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Blick in Ballsaal und Foyer. Noch wird überall gewerkelt. Aber man ist optimistisch: Am 19. September soll eröffnet werden.

KfW-Stiftung zieht ein

Der Wiederaufbau der Villa des ehemaligen Literaturhauses ist fast fertig

Nach jahrelangem Leerstand und anschließender Sanierung durch die KfW-Stiftung beginnt für die Villa in der Bockenheimer Landstraße 102 ein neues Kapitel.

Noch wird gewerkelt und gestrichen. Doch in genau zwei Wochen will die KfW-Stiftung die Villa an der Bockenheimer Landstraße 102 nach knapp vierjähriger Sanierungsphase wiedereröffnen. 2013 erwarb die Stiftung der Kreditanstalt für Wiederaufbau, der weltweit größten nationalen Förderbank, die ihre Zentrale direkt nebenan hat, das Gebäude für rund sechs Millionen Euro. In Zukunft soll es für eigene Veranstaltungen genutzt werden.

Räumlichkeiten bietet das Haus zu Genüge: „Es gibt kleinere Zimmer für intime Veranstaltungen und Meetings, aber auch einen Saal, der Platz für 50 bis 60 Personen bietet. Dort können in Zukunft Ausstellungen oder Banketts stattfinden“, erklärte Christine Lüpke vom technischen Gebäudemanagement der KfW bei einer Ortsbegehung am Dienstag.

Der Erwerb sei auf eine Initiative der Stiftung hin erfolgt: „Mit dem Einzug der Stiftung in die Bockenheimer Landstraße 104 entstand die Idee, die Villa in die Arbeit einzubinden“, sagt Lüpke. Zwar sei die Sanierung bisher nicht abgeschlossen, „aber wir sind zuversichtlich, die Wiedereröffnung am 19. September einhalten zu können“. Die Kosten für die Sanierung könnten noch nicht endgültig beziffert werden, so Pressesprecher Wolfram Schweickhardt und ergänzte: „Aber man darf die Sanierung auch nicht unter betriebswirtschaftlichen Aspekten betrachten.“ Viel mehr gehe es darum, das Gebäude „liebevoll zu sanieren“. Im Mittelpunkt habe dabei vor allem der Denkmalschutz gestanden. Aber auch Energieeffizienz und Barrierefreiheit hätten bei der Sanierung eine große Rolle gespielt. „Wir haben einiges verändert, aber es war uns wichtig, die Persönlichkeit des Gebäudes zu erhalten“, fasste Lüpke zusammen.

Eine der auffälligsten Veränderungen ist der neu eingerichtete Aufzug, der den barrierefreien Zugang zu allen Etagen der Villa ermöglicht. Ein zusätzliches Kellergeschoss, das zwischen der Villa 102 und der Bockenheimer Landstraße 104 liegt, beherbergt weitere Toilettenräume sowie die neu eingerichtete Heizungsanlage. Einige Kompromisse habe man aber eingehen müssen. Etwa bei den Fenstern: „Nach heutigem Standard werden eigentlich dreifach verglaste Scheiben eingesetzt, aber das hätte nicht zum Gebäude gepasst, weil diese Scheiben stark spiegeln. Also haben wir uns mit dem Denkmalschutzamt auf zweifach verglaste Scheiben geeinigt“, verrät Lüpke. Einen Großteil der neuen Technik habe man in den Wandschränken versteckt. „Das soll nicht zu sehen sein“, sagte Lüpke. Aber: „Wir finden, dass uns der Spagat zwischen alt und neu insgesamt sehr gut gelungen ist“, so Schweickhardt.

In den über 100 Jahren seines Bestehens wechselte das Gebäude vielfach seine Besitzer. Erbaut wurde es im neoklassizistischen Stil in den Jahren 1910–1912 nach Entwürfen des Architekten Alfred Engelhard. Doch bereits wenige Jahre später verkaufte der damalige Bauherr Anton Hoffmann die Villa an den jüdischen Unternehmer Albert Sondheimer. Er bewohnte das Haus gemeinsam mit seiner Ehefrau und den vier Töchtern, bis die Familie Deutschland verließ, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Nach unterschiedlichsten Arten der Nutzung folgte 1991 der Einzug des Literaturhauses. Das zog allerdings 2006 aus, 2009 verließ auch das Literaturcafé das Gebäude. Von da an versuchte die Stadt erfolglos, das Haus zu verkaufen. Historiker Marc Zirlewagen hat die Vergangenheit des Gebäudes erforscht und als Buch zusammengefasst, mit der Sanierung sollen auch neue Aspekte der Geschichte bekanntwerden, wie Zirlewagen verriet. Unter anderem habe sich eine 92 Jahre alte Zeitzeugin gemeldet, die im Haus gelebt habe. Ihre Erzählungen habe er pünktlich zur Neueröffnung aufbereitet.

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