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Wie Schulen in Frankfurt Platz machen für Kinder aus der Ukraine

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Von: Julia Lorenz

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Aus den Kriegsgebieten in der Ukraine kommen vor allem Kinder mit ihren Müttern nach Deutschland und nach Frankfurt. Für sie alle Kita- und Schulplätze zu schaffen, ist ein Kraftakt.
Aus den Kriegsgebieten in der Ukraine kommen vor allem Kinder mit ihren Müttern nach Deutschland und nach Frankfurt. Für sie alle Kita- und Schulplätze zu schaffen, ist ein Kraftakt. © dpa

In den Klassenzimmern und Kitas in Frankfurt wird zusammengericht. 1216 Kinder sind schon untergebracht worden - wohl erst ein Anfang.

Frankfurt -"Die Telefone stehen hier nicht mehr still", sagt Evelin Spyra, Leiterin des Staatlichen Schulamts Frankfurt. Zu der Behörde gehört auch das Aufnahme- und Beratungszentrum, kurz ABZ. Dieses berät aus ihrer Heimat geflüchtete Kinder und ihre Familien, überprüft den Lern- und Sprachstand der Kinder und sucht eine passende Schule für sie. Denn sobald die Minderjährigen einer Kommune zugewiesen und dort gemeldet sind, sind sie auch schulpflichtig.

Spontan Intensivklassen eröffnet

An 24 Grundschulen und 30 weiterführenden Schulen wurden deshalb bereits Intensivklassen eröffnet. Dort lernen die geflüchteten Kinder zunächst einmal Deutsch, um später in eine Regelklasse wechseln zu können. Insgesamt gibt es derzeit 82 Intensivklassen. Sie werden von 1216 Kinder, die mit ihren Familien aus der Ukraine geflüchtet sind, besucht. An den Berufsschulen wurden 15 Intea-Klassen - so nennt man die Intensivklassen für die älteren Schüler - eingerichtet, die von 249 Flüchtlingen besucht werden.

Diese Zahlen nannte Stadträtin Sylvia Weber (SPD) in der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses. "Wir gehen aber davon aus, dass es noch deutlich mehr Kinder werden", sagte Weber. Immerhin seien gut die Hälfte der Geflüchteten Kinder. Deshalb müssten natürlich auch Plätze für die kleinsten Kinder, die noch im Alter für Krabbelstube und Kindergarten, in Kitas organisiert werden. Deshalb hat Weber nach eigenen Aussagen mit den Trägern vereinbart, dass jede Kita-Gruppe ein bis zwei Kinder zusätzlich aufnimmt. Das heißt, die Gruppen müssten überbelegt werden.

Dank Ausnahmeregelung geht alles einfach und schnell

Eine entsprechende Ausnahmeregelung habe sie bereits beim Hessischen Sozialministerium angefragt. "Sonst brauchen wir für jedes einzelne Kind einen extra Antrag", so Weber. Zudem wolle sie erreichen, die derzeit wegen der Corona-Pandemie geltende Regelung, dass in Krisenzeiten Stellen auch mit Nicht-Fachkräften besetzt werden können, zu verlängern. Diese Regelung laufe Ende des Jahres aus.

Während es bei der Unterbringung der Kinder in Kitas noch viel zu regeln gebe, gehe die Unterbringung in den Schulen aber "schnell und geräuschlos ohne große Diskussionen" vonstatten, so Weber. Sie führt dies auf die Erfahrungen aus den Migrationsjahren 2015 und 2016 zurück. Damals habe es in den Hochzeiten 84 Intensivklassen gegeben. Auch Schulamtsleiterin Spyra bestätigt: "Das klappt alles reibungslos." Bisher gebe es auch noch keine räumlichen Engpässe zur Unterbringung der Schüler. "Wir haben noch Kapazitäten", so Spyra.

Alle wollen helfen, aber nicht jede Schule kann es auch

An der Schillerschule in Sachsenhausen hingegen wurde bisher keine Intensivklasse eingerichtet, weil man dies "organisatorisch nicht hinbekommen würde", wie Schulleiterin Claudia Wolff im Gespräch mit dieser Zeitung sagt. "Wir haben dafür weder ausreichend Personal noch Räume." Dennoch will das Gymnasium aus der Ukraine geflüchtete Kinder aufnehmen. Anfragen gebe es einige. Ein Junge besuche sogar schon die fünfte Klasse. "Er kann deutsch, nicht super gut, aber es klappt prima", erzählt die Schulleiterin. Seine Klassenkameraden würden sich rührend um ihn kümmern. Zudem wurde ihm eine ukrainische Oberstufenschülerin an die Seite gestellt, mit der er sich austauschen kann. Und damit der Neuankömmling ganz ohne Intensivklasse noch besser Deutsch zu lernen, besucht er einen Deutsch-Förderkurs am Nachmittag. Zusätzlich bekommt er ein bis zwei Mal die Woche im Deutschunterricht Unterstützung von einer pensionierten Lehrerin, die differenziert mit ihm lernt. "Die Hilfsbereitschaft an der Schule ist groß", sagt Wolff. "Es ist das Mindeste, was wir machen können, um Putin die Stirn zu bieten." (Julia Lorenz)

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