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Wildschweine hinterlassen Spur der Verwüstung in Frankfurt

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Von: Michael Forst

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Den Boden umgepflügt: Den Neupflanzungen auf dem Grünstreifen in der Bahnstraße machten die Tiere den Garaus. FOTO: maik reuss
Den Boden umgepflügt: Den Neupflanzungen auf dem Grünstreifen in der Bahnstraße in Frankfurt-Schwanheim machten die Tiere den Garaus. © Maik Reuß

In Frankfurt bekommen Anwohner immer häufiger randalierenden Besuch. Denn Wildschweine suchen sich ihren Weg in die Stadt. 

Frankfurt-Schwanheim – Auf der Suche nach Essensresten und Samen kommen die Tiere immer öfter nach Schwanheim. Sie leisteten ganze Arbeit und waren mit großem Appetit bei der Sache: Eine unbekannte Zahl von Wildschweinen hat auf einem Grünstreifen an der Schwanheimer Bahnstraße eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Wo vorher frisch gesäter Rasen und zarte Rosenpflanzungen waren, blieb zum Schrecken vieler Nachbarn und Passanten nur umgepflügte Erde zurück. Auch auf Grünflächen in anliegenden Seitenstraßen hatten die Tiere wohl in der Nacht auf den Mittwoch vergangener Woche gewütet.

Wildschweine wüten in Frankfurt: Es wird keine Pflanzen vor dem Frühjahr geben

"Es handelt sich bei der Fläche um Straßenbegleitgrün, hauptsächlich Rasen", bestätigt Sandra Rosenkranz vom Grünflächenamt auf Anfrage. Auf einem Teilstück, das dem Amt für Straßenbau und Erschließung gehöre, seien Rosen gepflanzt gewesen, erklärte Rosenkranz. Und wann werden die Folgen der heißen Schlacht am grünen Buffett beseitigt? "Die Wiederherstellung wird derzeit natürlich geprüft", sagt die Grünflächenamt-Sprecherin. Und schränkt ein: "Vor dem Frühjahr wird jedoch keine neue Pflanzung erfolgen."

Schwanheimer Bürger, vor allem Kleingärtner, klagen seit langem über nächtliche Besuche der ungebetenen Gäste. Gerade erregt ein Video in der Facebook-Gruppe des Stadtteils die Gemüter, das ein Autofahrer abends in der Rheinlandstraße / Ecke Hainbuchenstraße von einem offenbar hungrigem Wildschwein-Trio gemacht hat, das auf der Suche nach Essbarem vor ihm in aller Seelenruhe die Fahrbahn überquert. Der allgemeine Eindruck: Begegnungen dieser Art werden immer häufiger.

Nachwuchs bei den Wildschweinen: Tiere dringen immer wieder bis nach Frankfurt vor

Dafür hat Sandra Rosenkranz eine Erklärung: "In den vergangenen Jahren haben Eichen und Buchen sehr viele Samen abgeworfen. Dies hat zu einem sehr guten Ernährungszustand und somit zu viel Nachwuchs bei den Wildschweinen geführt", berichtet sie. In diesem Jahr sei die so genannte Mast (Früchte der Buchen, Eichen, Kastanien und Rosskastanien, Anm. d. Red.) bei besagten Bäumen allerdings fast völlig ausgeblieben, wie sie beschreibt. "Die Wildschweine dringen vermehrt auf Nahrungssuche in die stadtnahen Bereiche vor, wo sie auf Grünflächen nach Insekten suchen. Aber auch Essensreste sind ihnen willkommen."

Was können Bürger dagegen tun? "Unser Stadtforstamt rät, Lebensmittel ordnungsgemäß in den Mülltonnen zu entsorgen und nicht achtlos wegzuwerfen oder gar die Wildschweine anzufüttern", antwortet Rosenkranz. Und was unternimmt die Stadt in dieser Sache? Der Stadtwald bei Frankfurt, erläutert sie, werde von den Förstern des Grünflächenamtes bejagt. Sie ergänzt: "Doch besagte Flächen wie die Rheinlandstraße oder Gärten liegen außerhalb des Waldes in einem so genannten befriedeten Bezirk. Hier darf nicht gejagt werden." Deshalb setze die Untere Jagdbehörde zwei speziell ausgebildete "Stadtjäger" ein. Deren Aufgabe: "Die Wildschweine auf den Grünflächen zu erlegen und somit für Abschreckung zu sorgen."

Treibjagd bei Frankfurt: Das wird gegen die Wildschweine unternommen

Tagsüber jedoch versteckten sich die Wildschweine im Wald. Um die Populationen einzudämmen, gebe es "neben Jagden vom Hochsitz aus auch drei größere Bewegungsjagden mit bis zu 50 Jägern". Beispiel dafür sei die so genannte Hubertusjagd, die viele Bürger zuletzt Anfang November wahrnahmen: Rund 60 Jägerinnen und Jägern plus einigen Treibern sammelten sich samt Hunden auf dem Gehweg in der Schwanheimer Bahnstraße und begaben sich im benachbarten Stadtwald in den Forstrevieren Schwanheim und Goldstein auf die Pirsch.

Die Beute war indes überschaubar: Nur drei Rehe und zwei Wildschweine wurden erlegt. In vergangenen Jahren waren es laut Stadtforstleiterin Tina Baumann schon mal 30 bis 40 Tiere. Mutmaßlich wegen des Regens aber hatten sich die Wildschweine bei der jüngsten Hubertusjagd gut versteckt gehalten. Gut für sie – Pech für die Jäger. (Michael Forst)

Im Stadtwald in Frankfurt-Schwanheim sind nur noch zwei Prozent der Bäume gesund. Ursache dafür ist der Klimawandel.

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