände ein Altenzentrum gebaut wird - sollte nicht in Erfüllung gehen. Zwar kaufte die Firma Bamac das Gelände und investierte viel Zeit und Geld in die Planung, doch letztlich fand sich kein Betreiber. Auf Initiative Schneeweis', der damals Stadtverordneter im Römer war, wurde das Gelände aus der Erhaltungssatzung genommen, und die Neubebauung kam voran.

Nach ihrem Buch "Unterliederbacher Geschichte von der Vergangenheit bis 2009" haben Schneeweis und Alexander sich daran gemacht, eine Reihe von Geschichtsheften zu schreiben, um einzelne Personen, Familien, Verträge und Ereignisse zu beschreiben, die Unterliederbacher Geschichte geprägt haben. Der dritte Band beschäftigt sich nun unter anderem mit der ersten urkundlichen Nennung Unterliederbachs, der Geschichte von "Graubner & Scholl" sowie der Eißengießerei "Taunus" und der Möbelfabrik "Heist & Hobraeck", den Gasthäusern "Zum Goldenen Löwen" und "Zum Dicken Karl", den Türmen der katholischen Kirche St. Johannes-Apostel, den Glocken der alten Dorfkirche, den drei hauptamtlichen Bürgermeistern der Gemeinde und dem Rektor Wilhelm Frischholz, eines Schulmannes, der sich in der Lokalgeschichtsforschung hervortat. Amüsant ist der Rückblick auf frühere Gebräuche und das Wirken des letzten Orts- und Polizeidieners Wagner. Der sagte kurz nach seiner Rente 1906: "Eich woas jo net, woas des heitzedag is. Frieher hun eich alaan de Bolizistedienst versehe un heit sins drei Boliziste" . . . Holger Vonhof

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