Verbot von Wildtieren in den Manegen?

Wildtier-Verbot in der Manege wäre das Aus für Zirkus Knie

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Nach dem tödlichen Angriff eines Zirkuselefanten auf einen Spaziergänger wird über ein Verbot von Wildtieren in den Manegen diskutiert. „Dann würde ich zumachen“, sagt Sascha Melnjak, Direktor des Zirkus Knie. Er gastiert gerade in Frankfurt.

Für Prof. Manfred Niekisch, Direktor des Frankfurter Zoos, gibt es keinen Zweifel: „Wildtiere gehören nicht in Zirkusse.“ Deshalb begrüßt er die Ankündigung der hessischen Landregierung, sich im Bundesrat für ein Verbot starkzumachen. Elefanten, Löwen, Tiger, Robben, Bären, Nashörner oder Flusspferde zu halten und zu dressieren, damit sie Menschen unterhalten, hält er keinesfalls für artgerecht. „Ich finde es weder pädagogisch wertvoll noch besonders lustig zu sehen, wenn Elefanten für das Publikum Kunststückchen machen“, sagt der Zoodirektor, der diese Position seit Jahren vertritt. Sascha Melnjak, Direktor des Zirkus Charles Knie, schüttelt dann jedes Mal den Kopf. „Es gibt keine Notwendigkeit für ein Verbot“, sagt er. Melnjak hat den traditionsreichen Zirkus, der noch bis Monatsende am Ratsweg gastiert, 2007 übernommen. Circa 90 Tiere gehören zu Knie. „Wir leben 365 Tage mit ihnen zusammen, wir wissen, dass es ihnen gutgeht.“ Die Tiere seien so an den Umgang mit Menschen gewöhnt, „da kann man eigentlich nicht mehr von Wildtieren sprechen“. Käme das Wildtier-Verbot tatsächlich, „würde ich keinen Zirkus mehr machen“, sagt Melnjak. Was aber soll dann mit den Tieren geschehen? „Würden sie gehalten wie im Zoo, würden sie verkümmern.“

Allein in Frankfurt werden am Ende des Gastspiels mehr als 35 000 Zuschauer über die Nummern mit Elefanten, Raubtieren und Kamelen gestaunt und gelacht haben. „Wir haben über 500 000 Besucher im Jahr. So unbeliebt kann der Zirkus nicht sein.“ Die Vorwürfe, die Vertreter von Tierschutzorganisationen gegen ihn und seine Kollegen erheben, hält der Zirkusdirektor für unberechtigt. „Wir sind die meistkontrollierte Form von Tierhaltung. In jeder Stadt kommt das Veterinäramt vorbei.“

Im Falle der Elefanten sind sich Niekisch und Melnjak in einem Punkt einig: „Mit oder ohne Verbot wird es in einigen Jahren keine Dickhäuter im Zirkus mehr geben.“ Denn europaweit ist es verboten, wild gefangene Tiere zu importieren. Auch die Zucht ist nicht erlaubt. „Bei uns tritt derzeit eine italienische Familie mit ihren Elefanten auf. Die Tiere sind 47 Jahre alt – lange werden sie nicht mehr auftreten können“, sagt Melnjak.

(ing)

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