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Die Brüder Patrick (links) und Dennis Hausmann feiern in diesem Jahr den zehnten Geburtstag des Frankfurter Oktoberfestes.

Frankfurer Oktoberfest

So kam die Wiesn an den Main

800 Taxen stehen wieder Abend für Abend vor der Frankfurter Commerzbank-Arena. Menschen in Lederhosen und Dirndl steigen ein, gut gelaunt und wahrscheinlich auch ein bisschen beschwipst. Der Ruf des Frankfurter Oktoberfests hallt längst weit über die Grenzen der Mainmetropole hinaus. Noch bis zum 7. Oktober wird gefeiert.

Aus dem Odenwald kommen die Leute angefahren, aus dem Spessart, sogar aus Österreich. Auch zum zehnten Geburtstag ist das 2500 Menschen fassende Festzelt an nahezu jedem der 23 Veranstaltungsabende ausgebucht. Eine Erfolgsgeschichte. Doch bis das Frankfurter Oktoberfest wurde, was es heute ist, war es ein langer Weg, wie die Macher dem Fachmagazin „foodservice“ erzählt haben.

Im Jahr 2009 rief der Festzelt-Spezialist Edmund „Eddy“ Hausmann die Frankfurter Oktobersause ins Leben, damals noch am sogenannten Honsell-Dreieck, wo mittlerweile die Europäische Zentralbank ihren Glasturm errichtet hat.

War die Irritation in Frankfurt zunächst groß, wie man denn bloß das bayerische Traditionsfest mit Handkäs’ und Ebbelwei kombinieren könne, waren sich Eddy Hausmann und seine Mitstreiter sicher: „Das wird laufen. Wir brauchen nur Zeit und Geduld.“ Die Familie Hausmann betreibt seit Jahrzehnten auf der Frankfurter Dippemess' ein Festzelt, die bayerischen Abende waren immer ausgebucht. Warum also nicht konsequent im Herbst ein zünftiges Oktoberfest feiern?

„Die ersten Jahre waren durchaus auch von Unsicherheit geprägt“, sagt Patrick Hausmann (31), der mittlerweile mit seinem Bruder Dennis (43) die Geschäfte des Familienbetriebs übernommen hat. „Wir saßen am Anfang auch mal mit 50 Leuten im Zelt, das war nicht immer einfach.“ Zehn Euro kostete bei der Premiere der Eintrittspreis, fünf Euro Mindestverzehr, ein Risiko-Geschäft: „In den ersten zwei, drei Jahren mussten wir viel ausprobieren“, sagt der junge Festzelt-Wirt. Musikprogramm und Essen wurde immer wieder angepasst. Seit dem Jahr 2011 bereits steht das insgesamt mehr als eine Mio. Euro teure Festzelt nun für rund vier Wochen im Jahr auf dem 12 000 Quadratmeter großen Areal vor der Commerzbank-Arena – seitdem läuft es.

„Die Verpflegung der Gäste spielt bei unserem Fest eine sehr, sehr wichtige Rolle“, erklärt Hausmann. Die Speisekarte ist üppig besetzt: Vom Handkäs mit Musik (5,50 Euro) über die Kalbshaxe (39,50 Euro für zwei Personen) und eine Zander-Weißwurst (16,50 Euro) bis hin zur Grünen Soße (9,90 Euro) reicht das Angebot. „Das wird alles in einem eigenen Küchenzelt frisch zubereitet“, so der 31-Jährige. „Das muss alles sehr schnell gehen.“ Bei 2500 Essen zwischen 17.30 Uhr und 22 Uhr muss jeder Handgriff sitzen. Doch ist das insgesamt 120 Personen umfassende Personal eingespielt: Die Festzelt-Küche ist rund um das Jahr im Einsatz – auf Märkten im gesamten Rhein-Main-Gebiet. „Egal ob Hochheimer Markt, Kirmes oder Oktoberfest – die Küchenstruktur ist dieselbe“, sagt Hausmann.

Eine Tischreservierung für das Frankfurter Oktoberfest kostet mittlerweile mindestens 41,30 Euro, 15 Euro Wertmünzen-Mindestverzehr beinhaltet das Ticket. Die kann man auch in Bier investieren. Eine Maß kostet 9,30 Euro. „Wir können das günstiger als die Münchner anbieten, weil wir eben einen Eintrittspreis verlangen“, erklärt der Veranstalter. Seit neun Jahren braut die Frankfurter Binding-Brauerei nach einem Impuls der Hausmanns ein eigenes Festbier, das mittlerweile auch ab Herbst in verschiedenen Frankfurter Getränkebetrieben angeboten wird. Beim Frankfurter Oktoberfest gehen an einem Abend mehrere tausend Liter davon über die Theke.

Und so mauserte sich das Frankfurter Oktoberfest in den vergangenen Jahren zu einem echten Wirtschaftsfaktor für die Mainmetropole: Mehr als 3000 Hotel-Übernachtungen generiert das Fest jährlich. „Fünf Frankfurter Hotels sind während der Veranstaltung ausgebucht. Seit wir das Oktoberfest veranstalten, bieten die großen Kaufhäuser hier bayerische Trachten an“, berichtet der junge Fest-Spezialist stolz. Als Erfolgsformel gibt Patrick Hausmann die Zusammensetzung des Publikums aus: „Man muss schon sagen: Wir haben uns unser Publikum erzogen.“ Man habe Gäste im Visier gehabt, die friedlich feiern und an Traditionen und Stimmungsmusik interessiert sind. „Dass es in den vergangenen Jahren einen regelrechten Oktoberfest-Hype gab, das spielt uns natürlich in die Karten.“ Seit sechs Jahren gab es keine Schlägerei: „Auch das spricht doch deutlich für unser Fest“, sagt der Wirt.

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