Rund 2000 Teilnehmer fanden sich bei der Bike-Night ein, um für mehr sichere Radwege in Frankfurt zu demonstrieren.
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Rund 2000 Teilnehmer fanden sich bei der Bike-Night ein, um für mehr sichere Radwege in Frankfurt zu demonstrieren.

Bike-Night

Wiederöffnung des Mainkais: "Ein Schritt in die falsche Richtung"

Mehr Platz fürs Rad, das fordern die Teilnehmer ei der zehnten Bike-Night. Dass am Frankfurter Mainufer wieder der Verkehr rollt, kommt entsprechend nicht gut an - auch nicht beim Verkehrsdezernenten.

Frankfurt -"#Mehr Platz fürs Rad - nicht nur heut" Nacht!": Das Motto der zehnten "Bike-Night", organisiert vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Frankfurt, ist der Wunsch der vielen Zweiradfahrer, die sich am Samstagabend am Mainkai zwischen Eiserner Steg und Alter Brücke versammelten, um gemeinsam bei einer rund 13 Kilometer langen Tour durch die Stadt für mehr sichere Fahrradwege zu demonstrieren und damit auch als zum Autoverkehr Gleichberechtigte. In diesem Jahr gestaltete sich die Veranstaltung anders als sonst: Abstand zueinander halten, Masken tragen, keine Staus und keine Zwischenkundgebungen. Ordner in orangefarbenen Westen sollten während der Fahrt für die Einhaltung der Regeln sorgen.

Bürgerengagement zeigt Wirkung

Der Mainkai wurde bewusst als Start- und Endpunkt der Veranstaltung gewählt. Nicht nur weil die Fläche in Corona-Zeiten mehr Platz bietet als der Römerberg, von dem aus die Fahrraddemo in den vergangenen Jahren startete. Für die Organisatoren und ihre Mitstreiter ist es vor allem noch einmal eine Möglichkeit, ihr Unverständnis über die Wiedereröffnung des Mainkai für den Autoverkehr am vergangenen Dienstag zum Ausdruck zu bringen. Auch dass die Stadt es versäumt habe, wenigstens eine der dort vorhandenen drei Fahrspuren für den Radverkehr zur Verfügung zu stellen, wurde von Alexander Breit vom Radentscheid Frankfurt vor dem Start der Fahrraddemo kritisiert.

"Die Umgestaltung der Friedberger Landstraße für Fahrradfahrer war heiß diskutiert", erinnerte er. Bilder von chronischen Staus und blockierten Straßenbahnen seien als Argumente dagegen angeführt wurden. Die von der Stadt neugeschaffene Infrastruktur an sicheren breiten und farblich markierten Radwegen von der Alten Brücke bis zur Friedberger Landstraße, rund 1,7 Kilometer, zeige genau das Gegenteil - "die Welt ist nicht untergegangen". Und es verdeutliche auch, dass Bürgerengagement Wirkung habe.

"Sachen, die bis vor kurzem nicht denkbar waren, werden umgesetzt", fasste Breit es zusammen und fordert von der Stadt, die Lücke zu schließen, die noch zwischen Friedberger Platz und Matthias-Beltz-Platz besteht, wo die neu geschaffene Radinfrastruktur abrupt ende. "Menschen steigen auf das Fahrrad um, wenn es komfortabel und sicher für sie ist." Die Wiedereröffnung des Mainkai sei ein Schritt in die falsche Richtung.

Auch Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), der selbst aufs Auto verzichtet und den Öffentlichen Nahverkehr nutzt, sieht die Wiedereröffnung als falsche Entwicklung. Er wünscht sich selbst mehr sichere Radwege in der Stadt, solche wie die neue geschaffene 1,7 Kilometer lange Strecke vom Main zur Friedberger Landstraße. Vor dem Start der Fahrraddemo sprach er sich klar gegen die Forderung aus, den Fahrradverkehr von den Hauptstraßen auf die Nebenstraßen zu verlagern. Eine gleichrangige Nutzung der Straßen durch Auto- und Fahrradfahrer könne nur zulasten des Autoverkehrs erfolgen, formulierte es der Verkehrsdezernent.

ADFC lobt Berlin für temporäre Radwege

Berlin habe in der Corona-Situation reagiert, als viele Menschen aufs Fahrrad umgestiegen sind, und temporäre Radfahrwege eingerichtet. "Gerade das hätten wir uns auch gerne in anderen Städten gewünscht", sagte Rebecca Peters, stellvertretende ADFC-Bundesvorsitzende. Sie fordert, dass der Ausbau einer sicheren Radinfrastruktur in den Städten besser und zügiger vorangeht. "Nachhaltige Entwicklung werde in den Städten gewonnen oder verloren."

Ein Blick auf die Teilnehmer der zehnten "Bike-Night" zeigt, dass sich an der Demonstration Menschen unterschiedlichen Alters beteiligen. Michaela Glaser ist zum vierten Mal mit dabei. "Es hat sich in den vergangenen Jahren schon einiges getan. Die vorhandenen Fahrradwege sind sehr gut, doch es sollte noch mehr sein", wünscht sie sich. Björn Schütz ist aus Mühlheim mit dem Fahrrad an den Mainkai gekommen. "Ich hatte davon gelesen und wollte mitmachen", sagte er. Bevor schließlich der Startschuss zur Fahrraddemo fiel, sprach Stefan Janke, Landesvorsitzender des ADFC. Er erzählte, dass sie derzeit in Zusammenarbeit mit weiteren Vereinen und Initiativen aus Hessen an der Formulierung eines Verkehrswendegesetzes als Volksentscheid arbeiteten, das, so vermutet er, Ende Oktober fertiggestellt sein soll. Alexandra Flieth

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