„Wir brauchen nicht nur Priester, sondern gute“

Pater Stephan Kessler (56) leitet das Priesterseminar und bildet junge Anwärter an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen aus. Julia Lorenz sprach mit ihm über den Nachwuchsmangel und die Zukunft der Geistlichen.

Pater Kessler, Sankt Georgen hat ein neues Priesterseminar für neun Millionen Euro gebaut. Bedarf es dieser Ausbildungsstätten überhaupt noch?

PATER STEPHAN KESSLER: Die Kirche braucht auf jeden Fall Priester. Die gehören wesentlich dazu. Und wir Menschen brauchen die Verkündigung des Glaubens.

Gibt es denn noch junge Menschen, die Priester werden wollen?

KESSLER: Ja, aber sehr, sehr wenige. Die Menschen suchen das Heilige, das Andere. Allerdings ist es heutzutage nicht mehr so, dass man automatisch als Christ geboren wird. Der Automatismus einer christlichen Sozialisation ist vorbei.

Haben Sie denn noch genug Priesterkandidaten?

KESSLER: Nein. Die Kirchen haben seit Jahren mit Nachwuchsmangel zu kämpfen. Es gibt immer weniger Menschen, die diesen Beruf ausüben wollen. Mittlerweile haben wir sogar ein Niveau erreicht, das nur schwer zu ertragen ist.

Was unternehmen Sie dagegen?

KESSLER: Das Überzeugendste muss der Beruf selbst sein. Die Kirche ist lange einen antimodernen Weg gegangen. Das ändert sich mit Papst Franziskus zum Glück. Wir müssen für die Menschen da sein, ihnen beistehen, ohne zu verstummen. Es ist Christenpflicht, die Stimme für andere zu erheben, wenn es um Humanität, Würde, Kultur, gerechte Politik und Freiheit geht. Wenn die Kirche in der modernen Gesellschaft eine Zukunft haben will, braucht sie nicht nur Priester, sondern gute. Dafür gibt es das neue Seminar.

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