Der Geschmack von Kaffee hängt ganz stark von dem Boden ab, auf dem er wächst, von der Pflanze und vom Röstprozess: Die Kaffeeexperten Matthias Hoppenworth und Joris Kochner.
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Der Geschmack von Kaffee hängt ganz stark von dem Boden ab, auf dem er wächst, von der Pflanze und vom Röstprozess: Die Kaffeeexperten Matthias Hoppenworth und Joris Kochner.

Gastro

„Rösterei des Jahres“: Kaffeerösterei aus Frankfurt räumt bei Presiverleihung ab

  • VonSabine Schramek
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Die junge Kaffeerösterei „Hoppenworth & Ploch“ aus Frankfurt wird zur „Rösterei des Jahres“ gekürt. Sie hat besonders hohe Qualitätsansprüche.

Frankfurt – Kaffee ist längst das beliebteste Heißgetränk in Deutschland. Im Durchschnitt kamen 2020 pro Kopf 164 Liter pro Jahr auf den Tisch. Dabei trinkt jeder Hesse am Tag 3,4 Tassen Kaffee. Ob es der Duft, der Wachmacher-Effekt oder purer Genuss ist - Gründe gibt es viele. Die junge Rösterei „Hoppenworth & Ploch“ aus Frankfurt setzt auf natürlichen schokoladig-nussigen, beerigen und zitronigen Geschmack. Dafür wurde sie jetzt zur „Rösterei des Jahres“ gekürt.

Es raschelt, rappelt und rumpelt in der großen Halle zwischen Jutesäcken, Kaffeemaschinen und der Röstmaschine, die optisch ein wenig an eine Lokomotive erinnert. Duft nach Karamell und Kaffee pur hängt in der Luft. „Der Geschmack von Kaffee hängt ganz stark von dem Boden ab, auf dem er wächst, von der Pflanze und vom Röstprozess“, erklärt Matthias Hoppenworth (39), der früher Kaffee überhaupt nicht mochte. „Nur mit ganz viel Milch ging es“, meint er lachend.

Kaffeerösterei in Frankfurt: Inhaber war deutscher Latte-Art-Meister

Vorsichtig nimmt er einzelne Kaffeebohnen in die Hand, die aussehen wie geröstete Erdnüsse, nur etwas grüner. Meist enthalten die Kirschen der Kaffeepflanzen zwei Samen, die mit der flachen Seite zueinander gewandt in der Frucht sitzen. Hoppenworth findet eine seltene rundliche Bohne. „Das ist eine Pearlbohne. Sie ist als einziges Samenkorn gekeimt und schmeckt intensiver als die anderen“, sagt er und hält sie wie einen Schatz zwischen zwei Fingern. Gemeinsam mit seinem Partner Julian Ploch hat 2006 die Kunst von „Latte Art“ entdeckt. „Das war wie ein Heureka-Moment“, meint er und macht nur mit sanften Bewegungen beim Milcheingießen wie nebenbei zwei Cappuccinos, auf deren Fläche sich Herz- und Blätterformen ranken. Fünf Jahre später war er deutscher Latte-Art-Meister. Kaffee war längst ein Lieblingsgetränk von ihm geworden.

„Mit Kaffee ist es wie mit dem Kochen. Man muss herausfinden, wem was wie schmeckt. Wie bei einem Steak. Manche mögen es durchgebraten, andere innen noch fast roh. Oder man kann ein Steak außen fast schwarz braten und innen ist es trotzdem noch rosa. So geht es auch beim Kaffee. Je nachdem, in welchem Land und in welcher Höhe er wächst, ist der Grundgeschmack völlig unterschiedlich. Wenn er dann geröstet wird, gibt es unzählige weitere Geschmacksnuancen“, schwärmt er.

Rösterei in Frankfurt macht Blindverkostung von Kaffeebohnen

Dem stimmt auch Joris Kochner (29) zu. „Wir bestellen die Bohnen ausschließlich direkt beim Hersteller oder bei Importeuren und auch nur saisonal. Wir lassen uns 30 bis 40 Sorten aus aller Welt kommen und probieren sie alle einzeln durch, ohne zu wissen, woher sie kommen, damit wir neutral bleiben. Genau wie bei einer Blindverkostung bei einer Weinprobe.“ Die Bohnen kommen aus Asien, Afrika oder Süd- und Mittelamerika. „In Guatemala gibt es tollen Kaffee, aber auch in Vietnam, Myanmar, Burundi und sogar auch China“, haben sie festgestellt.

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Seit 2011 rösten Hoppenworth und Ploch Kaffee, 2014 haben sie eine eigene Röstanlage im Nordend angeschafft und seit 2019 das Rösten in den Länderweg nach Sachsenhausen verlegt. Insgesamt 60 Mitarbeiter beschäftigen sie in der Rösterei und in ihren drei Frankfurter Cafés am Campus Westend, im Nordend und in der Neuen Altstadt. "Nächste Woche verlagern wir auch das Backen unserer Kuchen in das Gebäude der Rösterei", erzählt Hoppenworth.

Frankfurt: Deutscher Röstmeister arbeitet in Kaffeerösterei des Jahres

Gut 20 Stunden in der Woche werden hier Kaffeebohnen geröstet. Das übernimmt meist Kilian Seger (30), der 2018 zum deutschen Röstmeister gekürt wurde. Auszeichnungen sind die Kaffee-Experten aus Frankfurt gewohnt und freuen sich trotzdem über jede weitere. Vom bundesweiten Kaffee-Magazin „Crema“ wurde ihre Rösterei mit dem Titel „Kaffeerösterei des Jahres“ gekrönt. „Wir arbeiten sehr penibel“, sind sie sich einig.

Jedes Mal, wenn Kaffee gebrannt wird, machen sie einen sensorischen Test. Immer mit derselben Menge Kaffee, demselben Mahlgrad und derselben Menge Wasser aus derselben Quelle. „Nur so können wir sicher gehen, dass die Vielfalt, der Geschmack und natürlich die Bohnenqualität so ist, dass unsere Kunden in den Cafés, in Gastronomien und zu Hause und im Büro zufrieden sind.“ Auch Seminare bieten die Kaffeeröster an. Für Barista, für Kaffeeproben, zum Rösten und für Latte Art. (Sabine Schramek)

Nähere Infos

hoppenworth-ploch.de

Auch das neue Café „Or‘ Doñez“ in Frankfurt-Sachsenhausen bietet Köstlichkeiten rund um Kaffee, Kakao und Zucker. Die Familie Or‘Doñez unterstützt Farmen und Kooperativen in ihrem Heimatland Kolumbien. Im „Massif Central“ kann man sein Fahrrad auf Vordermann bringen lassen und mit anderen Radlern bei Espresso oder Bier plaudern. Seit Kurzem empfängt auch das Café Liebfrauenberg in Frankfurt wieder Gäste – in neuem Ambiente.

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